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Zahlen, Daten, Fakten : Die Eintracht im großen Jahresvergleich

  • -Aktualisiert am

Mehr Spiele, mehr Tore: Goncalo Paciencia hat 2019 einen Sprung gemacht. Bild: Imago

Die vergangene Spielzeit war in vielen Belangen eine Paradesaison für den Frankfurter Bundesligaklub. Wie schneidet die Mannschaft von Trainer Adi Hütter in der aktuellen Runde ab? Eine Analyse mit teils überraschenden Ergebnissen.

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          Die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht genießen ein langes freies Wochenende. Jedenfalls die, die nicht in eine Auswahlmannschaft ihres Landes berufen worden sind. Es gilt, die letzte Verschnaufpause vor den Winterferien zu nutzen, um im Jahresendspurt noch bei Puste zu sein. Vor einem Jahr geriet die Eintracht nach der letzten Länderspielpause ein wenig in Atemnot. In den sechs Bundesligaspielen bis Weihnachten gelangen ihr nur noch zwei Siege und ein Unentschieden. Dafür musste sie drei Niederlagen hinnehmen, genauso viele wie in den elf Bundesligaspielen zuvor. In der Europa League setzten die Frankfurter immerhin ihre Erfolgsserie mit zwei Siegen fort.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In diesem Jahr haben die Spieler von Trainer Adi Hütter vor der letzten Etappe noch sechs Pflichtspiele mehr in den Knochen, weil sie zusätzlich die Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase bewältigen mussten. Wird diese Zusatzbelastung noch mehr Tribut fordern?

          Ausgeglichenerer Kader, weniger Rotation

          Zwar spielt die Eintracht weniger kraftaufwendig als in der vergangenen Saison, und der Kader ist ausgeglichener besetzt. Doch Hütter hat bisher nur dosiert rotiert. Hasebe, Hinteregger und Kostic standen über 1700 Minuten auf dem Platz, Kamada über 1500, Paciência und da Costa über 1400, Abraham über 1300 und Kohr, Sow, Rode und Fernandes über 1000 Minuten auf dem Platz. Die Spitzeneinsatzzeit in der Vorsaison lag zu diesem Zeitpunkt bei Danny da Costas 1407 Minuten. Der Rechtsverteidiger spielte in dieser Spielzeit noch 15 Minuten länger, obwohl er mit Erik Durm einen durchaus kompetenten Vertreter hat.

          Im Vergleich zur vergangenen Saison schneidet die Eintracht – Stand Mitte November – in allen Parametern schlechter ab. Sie hat in der Bundesliga weniger Punkte (17:20) gesammelt, weniger Tore (21:26) erzielt und mehr Gegentreffer (13:16) hingenommen. In der Tabelle steht die Eintracht auf Rang neun statt auf Platz vier. In der Europa League befindet sie sich nicht auf einem Triumphzug (vier Spiele, vier Siege), sondern in einem zähen Ringen mit Standard Lüttich um den zweiten Gruppenplatz (zwei Siege, zwei Niederlagen).

          Stabiler Rückhalt: Ersatztorhüter Frederik Rönnow

          Doch das Bild kann sich ändern. Dafür spricht nicht nur das im Vergleich leichtere Restprogramm in der Liga mit Matches gegen Wolfsburg, Mainz, Hertha, Schalke, Köln und Paderborn. Während die Eintracht 2018 auf einer Erfolgswelle durch den Herbst getragen wurde, mit rauschhaften Erlebnissen im Europapokal, hervorgerufen durch das Ungestüm und der Zielstrebigkeit der „Büffelherde“, erspielen sich die Frankfurter ihre Punkte diesmal auf eine systematischere Art und Weise, mit größerer fußballerischer Qualität. Die fulminanten Festtage sind seltener geworden, doch immer noch möglich, wie das 5:1 über die Bayern, das 3:0 gegen Leverkusen und das 3:0 über Racing Straßburg bewiesen haben. Doch insgesamt ist die Eintracht nun weder darauf angewiesen, euphorisch jenseits ihrer Grenzen zu agieren, noch ist sie von der Treffsicherheit ihrer Stürmer, (21 der 26 Bundesligatore schossen Jovic, Haller und Rebic) abhängig, um zum Erfolg zu kommen.

          Durchschlagskraft fehlt

          Dafür fehlt es der Mannschaft 2019 bei ihrem gepflegteren und strukturierteren Spiel bisher ein wenig an Durchschlagskraft (und am Spielglück), um häufiger enge Matches für sich zu entscheiden (2:2 gegen Bremen, 2:4 gegen Gladbach, 0:1 gegen Freiburg, 1:2 in Lüttich). Doch es besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Entwicklung der Mannschaft noch nach oben geht und nicht nach unten wie in der Schlussphase der vergangenen Saison, als fast allen Schlüsselspielern das Benzin ausging.

          In dieser Spielzeit wird der Erfolg des Teams von vielen Schultern getragen. Die Stürmer Paciência, Dost und Silva treffen in ähnlicher Quote (Paciência mehr, weil er mehr spielt), im Mittelfeld gestalten Kamada, Sow und Rode mit mehr Esprit, als das ihren Kollegen vor einem Jahr möglich war, in der Abwehr überragen Hinteregger und Hasebe, und im Tor vertritt Rönnow den verletzten Trapp sehr zuverlässig. Auf den Außenpositionen agieren Kostic und da Costa nicht mehr ganz so dominant wie in der Vorsaison, aber sie sind immer noch Aktivposten, Kostic noch mehr als da Costa.

          Die Verlierer der Saison waren bisher die Mittelfeldspieler Torró und de Guzman sowie Linksverteidiger Ndicka, die allesamt in der Vorrunde 2018 wichtige Rollen hatten. Während Ndicka spätestens seit der Roten Karte gegen Abraham in Freiburg wieder mit reichlich Einsatzzeiten rechnen kann, gibt es für Torró und de Guzman keinen Hoffnungsschimmer. Neben den Stammkräften stehen Kohr und Gelson Fernandes in Hütters Mittelfeld-Hierarchie noch vor ihnen. Auch Chandler (fit nach langer Verletzung) und Gacinovic kommen nicht recht zum Zug, obwohl sie ihren Wert schon oft bewiesen haben. Linksverteidiger Falette durfte sogar noch nicht einmal das Feld in einem Pflichtspiel betreten.

          Die Aufreihung der Namen zeigt, die Eintracht ist breit aufgestellt, und fast alle Neuverpflichtungen haben sich akklimatisiert. Sportvorstand Fredi Bobic ist deshalb vom Fachblatt „Kicker“ als drittbester „Einkäufer“ der Bundesliga tituliert worden, nach dem Gladbacher Max Eberl und dem Hoffenheimer Alexander Rosen.

          Um die Ergebnisse der vergangenen Saison zu übertreffen, muss Trainer Hütter zum einen weiter ein gutes Händchen bei der Belastungssteuerung haben. Gegen den SC Freiburg wirkte die Mannschaft trotz der 0:1-Niederlage noch ziemlich frisch, obwohl die Begegnung die 23. der Saison war und die letzte nach drei englischen Wochen hintereinander. Aber im vergangenen Jahr zeigte sich, irgendwann siegt der Körper über den Willen, wenn er überfordert wird. Zum anderen müsste die Eintracht ihre Auswärtsschwäche ablegen. Während die Frankfurter in der vergangenen Saison in der Fremde fast so viele Punkte holten wie im heimischen Stadion (26:28), liegt das Verhältnis im Moment bei 3:14 Punkten.

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