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Eintracht Frankfurt : Besuch in der Parallel-Welt

  • -Aktualisiert am

In Berlin ist Niko Kovac zuhause, in Frankfurt fühlt er sich aber auch pudelwohl. Bild: Wolfgang Eilmes

Trainer Kovac weiß nur zu gut, was die Eintracht bei Hertha BSC erwartet – und vor allem: wer. Die Statistik ist schlecht, aber die gesündeste Mannschaft seit langem will das ändern.

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          Niko Kovac gibt nichts auf Statistiken. „Man kann sie so oder so lesen“, sagt der Eintracht-Trainer. Entweder als Omen für das bevorstehende Spiel oder als Signal dafür, dass sich nach einer Serie etwas verändern wird. Tatsache ist, dass die Frankfurter Eintracht keines ihrer letzten sechs Bundesligaspiele gegen Hertha BSC gewinnen konnte. Gegen kein anderes Team der Liga sind die Berliner so lange unbesiegt. „Wir wollen trotzdem am ersten Advent etwas aus Berlin mitnehmen“, sagt Kovac. Er ist grundsätzlich guter Dinge, denn der Gesundheitszustand seines Kaders ist so gut wie lange nicht. Die Langzeitverletzten Omar Mascarell und Timothy Chandler trainieren phasenweise schon mit der Mannschaft mit, die zuletzt schwächelnden Makoto Hasebe und Marco Russ sind wieder einsatzbereit. „Wir haben in meiner Zeit in Frankfurt schon einiges an schlechten Statistiken beheben können, ich hoffe, auch gegen Berlin“, sagt Kovac.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Welcher Startelf er am Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) im Berliner Olympiastadion sein Vertrauen schenkt, da hielt sich Kovac am Freitag bedeckt. Allein schon die Entscheidung, wen er in den Sechzehner-Kader der Feldspieler berufen werde, falle ihm bei 22 gesunden Kandidaten schwer. „Es kommt darauf an, die richtige Balance zu finden“, sagt Kovac und fügt an: „Ich habe ja noch ein bisschen Zeit, mir etwas zu überlegen. Das lasse ich mir alles noch mal durch den Bauch gehen.“

          Was ihn und sein Team in Berlin erwartet, ist dem Eintracht-Trainer wohlbekannt. Er kennt kaum einen Kollegen besser als Pal Dardai. Sie spielten jahrelang gemeinsam bei der Hertha. „Wir haben viele Parallelen, fußballerisch und in der Trainerlaufbahn“, sagt Kovac und geht ins Detail: „Er war Nationaltrainer seines Heimatlandes, (Ungarn, die Redaktion) genauso wie ich (Kroatien, d. Red.). Wir sind beide sehr ehrgeizig. Als Spieler hat er auf dem Platz immer alles gegeben, wie ich auch. Wir haben auf derselben Position gespielt, mal gemeinsam, mal er allein, mal ich allein. Wir waren gesunde Konkurrenten auf sehr gutem Niveau, nie gab es negative Vibrationen oder Stimmungen.“

          Bundesliga

          Die beiden Trainer ticken recht ähnlich, und so ist es kein Wunder, dass sie auch ihre Mannschaften ziemlich ähnlich agieren lassen und von ihren Spielern Ähnliches verlangen: Kampfgeist, Laufbereitschaft, Disziplin. Wenn Kovac über die Hertha spricht, dann spricht er auch von der Eintracht: „Die Hertha spielt wie viele andere gut gegen den Ball, konzentriert sich erst mal auf die defensive Grundordnung und versucht dann schnell umzuschalten.“ Und auch der Spielaufbau unterliegt einem ähnlichen Prinzip. Lieber hoch und weit den Ball nach vorne schlagen, als mit einem Fehlpass eine gefährliche Konterattacke des Gegners einleiten. Das sei auch eine Frage der Qualität: „Wenn der Gegner sehr hoch angreift, Angriffspressing spielt, dann ist es schwierig, den Ball locker aus der Abwehr herauszuspielen. Dann muss man abwägen, ob man es wie Hoffenheim beim 0:3 gegen den HSV trotzdem versucht oder lieber nicht das Risiko eingeht. Dabei muss man das Selbstvertrauen der Spieler berücksichtigen. Wenn sie zu schnell zu viele Fehler machen, dann kommt es zum Verlust des Selbstvertrauens und vielleicht zu Panikattacken.“ Da fällt dem regelmäßigen Beobachter sofort der Name des Frankfurter Außenverteidigers Simon Falette als Beispiel ein.

          Was die Eintracht und die Hertha unterscheidet, sind Details. So stehen die Berliner etwas tiefer ín der eigenen Hälfte mit ihrer Verteidigungslinie als die Frankfurter, und sie haben eine ausgesprochene Stärke: Die Hertha erzielte 13 ihrer 18 Saisontore nach Standards wie Ecken und Freistößen: „Sie haben extrem gute Schützen, allein Plattenhardt hat zwölfmal den Ball zu Toren vorgelegt, er hat es zu Recht bis in die deutsche Nationalmannschaft gebracht“, lobt Kovac. Eckbälle sind schwer zu vermeiden, aber Freistöße in der gefährlichen Zone sollen seine Spieler minimieren: „Wir wollen die Ballführenden doppeln, damit sie im 1:1 keine Fouls provozieren können. Wenn wir das schaffen, haben wir den Großteil der Hertha außer Gefecht gesetzt.“

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