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Eintracht Frankfurt : Der Anführer

Mit dem Blick für das Wesentliche: Alexander Meier geht seit 2004 für die Eintracht auf die Jagd nach dem Ball. Bild: Heiko Rhode

Alexander Meier ist inzwischen so etwas wie das Gesicht der Eintracht. Auch nach dem Tiefschlag in Darmstadt geht der „Lange“ wieder mit gutem Beispiel voran.

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          Natürlich Alexander Meier, wer sonst? Die Frage ist rhetorisch, denn Kenner der Eintracht wissen genau, wer sich bei Zusatzschichten regelmäßig Fleißnoten verdient: Meier. Der Kapitän der erstklassigen Frankfurter Fußballmannschaft geht stets mit gutem Beispiel voran. Seit 2004 schon. So lange hält der „Lange“, wie er von den Mitspielern gerufen wird, der Eintracht bereits die Treue. Es ist mehr als nur ein Arbeitsverhältnis. Es ist eine Art Treuebekenntnis, und es ist gut und die beste Personalentscheidung des Sommers, dass der Spielführer noch lange an Bord bleibt. Sollte tatsächlich mit dem Auslaufen des sportlichen Vertrags Ende Juni 2018 Schluss sein, wird Meier anderweitig im Klub an exponierter Stelle arbeiten. Zukunftsmusik.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Die Gegenwart heißt Bayer 04 Leverkusen und ist der kommende Gegner in der Bundesliga. An diesem Samstag kommt die hoch gelobte, abermals auf Königspfaden wandelnde Werkself nach Frankfurt - und Meier weiß genau, dass man sich vor dieser Truppe in Acht nehmen muss. „Das ist eine Topmannschaft“, sagte der 33 Jahre alte Eintracht-Kapitän am Mittwoch. „Wir haben Respekt vor Bayer. Aber wir haben auch Respekt vor allen anderen Bundesligamannschaften.“

          Auf einen wie Meier ist Verlass

          Der Schweiß rann in Strömen, als sich die Frankfurter Fußballprofis zur Wochenmitte auf die nahende schwere Prüfung präparierten. Trainer Niko Kovac hatte kurzentschlossen umdisponiert und seine Spieler schon eine knappe Stunde früher auf den Trainingsplatz gebeten. Der Coach wollte der drohenden Hitze ein Schnippchen schlagen. Ein Plan, der aufging. Wobei: 26 Grad sind kein Grund, um eine Übungseinheit kurzerhand zu streichen, wie es am Vortag der Wolfsburger Trainer Dieter Hecking tat und hitzefrei gab. Der Spätsommer im September wird sich eh von diesem Donnerstag an Stück für Stück verabschieden und die Arbeitsbedingungen für die Bundesligaprofis noch erträglicher machen.

          Einem wie Meier ist es egal, ob die Sonne scheint oder ob es regnet. Auf ihn ist Verlass. Beeindruckend, mit welcher Präzision der Frankfurter Anführer die Flankenbälle ein ums andere Mal mit Kopf oder Fuß vollendete und Torwart Leon Bätge zumeist keine Chance ließ. Meier hatte auch deshalb leichtes Spiel, weil er perfekt von jemandem bedient wurde, der es verstand, sowohl mit rechts als auch mit links punktgenau zu flanken: Robert Kovac. Der Bruder von Cheftrainer Niko Kovac leistet seit dem Frühjahr schon als Assistent wertvolle Arbeit. Wertvoll - das ist Meier für die Eintracht schon lange. Es war kein Zufall, dass es ihm oblag, zum Saisonauftakt das entscheidende 1:0 gegen den FC Schalke 04 zu erzielen. Und auch bei der unglücklich zustande gekommenen 0:1-Niederlage in Darmstadt hätte Meier ein weiteres Mal zugeschlagen, wenn ihn denn seine Mitspieler bedient hätten.

          „Ich spiele dort, wo es für das Team am besten ist.“

          „Die konnten mich aber nicht sehen“, nahm Meier die Kollegen in Schutz. Überhaupt: Der Tiefschlag vom Böllenfalltor ist verarbeitet. „Wir haben alles besprochen und uns Videos angeschaut“, sagte Meier. „Aber jetzt ist es vorbei.“ Jetzt gilt der Fokus der Partie gegen Leverkusen. Und wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, wird sich an Meiers Rolle im neu gebildeten Eintracht-Ensemble nichts ändern. In der Spitze wird sich der aus Mönchengladbach nach Frankfurt gewechselte Schwede Branimir Hrgota verdingen. Und dahinter, auf der sogenannten Zehner-Position, wird der bodenständige Buchholzer aus der Nordheide auf seine Chancen lauern. Das war früher nicht immer so, denn da bildete Meier die erste Angriffskraft. Doch Positionsspiele und Positionskämpfe sind dem altgedienten Eintracht-Profi nicht wichtig. „Die Hauptsache ist doch, dass ich überhaupt spiele und gesund bleibe. Ich spiele dort, wo es für das Team am besten ist.“

          Bescheiden, mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben. So kennt, so schätzt man Meier, der wie kein Zweiter aus dem aktuellen Kader mit Frankfurt verwurzelt ist. Andere wie beispielsweise der wieder genesene und an diesem Donnerstag in das Mannschaftstraining zurückkehrende Innenverteidiger Jesus Vallejo, der nur ausgeliehen ist, werden Frankfurt irgendwann den Rücken kehren und weiterziehen. Meier, der erdverwachsene Niedersachse, ist all die Jahre geblieben und zum Gesicht der Eintracht geworden. Ein Anführer, ein Vorbild. Einer, auf den es ankommt. An diesem Samstag gegen Leverkusen - und in den nachfolgenden Wochen und Monaten ebenso. Auch deshalb schiebt Meier fleißig Zusatzschichten.

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