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Frankfurter Startprobleme : Eintracht ist noch nicht angekommen

Timothy Chandler kämpft für die Eintracht. Bild: SVEN SIMON

Die Eintracht beschränkt sich erst einmal darauf, nicht zu verlieren. Nach dem simplen Auftaktprogramm warten anspruchsvollere Aufgaben – der erhoffte Fortschritt unter Glasner blieb bisher aus.

          3 Min.

          Den letzten Sprint des Tages absolvierte Timothy Chandler mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Als die Arbeit getan war, hatte sich der Verteidiger der Eintracht als Erstes mit der Familie kurzgeschlossen, die auf der Tribüne nach unten geeilt kam, um zu sehen, wie es ihm am Ende eines aufregenden Nachmittags ging. Chandler nahm seine Tochter auf den Arm, doch der blonde Dreikäsehoch blieb nicht lange ruhig sitzen, sondern wollte lieber mit dem Papa auf der großen, grünen Wiese Fangen spielen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Der 31-Jährige machte den Jux mit und lief der Kleinen, die so manchen Haken schlug, mit liebevoller Behutsamkeit hinterher. Chandler sprach kurz darauf, in den Katakomben der Arena, im Brustton der Überzeugung davon, dass er an diesem Nachmittag „großen Spaß“ empfunden habe. Er bezog das in der Hauptsache darauf, sich mal wieder als Mitglied der Eintracht-Startelf gegen eine Kölner Mannschaft behaupten zu können, die sich von ihrer widerspenstigen Art zeigte.

          Bundesliga

          Das 1:1, das am Ende beiden Teams einen Punkt bescherte, war das alles in allem gerechte Ergebnis nach neunzig Minuten, die bei vielen Beteiligten Spuren hinterließen. Nicht zuletzt bei Chandler. Der Deutschamerikaner spielte vom Ende der ersten Hälfte an mit einem großen Verband um den Kopf. Dass er überhaupt weitermachen konnte, nach einem Zusammenprall mit Benno Schmitz, wunderte viele der 24.000 Zuschauer, die mit bangen Blicken verfolgten, wie sich Teamärzte und Physiotherapeuten um den zu Boden gegangenen Chandler kümmerten.

          „Schauen, wie es weitergeht“

          In der Halbzeitpause wurde der „größere Cut“, wie er es nannte, mit zahlreichen Stichen genäht. Fortan gehörte Chandler trotzdem, als sei nichts gewesen, zu den emsigen Akteuren der Eintracht, die viel investierte, um den ersten Saisonsieg zu erreichen – aber wiederum nicht über ein Remis hinauskam. Es war das fünfte in Serie. „Ich bin stolz auf die Jungs“, resümierte Chandler, „wir haben uns gewehrt und gekämpft.“

          Dass ihm der Kopf ordentlich brumme, sei eine Begleiterscheinung, mit der er leben könne, denn er fühle sich „o. k.“ und bei den Medizinern, die seine weitere Behandlung koordinierten, in besten Händen. Chandler war nicht der Einzige, der sich am Randes des Knockouts befand. Früh hatte es Erik Durm erwischt, der durch einem Bodycheck von Florian Kainz niedergestreckt wurde (11.). Und Trainer Oliver Glasner berichtete am frühen Abend, dass es um den Weltmeister von 2014 „nicht ganz so gut“ stehe. „Wir müssen schauen, wie es mit ihm weitergeht.“

          „Wildes Spiel“

          Bereits am Donnerstag (18:45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei TVNOW) sind die Frankfurter in der Europa League in Antwerpen im Einsatz, drei Tage später wartet die Dienstreise zum FC Bayern. Durm fällt dafür aus, wie der Klub am Sonntagmittag twitterte, und damit fehlt eine Option für die Außenverteidigerpositionen. „Ganz happy sind wir nicht“, sagte Glasner im Hinblick auf das Resultat, was gleichzeitig aber auch auf die personelle Situation zutraf. Noch nie in ihrer Bundesligahistorie ist die Eintracht an den ersten sechs Spieltagen einer Saison ohne Erfolg geblieben. „Wir lechzen nach einem Sieg“, gab Glasner zu.

          Er sprach von einem „wilden Spiel“ gegen die Kölner, in dem er zum einen sah, dass seine Spieler ein „super Charakter“ auszeichne, so wie sie sich nach dem „billigen Gegentor“ durch Ellyes Skhiri (14. Minute) „reingebissen“ hätten. Aber er entdeckte wiederum Punkte, die auf die Mängelliste gehören. So gelang es der Eintracht nicht, das Geschehen nach der Balleroberung schnell und präzise aus dem Zentrum in die Spitze zu verlagern. Oftmals stimmten die Laufwege der Angreifer nicht, zudem hielten sie den Ball zu lange am Fuß und bekamen in der Rückwärtsbewegung zu wenig Ordnung und Sicherheit in ihre Darbietung.

          Wissen war nie wertvoller

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          Dass sie nicht gänzlich leer ausgingen hatten sie einer Kombination von Neuzugang Jens Petter Hauge mit Filip Kostic zu verdanken. Der Norweger setzte den serbischen Flankengeber auf der linken Seite sehenswert in Szene. Dessen Hereingabe landete bei Rafael Borré, der ebenfalls erst im Juli in Frankfurt anheuerte. Mit einem platzierten Schuss in rechte Eck ließ er FC-Keeper Timo Horn keine Abwehrmöglichkeit (45. + 6.).

          Glasner nannte die Vollendung des Angriffs „wunderbar“. Gleichwohl räumte er ein, dass es manchem „nicht einfach von der Hand“ gehe, sich im ungewohnten Umfeld zu akklimatisieren. Sie machten Erfahrungen, die sie bislang nicht kannten, „jetzt lernen sie die Bundesliga richtig kennen“.

          Zum Erkenntnisgewinn gehört auch: Im vergleichsweise simplen Auftaktprogramm hat die Eintracht nur fünf von 18 möglichen Punkten gesammelt. Und nun werden die Aufgaben anspruchsvoller. Chandler zog für sich aus den Erfahrungen der ersten Wochen eine Schlussfolgerung, die von seinem über die Jahre gewachsenen Realitätssinn zeugte: „Wenn du nicht gewinnen kannst, musst du schauen, dass du wenigstens nicht verlierst.“

          Das haben sie in Frankfurt zuletzt hinbekommen. Mehr nicht. Für ihre sportliche Gegenwart heißt das auch, dass sie den mit Glasners Einstieg erhofften Fortschritt auf Anhieb nicht realisieren konnten. Statt den Abstand zur Spitze zu verkleinern, geht es in Frankfurt bis auf Weiteres darum, die Kluft zum (hinteren) Tabellenmittelfeld nicht größer werden zu lassen.

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