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Frankfurts „Auf jetzt!“-Aktion : In Eintracht gegen Corona

  • -Aktualisiert am

Kampagne mit Signalwirkung: Eintracht Frankfurt sammelt Spenden für den Kampf gegen die Corona-Krise. Bild: Imago

Die „Auf jetzt!“-Aktion half den Frankfurtern schon im Kampf gegen den Abstieg 2016. Nun unterstützt die Eintracht mit der wiederbelebten Kampagne soziale Einrichtungen in der Region. Vorstand Hellmann gibt sich demütig.

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          Die Frankfurter Eintracht lässt „im Kampf gegen Corona“ ihre „Auf jetzt!“-Aktion neu aufleben. Vorstandsmitglied Axel Hellmann sprach am Dienstag von einer „großen und mehrwöchigen Kampagne mit unterschiedlichen Phasen“, deren Leitmotiv diesmal ist: „Auf jetzt! In Eintracht für die Region.“ Aktuell sei „für den Sport und den Fußball noch nicht die Zeit“. Vielmehr sei die Zeit dafür, „auf die zu schauen, die ganz besonders unter Corona und dessen Folgen leiden“, sagte Hellmann. Mit Hilfe ihrer Partner und Anhänger will die Eintracht vor allem „Corona-Soforthilfe-, Versorgungs-, Nachbarschaftshilfe- und Spenden-Projekte von aktuell fünf wichtigen Organisationen“ unterstützen.

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          Vom Fußball-Bundesligaverein konkret benannt worden sind die Arche Frankfurt, das Deutsche Rote Kreuz Frankfurt, die Diakonie Hessen, die Frankfurter Tafel sowie das Universitätsklinikum Frankfurt. Das alles seien „Organisationen, die im Moment an der Corona-Front im Tageseinsatz am meisten damit beschäftigt sind, zu helfen und sich um die Menschen zu kümmern, die unmittelbar oder mittelbar unter dem Coronavirus leiden“, sagte Hellmann.

          Vor vier Jahren, als die Eintracht in den beiden Relegationsspielen gegen Nürnberg den Bundesliga-Klassenverbleib sicherstellte, sei es „gelungen, eine Einheit zu formen zwischen Mannschaft und Fans in einer sportlich schwierigen Situation. Es kam zu einer ganz besonderen Form des Zusammenhalts. Und es war der Beginn einer fast vierjährigen Erfolgstour, die die gesamte Wucht, Kraft und Stärke von Eintracht Frankfurt hervorgeholt hat.“ Jetzt sei es wichtig, „genau diese Wucht abermals zu entfachen für die fünf Organisationen“, so der Jurist.

          In Zeiten der Corona-Pandemie möchte die Eintracht in ihrem Umfeld helfen. Mit Briefen hatte sie sich am vergangenen Wochenende an ihre Dauerkarteninhaber, Business-Seats-Kunden und Logeninhaber gewandt. Fünf Heimspiele stehen für die Frankfurter in dieser Erstliga-Saison noch im Terminplan. Doch diese werden – sofern überhaupt – ohne Publikum ausgetragen werden. Denen, die betroffen sind, hat die Eintracht nun die Möglichkeit eingeräumt, sich das Geld zurückerstatten zu lassen. Sie könnten aber auch alternativ einen Gutschein erhalten oder Verzicht üben.

          Besonders freuen würde sich die Eintracht laut eigenen Angaben indes, wenn die Zuschauer die ihnen zustehenden Gelder an eine der fünf Organisationen spenden würden. Die Gruppe der möglichen Spender ist groß: So gibt es rund 80.000 Tageskarteninhaber, 30.000 Dauerkartenbesitzer und etwa 1000 Kunden im Business- und Logenbereich. „Wenn der gesamte Betrag gespendet werden sollte, dann wäre es ein Millionenbetrag – und zwar kein geringer“, teilte Hellmann mit. „Wir könnten im Zweifelsfall damit umgehen, wenn der gesamte Betrag zurückerstattet oder gespendet werden würde. So stabil sind wir aufgestellt.“

          Alle fünf Organisationen, die mit Spenden bedacht werden sollen, hat die Eintracht mit Bedacht ausgewählt. Und zu allen pflegt sie persönlichen Kontakt. Der Nöte vieler in dieser Zeit ist man sich im Klub bewusst. „Wir wissen, dass es quasi lichterloh brennt an der Versorgungs- und Pflegefront“, sagt Hellmann. Ziel der Eintracht sei es deshalb, „möglichst viel auf die Beine zu stellen. Durch die Unterstützung vieler – ob mit Worten, Taten oder Spenden.“ Nach Angaben des Vorstandsmitglieds werde die „gesamte Eintracht“ in das Projekt involviert sein. „Unsere Spieler werden in den aktiven Einsatz gehen“, kündigte Hellmann an. „Jeder kann sich überlegen, was er macht.“

          Das Vorstandsmitglied hob hervor, dass das Ganze „kein PR-Gag“ sei. Es sei vielmehr „die innere Überzeugung und der ganz breite Konsens“ bei der Eintracht, „dass das jetzt nicht der Zeitpunkt ist, den schnellen Start in der Bundesliga herbeizureden, sondern die Kraft auf die zu fokussieren, die im Moment die Gesellschaft zusammenhalten“. Es gebe zwar „einige kritische Betrachter, die sagen: Der Fußball macht diese Dinge nur, um sein Gewissen reinzuwaschen und für eine Sonderstellung argumentieren zu können. Mit diesem Vorwurf ist man schnell zur Hand.“ Wenn man die Dinge aber „richtig gründlich und mit Durchschlagskraft“ mache, „also sie wirklich etwas bewirken, braucht das Zeit und ist aus meiner Sicht dann auch nicht zu kritisieren“, meinte Hellmann.

          Er gab zu, dass es bei der Eintracht „etwas länger“ gedauert habe, „bis wir es so weit entwickelt haben. Wir wollten aber keinen PR-Schnellschuss machen. Jetzt sind wir mit den richtigen Themen und den richtigen Maßnahmen unterwegs und gehen mit einer anderen Wucht raus auf die Straße.“ Auch der beschlossene Gehaltsverzicht hatte länger als bei anderen Vereinen auf sich warten lassen. Aber: „Ich weiß, dass einige Klubs relativ schnell nach drei, vier Tagen große Verzichtserklärungen abgegeben haben. Da würde ich aber empfehlen, die Steine mal genauer umzudrehen, ob wir über Verzicht oder über Stundung reden“, sagte Hellmann vielsagend. „Manchmal liegt in der Gründlichkeit das Gute.“

          Was einen möglichen Wiedereinstieg in den Bundesliga-Spielbetrieb angeht, sagte Hellmann, dass es bei der Eintracht „ausdrücklich keine Präferenz für einen frühen oder späten Zeitpunkt“ gebe. Dieser müsse schlichtweg „vertretbar sein“. „Und das zu beurteilen muss die Aufgabe der medizinisch und politisch Verantwortlichen sein.“

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