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Fußball-Bundesliga : Standards sind das Erfolgsmodell der Eintracht

Die Eintracht muss bis auf Weiteres auf ihren leicht verletzten Profi Ansgar Knauff verzichten. Bild: dpa

Was offensiv funktioniert, wünscht sich Oliver Glasner auch für die Defensive. Der Eintracht-Coach hadert beim Thema Standardsituationen mit einem ungewöhnlichen Defizit in seiner Mannschaft.

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          Wenn Oliver Glasner an Standardsituationen im Spiel seiner Mannschaft denkt, hat der Eintracht-Trainer gemischte Gefühle. Auf der einen Seite freut er sich über die Abschlussstärke seiner Spieler im Angriff. Denn 11 von 32 Bundesliga-Toren gelangen dem Team bis zur Winterpause nach ruhenden Bällen. In dieser Statistik liegen nur die Freiburger (13) und die Gladbacher nach 15 Spieltagen vor den Hessen. Standardkönige waren die Frankfurter am siebten Spieltag beim 3:1 in Stuttgart, als allen Treffern durch Sebastian Rode, Daichi Kamada und Kristijan Jakic Standards vorausgingen.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Wenn es um diese Disziplin geht, macht keiner dem Japaner Kamada etwas vor, der an sechs solcher Spielsituationen erfolgreich beteiligt war. Insgesamt ist der Mittelfeldspieler wettbewerbsübergreifend mit zwölf Treffern zum Torgaranten beim Champions-League-Achtelfinalteilnehmer geworden. Dieser fulminante Aufstieg in dieser Spielzeit war ihm nicht unbedingt zuzutrauen.

          Glasner muss bis auf Weiteres auf seine Profis Ansgar Knauff (leichte Faszienblessur), der schon sechs Pflichtspiele wegen einer Oberschenkelverletzung verpasst hatte, und Marcel Wenig (Mittelfußbruch, erlitten im Training, Ausfallzeit wohl rund drei Monate) verzichten. Der Coach hat im Rückblick auf die vergangenen Monate noch weiteren Grund, sich zu ärgern.

          Bei der Abwehrarbeit zeigten seine Spieler ein anderes, unvorteilhaftes Gesicht. 11 der 24 Frankfurter Gegentore fielen ebenfalls nach Standardsituationen. Noch schlechter stellt sich bei ruhenden Bällen nur der Tabellenvorletzte Bochum (15) an. Fünf Treffer musste das Team von Glasner jeweils nach Eckbällen hinnehmen, in der Spielklasse ist das der Negativwert unter den 18 Klubs.

          „Oft in der Körpergröße unterlegen“

          Der Trainer führt diese Schwäche auch auf den Umstand zurück, dass seine Mannschaft dem Gegner „oft in der Körpergröße unterlegen“ sei. Aus dem Kreis der Stammkräfte können nur zwei Feldspieler mehr als 1,85 Meter Körperlänge aufbieten: Verteidiger Evan Ndicka, der 1,92 Meter misst, und Stürmer Randal Kolo Muani (1,87 Meter). Beim 1:1 der Eintracht in Mainz am 13. November war fast die halbe Startformation von Trainer Bo Svensson größer als 1,85 Meter: Dazu zählten Alexander Hack, Edimilson Fernandes, Anton Stach, Karim Onisiwo oder Torhüter Robin Zentner.

          Das Spiel Ende August bei Werder Bremen hatten die Hessen zwar 4:3 gewonnen. Aber die Gegentore beklagte die Eintracht nach einem Eckball, einem Freistoß und einem Elfmeter. Nur mit fehlender Körpergröße hatten sie diesmal nichts zu tun. Ab und an vermisst Glasner bei seinen Profis auch die nötige Geschwindigkeit und Abgezocktheit. „Wenn du schon nicht acht Spieler mit einem Gardemaß von 1,94 Meter und einem Gewicht von 95 Kilo hast, die um sich herum alles wegräumen, musst du dir andere Tugenden aneignen“, fordert der Trainer.

          Wenig Zeit für Standardsituationen

          Der Österreicher sieht seine Mannschaft in einem Lernprozess, bei dem sich die ersten Erfolge schon eingestellt hätten. Aufgrund der vielen Englischen Wochen vor der Winterpause blieb Glasner kaum Zeit, mit seinem Team Standardsituationen zu trainieren. Trotzdem machte es Standards in der Offensive zu einem Erfolgsmodell.

          Ganz wichtig: Für den Trainer ist das eine Frage von Überzeugung und entsprechendem Willen. „Standardsituationen sind für mich eine Mentalitätsgeschichte“, sagte er im Anschluss an den Auswärtserfolg gegen Stuttgart. „Es hat weniger mit Größe zu tun, sondern mit der Entschlossenheit, will ich das Tor wirklich machen?“ Diesen Willen hätten seine Spieler von der ersten Sekunde an gezeigt. Auch „im Weltfußball“ gebe es Beispiele für seine Auffassung: „Sergio Ramos hat für Furore gesorgt und mit seiner Wucht oft entscheidende Standardtore erzielt – und ist auch nicht 1,98 Meter groß“, sagte Glasner. Der Spanier misst 1,84 Meter.

          Vor dem dreiwöchigen Winterurlaub, der für die Eintracht-Spieler am 10. Dezember beginnt, will der Trainer die ohne Wettkampftermine üppige Zeit zum Trainieren gewinnbringend nutzen. Der Schwerpunkt solle „vor allem auf dem Defensivverhalten, individuell und mannschaftstaktisch liegen“, benannte er das Arbeitsprogramm. Genau im Blick hat er dabei auch „defensive Standardsituationen. Da haben wir Potential“. In Zukunft will sich Glasner doppelt freuen.

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