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Eintracht-Profi Chandler : „In Amerika ist Komplett-Chaos“

Lasst alles so sein wie früher: Eintracht-Profi Timothy Chandler wünscht sich die alten Zeiten zurück. Bild: dpa

Timothy Chandler bleibt auch in diesen Tagen optimistisch. Nur der Blick zur Verwandtschaft in die Vereinigten Staaten bereitet dem Frankfurter Profi Sorgen. Für die Zeit nach der Corona-Krise hat er aber schon ein Ziel.

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          Das Gespräch am Tag der Zeitumstellung findet mit leichter Verzögerung statt. Man sieht es Timothy Chandler nach. Schließlich ist der Sonntag für den Fußballprofi der Eintracht ein ganz besonderer Tag gewesen. Chandler, in Frankfurt geboren, ist 30 Jahre alt geworden. Ein runder Geburtstag, der an einem normalen Tag besonders gefeiert worden wäre. Doch in Zeiten der Coronakrise gibt es keine normalen Tage. Tage, an denen Chandler gemeinsam mit seinen Mitspielern um Punkte kämpft, täglich trainiert und sich auf den regen Gedankenaustausch freut. „Es ist derzeit eine schwierige Zeit“, sagte die Frohnatur in einer Telefonkonferenz am Vormittag: „Ich versuche aber, immer alles positiv zu sehen, damit ich meine gute Laune beibehalte.“

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          Bestens gelaunt – so kennt man den Fußballspieler Chandler, der für seinen Herzensklub stets alles gibt. In dieser Saison ist ihm dabei Besonderes geglückt: Er hat vier Tore in lediglich 14 Bundesliga-Einsätzen erzielt. Eine erstaunliche Quote des flinken Außenbahnspielers, der sich flankend und köpfend aus dem Hintergrund wieder in den Blickpunkt gespielt hat. Eine Selbstverständlichkeit ist dies nicht. Schließlich hatte der Familienvater in den vergangenen Jahren zwei schlimme Knieschädigungen erlitten und musste viel Zeit und Kraft investieren, um wieder zurückzukommen.

          Doch der kämpferische Chandler schaffte jeweils das Comeback, was auch seinen Trainern und der Vereinsführung imponierte. Vor ziemlich genau einem halben Jahr machten Chandler und die Eintracht-Verantwortlichen um Sportvorstand Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Adi Hütter deshalb Nägel mit Köpfen und verlängerten die 2014 eingegangene Partnerschaft ein weiteres Mal bis nun einschließlich 30. Juni 2022.

          Karriereende in Frankfurt?

          Vieles spricht dafür, dass der Frankfurter Bub mit der amerikanischen Staatsbürgerschaft seine Karriere bei der Eintracht beenden wird. Aktuell jedoch umtreibt auch ihn die Corona-Pandemie – nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Vereinigten Staaten, wo Onkel und Tante leben. „In Amerika ist Komplett-Chaos“, sagte Chandler am Sonntag: „Sie haben das unterschätzt. Es wird dort noch längere Zeit dauern, und ich hoffe, dass sie es geregelt bekommen.“ Die Familie und besonders die kleine Tochter im Fokus, sehnt Chandler die Zeit herbei, in der alles wieder so wie früher sein soll. Dass es tatsächlich so kommt, davon ist der rechte Außenbahnspieler fest überzeugt. „Ich weiß nicht, wie lange es noch dauern wird. Aber ich glaube, dass es wieder einen normalen Alltag geben wird.“ Für Chandler ist es wichtig, „dass sich die Situation insgesamt beruhigt und dass die Leute in ihr normales Leben zurückkehren können.“

          Ein normales Leben auch mit normalem Bundesliga-Fußball? Wie so viele rechnet auch Chandler damit, dass es nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Profifußball für längere Zeit Geisterspiele geben wird. „Konkrete Gedanken“, sagte er, habe er sich darüber derzeit noch nicht gemacht. „Aber ich weiß, dass die Leute einfach wieder nur Fußball sehen wollen.“ Vielleicht ja auch die ältere Dame, die im selben Haus wie Chandler wohnt und der er vor der vierzehntägigen Quarantäne, in die sich der Eintracht-Profi wie der Rest des Teams nach den vier bekannt gemachten Coronafällen begeben musste, mit Rat und Tat zur Seite stand. „Ich habe für sie Einkäufe gemacht“, sagte Chandler. „Und Lebensmittel an die Tafel haben wir auch gespendet.“ Sein Credo: „Ich versuche dort zu helfen, wo ich helfen kann.“

          Am 5. April soll es wieder losgehen. Die Eintracht plant für diesen Tag die Rückkehr in das Training, das vorerst wegen der Kontaktbeschränkungen anders als sonst organisiert wird. „Konkrete Vorstellungen, wie es abläuft, habe ich noch nicht“, sagte Chandler. „Aber ich würde mich freuen, einfach wieder auf dem Rasen zu sein. Denn es ist ein ganz anderes Gefühl und ein Riesenunterschied, ob Du nur zu Hause Fahrrad fährst oder auf dem Platz stehst.“ Chandlers größter sportlicher Wunsch: „Ich hoffe darauf, schnellstmöglich wieder in vollen Stadien zu spielen.“

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