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Früherer Eintracht-Torjäger : Vom Sorgenkind zum Helfer in der Not

Im Eintracht-Trikot für das Toreschießen zuständig: Martin Fenin (rechts), hier 2009 Bild: Picture-Alliance

Martin Fenin hilft in der Corona-Krise als Freiwilliger in Prag. Der frühere Eintracht-Profi hat selbst schwere Zeiten hinter sich. Zuletzt machte er mit Fehltritten abseits des Spielfelds von sich reden.

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          Stolz posiert Martin Fenin vor einem Zelt des Roten Kreuzes im historischen Zentrum von Prag, das Gesicht mit Mundschutz bedeckt, wie es in der Tschechischen Republik seit Mitte März Pflicht ist. Als Beweis, dass es der ehemalige Fußballprofi der Eintracht ernst meint, präsentiert er in den sozialen Medien auch den offiziellen Helferausweis. „Freiwilliger“ steht auf ihm in tschechischer Sprache, dazu der Hinweis „Covid-19“ auf das Coronavirus.

          „Wie in einem Film“, beschreibt Fenin am Telefon die Lage in der tschechischen Hauptstadt. Er könne, während seine Freundin draußen als Polizistin arbeite, eigentlich nichts tun. Statt in der Wohnung rumzusitzen, wolle er sich nützlich machen. Seine Mutter sei als Kinderärztin ebenso im Dienst. Dreimal sei er bisher für Senioren einkaufen gegangen, berichtet der sechzehnmalige tschechische Nationalspieler. „Die alten Menschen sind am meisten in Gefahr“, sagt Fenin. Über eine App erhalte er eine Nachricht und nehme den Einkaufszettel an der Wohnungstür mit. Bei der Übergabe trügen er und die Senioren Mundschutz und Handschuhe. Sicherheit geht vor. Wenn die Freundin frei habe, unternehme man aber was zusammen. Neueste Bilder auf Facebook und Instagram zeigen das Paar vermummt auf der Prager Karlsbrücke.

          Nochmal nach Frankfurt?

          Den Kontakt zur Eintracht hat Martin Fenin nie abreißen lassen. „Es ist mein Traum, noch mal in Frankfurt zu sein“, sagt der Tscheche, der erst im Januar Eintracht-Materialwart Igor Simonov in der Frankfurter Kabine besucht hatte. Im Eintracht-Trikot erlebte der Angreifer die mit Abstand beste Zeit seiner Spielerkarriere. Bei seinem Bundesligadebüt im Februar 2008 schoss er auswärts bei Hertha BSC drei Tore. Fenin genießt weiter die Zuneigung der Frankfurter Fans. Für sie betreibt er eine Facebook-Seite auf Deutsch, die er dieser Tage häufiger füttert denn je. Zum Beispiel präsentiert sich Fenin mit Mundschutz und Eintracht-Fanshirt vor einem Einkaufszentrum in seiner nordböhmischen Heimatstadt Teplice. In den vergangenen Jahren ist er wiederholt als Fan zu Frankfurter Spielen gefahren, so auch zum Pokalsieg 2018 nach Berlin.

          Auch wenn sich der Zweiunddreißigjährige als fröhlicher und nahbarer Mensch präsentiert, hatte es Fenin in den vergangenen Jahren schwer. „Mit aktivem Fußball ist Schluss“, sagt er. Während seines letzten Engagements beim tschechischen Zweitligaverein FK Varnsdorf habe er sich die Hand gebrochen. „Danach hatte ich keine Motivation mehr.“ Im Februar 2018 beendete Fenin seine Spielerkarriere, die so glänzend begonnen hatte, durch die Hintertür. Der Niedergang war zuvor schon unaufhaltsam: Im Oktober 2011 stürzte Fenin, mittlerweile von Frankfurt zum damaligen Zweitligaklub Energie Cottbus transferiert, aus dem Fenster, erlitt eine Hirnblutung und nahm wegen Depressionen eine Auszeit. Nachdem er 2013 Cottbus verlassen hatte, konnte er weder beim Traditionsklub Slavia Prag, bei seinem Heimatverein FK Teplice noch bei unterklassigen Vereinen in Chemnitz, im französischen Istres und zuletzt in Varnsdorf Fuß fassen.

          Stärker machte Martin Fenin zuletzt mit Fehltritten abseits des Spielfelds von sich reden. Im November 2017 überschlug er sich in Nordböhmen mit seinem Auto. Im April 2018 hatte er sich aber dafür entschuldigt, betrunken in der Fußball-Talkshow „Tiki-Taka“ im tschechischen Bezahlfernsehen aufgetreten zu sein. Sogar Fenins Mutter äußerte danach gegenüber der Boulevardzeitung „Blesk“ Zweifel, ob sich ihr Sohn helfen lassen wolle. Im Juli 2019 trat Fenin trotzdem wieder in „Tiki-Taka“ auf. Bei seinem letzten „Tiki-Taka“-Auftritt hatte er den Filmemacher, Schauspieler und Schriftsteller Jakub Kohák an seiner Seite. „Er ist ein sehr enger Freund von mir“, sagt Fenin. Kohák schreibe ein Buch über seine Karriere „mit Höhen und Tiefen“, wie Fenin selbst sagt. Vor Weihnachten soll es erscheinen.

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