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Fußball und die Coronakrise : Die besonderen Maßnahmen der Eintracht

Darf nicht in die Heimat, muss aber auch nicht selbst kochen: Eintracht-Profi Filip Kostic während der Corona-Krise Bild: dpa

Die Frankfurter Fußballprofis müssen wie ihre Kollegen der anderen Bundesligavereine derzeit einen Gang zurückschalten. Doch die Klubs reagieren entsprechend. Bei der Eintracht kommt es dabei auch zu kuriosen Situationen.

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          Für vorerst eine Woche hat sich die Eintracht aus dem Trainingsbetrieb zurückgezogen. Die am Samstag getroffene Entscheidung der Sportlichen Leitung um Sportvorstand Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Adi Hütter ist alternativlos. Bei den Frankfurter Fußballprofis setzt man ab sofort auf noch mehr Eigenverantwortung und Selbständigkeit.

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          Die Lizenzspieler des Tabellenzwölften der Bundesliga haben am Samstag entsprechende individuelle Trainingspläne ausgehändigt bekommen. Zur angestammten Bundesligakernzeit am Nachmittag, die derzeit wegen der Coronavirus-Pandemie keine mehr ist, hatte Trainer Hütter seine Mannschaft letztmalig an der verwaisten Arena im Stadtwald zu einer gemeinsamen Übungseinheit versammelt. Natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit – so wie in den Tagen zuvor auch schon.

          Besondere Maßnahmen

          Soziale Kontakte sind auf ein Minimum reduziert worden. Die Eintracht hält sich an diese Bitte, die auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert worden war. Um dazu möglichst alles dafür zu tun, dass sich keiner der Eintracht-Profis und des Trainer- und Betreuerteams mit dem Virus infiziert, hat der Klub in dieser besonderen Lage besondere Maßnahmen ergriffen. Dazu gehört beispielsweise, dass den Spielern dreimal täglich ein Essensangebot gemacht wird, um Restaurantbesuche zu vermeiden. Lunchpakete in Ausnahmezeiten.

          „Es ist eine außergewöhnliche Situation, die auch von uns außergewöhnliche Maßnahmen erfordert“, sagte Sportvorstand Bobic. „Die Jungs sollen in den kommenden Tagen möglichst auf soziale Kontakte abseits der eigenen Familie verzichten. Reisen oder Heimatbesuche unserer ausländischen Spieler müssen ausbleiben. Wie wir die darauffolgenden Wochen verfahren, entscheiden wir in Kenntnis der Neubewertung der aktuellsten Situation.“

          Kein Training in der Gruppe. Stattdessen Individualprogramm zu Hause. Wer mag, kann auch in die Frankfurter Arena kommen, wo den Spielern Fitnessräume und Trainingsbereiche zur Verfügung stehen. Diese werden ab sofort täglich von einer Spezialfirma „fachmännisch desinfiziert und gereinigt“, wie der Klub wissen ließ. Um einen aktuellen Überblick über den derzeitigen Fitnesszustand seiner Mannschaft zu bekommen, hat Chefcoach Hütter alle Spieler für diesen Dienstag einbestellt. Dann steht ein Laktattest auf dem Programm. „Im personellen Wechsel werden Personen aus dem Mannschaftsumfeld wie das Trainerteam, Teammanagement, Analyse oder Materialwart einen professionellen Tagesablauf gewährleisten“, heißt es von Klubseite. Darüber hinaus wird den Spielern und dem Betreuerstab auferlegt, sich möglichst in den eigenen Räumlichkeiten aufzuhalten.

          Ab in die Garage: Der Eintracht-Bus wird vorläufig nicht benötigt.
          Ab in die Garage: Der Eintracht-Bus wird vorläufig nicht benötigt. : Bild: Imago

          Am trainingsfreien Sonntag hätte es eigentlich Grund zum Feiern gegeben. Doch weder der Jubilar noch die Mannschaftskollegen verspürten in diesen schwierigen, von großer Ungewissheit und Sorge geprägten Tagen die Lust dazu. Richtig ist: Felix Wiedwald ist 30 Jahre alt geworden. Damit gehört der Ersatztorhüter zum Kreis der älteren Eintracht-Profis. In der aktuellen Saison ist Wiedwald dreimal zum Einsatz gekommen. Dreimal gab es Niederlagen – zu Hause 0:2 gegen Wolfsburg und 2:4 gegen Köln, auswärts 1:2 in Paderborn. Die Eintracht, für die Wiedwald nach seinem ersten Intermezzo von 2013 bis 2015 jetzt schon zum zweiten Mal unter Vertrag steht, gratulierte digital per Twitter. „Feier schön, Keeper“, stand dort zu lesen.

          Tags zuvor durfte gleichfalls gratuliert werden. Diesmal betraf es keinen aus dem Eintracht-Kader, sondern den Mann, der ganz oben steht: Peter Fischer. Der Präsident ist am Samstag 64 Jahre alt geworden. Nur zu gern hätte der wortgewandte Fischer dies im größeren Rahmen, beispielsweise rund um ein Bundesligaspiel, gefeiert. Doch die Partie gegen Borussia Mönchengladbach ist wie alle anderen des 26. Spieltags auch auf unbekannte Zeit verschoben worden. Nach insgesamt 43 Pflichtspielen in drei Wettbewerben mit Höhen wie dem 5:1 gegen die Bayern und Tiefen wie zuletzt dem empfindlichen 0:3 gegen den FC Basel ist der Fortgang des Spielbetriebs in Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League derzeit mehr als ungewiss.

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