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Eintracht Frankfurt : „Wir geben weiter Vollgas“

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Aus Überzeugung Fußballprofi: Schon als Kind wollte Bastian Oczipka nichts anderes werden. Bild: nordphoto

Eintracht-Profi Bastian Oczipka über schwere Prüfungen, große Momente und seinen Traumjob Fußball.

          7 Min.

          Sie und die Eintracht haben ein extremes Jahr hinter sich. Wenn Sie die Augen schließen, welche Szene taucht als Erstes auf?

          Der Abpfiff in Nürnberg, als wir den Abstieg endgültig vermieden hatten. Das war für uns alle ein prägendes Erlebnis.

          Was ging in Ihnen vor?

          Der ganze Druck ist abgefallen, die ganze schwierige Zeit lag hinter uns, alles, was nicht funktioniert hatte – vorbei! Es hatte an uns allen genagt, an mir vielleicht noch ein bisschen mehr, weil ich schon so lange hier bin und so eine enge Verbindung mit dem Verein spüre. Das beste Beispiel war natürlich „Heri“ (Heribert Bruchhagen, die Red.), wie er gefeiert hat und das legendäre Foto entstand.

          Was macht der Abstiegskampf aus einem Profi? Was hat sich in Ihnen in den Monaten abgespielt?

          Es ist eine ganz schwierige Zeit gewesen, generell, nicht nur wegen des Fußballs. Man zieht sich immer weiter in sich zurück, will einfach nicht mehr mit der Situation konfrontiert werden. Jeder spricht einen an, jeder fragt, was ist mit euch los? Die ganzen Diskussionen nerven irgendwann. Dem versucht man sich zu entziehen, was auch gut ist.

          Was spielt sich in einem Mannschaftsgefüge ab? Bricht die Gemeinschaft auseinander? Oder entsteht eine Wagenburgmentalität?

          Unsere Mannschaft war vom Geist her immer intakt. Auch das Kabinenleben war unbelastet, die Haut wurde nicht dünner, es gab keine Streitereien. Der Trainer hat dann noch einmal frischen Wind gebracht und uns intensiv auf den Abstiegskampf eingestellt.

          Die Mannschaft vermittelte den Eindruck, dass sie auch gut und gerne mit Armin Veh hätte weiterarbeiten können. Richtig oder falsch?

          Dieser Eindruck war richtig. Wir sind gut gestartet in die Saison, hatten auch einen guten Kader. Aber manchmal sind Kleinigkeiten ausschlaggebend. Wir gewinnen zum Rückrundenstart gegen Wolfsburg und dominieren in Augsburg. Hätten wir da auch gewonnen, wäre vielleicht vieles ganz anders gelaufen.

          Macht die Psyche so viel aus?

          Auf jeden Fall. Die Etats der Bundesligavereine sind zwar ziemlich unterschiedlich, und die individuelle Klasse der Spieler ist es teilweise auch. Aber jeder, der in der Bundesliga spielt, kann kicken, weil er gut ausgebildet wurde. Die Unterschiede sind nicht so riesig.

          Wenn eine Mannschaft geschlossen auftritt, sie richtig fit ist und an sich glaubt, dann kann eine Menge passieren. Und das haben wir in dieser Saison bisher geschafft, konstant unser Potential abzurufen. Im Gegensatz dazu sehen wir eine Mannschaft wie Wolfsburg, die Top-Spieler hat und einen hohen Etat, dass sie auch in einen Abwärtsstrudel kommen kann.

          Gab es für Sie so etwas wie den schwärzesten Moment im vergangenen Jahr?

          Als wir in Bremen fünf Minuten vor Schluss das 0:1 bekommen haben. Da war ganz bitter!

          Was war nach dem 0:3 in Leverkusen, als der Abstand auf den Relegationsplatz auf vier Punkte angewachsen war? Da schien nur noch Trainer Niko Kovac an den Klassenverbleib zu glauben.

          Das war nicht ganz so niederschmetternd, weil wir insgesamt das Gefühl hatten, dass es wieder aufwärtsgeht mit uns. Trotz des 0:3 war die Leistung nicht schlecht gewesen. Und der Trainer hat uns das auch bestätigt. Wir sind ihm da gefolgt, weil wir gemerkt haben – bis auf die letzten zehn Minuten –, dass es fruchten kann, was er mit uns vorhat. Und das haben wir dann auch bewiesen bis zum Saisonende.

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