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Frankfurt-Stürmer André Silva : Ein Hauch von Ronaldo bei der Eintracht

Andre Silva glänzte mit zwei Toren für die Eintracht in Salzburg. Bild: AP

André Silva wird hoch gelobt. Doch seine Karriere verlief nicht immer nach Wunsch. Bei Frankfurts 2:2 in Salzburg in der Europa League glänzt der Portugiese. Und begeistert nicht nur seinen Trainer.

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          Vor knapp drei Jahren setzte der große Cristiano Ronaldo zu einer Eloge an. Nicht auf sich selbst, was ihm ja auch durchaus zuzutrauen gewesen wäre. Vielmehr sprach er über einen jungen Landsmann. „Wenn ich zurücktrete, wird Portugal in guten Händen sein, denn das Team hat bereits einen tollen Stürmer gefunden“, sagte der mehrfache Weltfußballer. „Sein Name ist André Silva.“ Der war seinerzeit erst 21 Jahre alt und hatte gerade eine gute Saison beim FC Porto hinter sich. In jenem Sommer wechselte Silva für knapp 40 Millionen Euro Ablösesumme zum AC Mailand und beeindruckte auch in der Nationalmannschaft, die, noch ohne Silva, 2016 Europameister geworden war.

          Europa League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Inzwischen spielt der Portugiese bei Eintracht Frankfurt. Und schoss den Bundesligaklub mit zwei Toren beim 2:2 im Rückspiel beim FC Salzburg ins Achtelfinale der Europa League. Vier Versuche gab er ab, drei kamen auf das Tor, zwei waren drin. Erst versenkte er einen Kopfball nach Maßflanke von Filip Kostic (30. Minute) zum 1:1, dann zirkelte er einen noch abgefälschten Schuss zum Endstand in die Maschen der Österreicher (83.). Die Führung für Salzburg hatte Andreas Ulmer besorgt (10.), das 2:1 ging auf das Konto von Jerome Onguene (71.). Durch das 4:1 im Hinspiel vor acht Tagen kam die Eintracht letztlich souverän weiter.

          „Nach dem 1:0 war Salzburg dem 2:0 nahe, wir haben uns schwergetan. Das 1:1 war sehr wichtig“, sagte der Frankfurter Trainer Adi Hütter, dessen Familie in Salzburg wohnt. „In der zweiten Halbzeit haben wir es viel besser gemacht, hätten auch in Führung gehen können oder gar müssen. Wir hatten das Spiel so erwartet, es war klar, dass Salzburg pusht. Da habe ich schon gedacht, dass es auch nochmal eng werden kann. In der zweiten Halbzeit hatte ich dann keine Angst mehr.“ Das lag nicht zuletzt an der vordersten Spitze. „Andre Silva ist in super Form und Verfassung. Das erste Tor war sensationell, das zweite etwas glücklich“, sagte Hütter.

          Der Portugiese bestach nicht nur durch seine Treffsicherheit, auf die man bei einer Europa-League-Partie in Österreich fast schon setzen konnte. Mit dem AC Mailand hatte er bei Austria Wien einst gar drei Tore erzielt. Aber Silva bot mehr. Als spielstarker Angreifer schaltete er sich immer wieder in das Spiel ein, hielt Bälle und verteilte sie an die Mitspieler. Der 1,84 Meter große Silva bestritt mit 29 die meisten Zweikämpfe aller Spieler auf dem Feld und gewann für einen Mittelstürmer, der sich oft mit den robustesten Verteidigern auseinandersetzen muss, fast die Hälfte – eine starke Quote.

          Auch Fredi Bobic hob den zweifachen Torschützen hervor. „Ich sage immer wieder, das junge Spieler Zeit brauchen um sich an die Bundesliga zu gewöhnen und auch ihre Leistung zu bringen“, sagte der Sportvorstand und brachte ein Beispiel. „Ich erinnere immer an Sebastian Haller, der sich in seiner ersten Saison schwergetan hat. Bei André sieht man, dass er einen Sprung gemacht hat und ich bin froh, dass er heute endlich belohnt wurde, denn er arbeitet verdammt viel für die Mannschaft“, fand Bobic, der nicht vergaß, dass Salzburg nach dem „Sonntagsschuss“ zum 1:0 eine Riesenchance hatte. „Kevin hat den einen Kopfball wirklich Weltklasse gehalten“, sagte er zu Torwart Trapps Parade.

          Im Achtelfinale trifft die Eintracht zunächst in Frankfurt am 12. März (18.55 Uhr) auf den FC Basel, ehe es zum Rückspiel am 19. März in die Schweiz geht (21.00 Uhr). Das stand schon vor dem Spiel in Salzburg fest, da am Freitagmittag ausgelost wurde und die Frankfurter Partie wegen einer Warnung vor einem Orkan am Donnerstag um 21 Stunden nach hinten geschoben worden war. „Das werden zwei richtige Kampfspiele“, sagte Martin Hinteregger bei DAZN. Sebastian Rode meinte: „Basel ist ein gutes Los die Chancen sind fifty-fifty. Für die Fans ist es super, weil der Weg nicht zu weit ist.“

          Der Frankfurter Weg führte den Tross nach dem ungewollt verlängerten Aufenthalt in Österreich zurück in die Heimat. Das für Sonntag angesetzte Bundesligaspiel in Bremen wurde verschoben auf einen bisher unbestimmten Termin. Während Werder den Unmut darüber kundtat, freute sich die Eintracht über die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga. „Es ist für den Wettbewerb sicherlich die richtige Entscheidung gewesen. Wir hätten gerade mal 40 Stunden gehabt und nicht nur wir, sondern auch die anderen Mannschaften erwarten, dass wir alles geben“, sagte Bobic. Auf Bremen treffen die Frankfurt dennoch schon bald. Am Mittwoch steht das DFB-Pokal-Viertelfinale in Frankfurt an.

          Dann hofft auch André Silva wieder auf einen Einsatz. Er hat immer noch einen Vertrag in Mailand bis in den Sommer 2022. Schon nach einem Jahr in Italien mit acht Toren lieh der Klub ihn zum FC Sevilla aus. Kaum war der Stürmer nach elf Treffern zurück in Italien, ging es in diesem Sommer am letzten möglichen Tag in der Transferphase nach Frankfurt, wo Bobic einen Angreifer suchte. Im Tausch mit Ante Rebic, der zuletzt in Mailand mit Toren an der Seite von Zlatan Ibrahimovic glänzte, kam Silva in die Bundesliga. Die Leihe läuft noch bis zum Ende der kommenden Saison. Wenn er so weitermacht wie in Salzburg könnte Cristiano Ronaldos Prognose vielleicht doch noch eintreffen.

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