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Eintracht Frankfurt : Amanatidis bewirbt sich als Kapitän

„Der Kapitän muss sich um die Gemeinschaft kümmern”: Amanatidis Bild: dpa

Ioannis Amanatidis redet Klartext: „Ich glaube, dass ich die Mannschaft führen kann“, sagt der streitbare griechische Stürmer im Trainingslager. Die Entscheidung liegt bei Eintracht-Trainer Funkel.

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          So kennt man Ioannis Amanatidis. Der Fußballprofi lässt sich durch nichts verbiegen, hat stets eine profunde Meinung und redet Klartext. So auch in der Frage, wer Kapitän der Frankfurter Eintracht wird. „Ich glaube, dass ich die Mannschaft als Kapitän führen kann. Ich habe das früher auch schon gemacht“, sagte der griechische Stürmer im Tiroler Trainingslager von Zell am Ziller.

          Wenige Stunden zuvor erst war Amanatidis mit seinem Landsmann Sotirios Kyrgiakos und Reha-Trainer Michael Fabacher aus Frankfurt in den österreichischen Bergen angekommen, hatte sich am Freitag mit dem Rest der Mannschaft zwei Stunden lang per Mountainbike die Berge hochgewuchtet. „Nicht ganz ungefährlich“, wie er sagt. Doch es gab keine Ausfälle, und Amanatidis war einer der Ersten, der dem im Hotel gebliebenen Trainer Friedhelm Funkel Bericht erstatten konnte.

          Strategiewechsel im Sturm

          Ioannis Amanatidis, der neue, der richtige Spielführer der Frankfurter Eintracht? Es wird Zeit, dass dem Amt die Bedeutung beigemessen wird, die ihm gebührt. Eintracht-Trainer Funkel, der jetzt in sein viertes Jahr als Frankfurter Coach geht, hatte stets auf Profis gesetzt, die zwar formal Stammspieler waren, verletzungsbedingt aber meist zuschauen mussten. Bei Jens Keller ist dies so gewesen, bei Alexander Schur und zuletzt bei Jermaine Jones. Amanatidis würde da für eine neue Qualität stehen.

          In der vergangenen Saison beispielsweise war der 26 Jahre alte Angreifer, trotz körperlicher Rückschläge, allein 27-mal in der Bundesliga am Ball – von den Einsätzen auf nationaler und internationaler Pokalebene zu schweigen. „Der Kapitän“, sagt Amanatidis, „sollte schon etwas darstellen. Er muss sich um die Gemeinschaft kümmern. Zudem ist er das Bindeglied zum Trainerteam, zum Vorstand und zum Aufsichtsrat.“ Dass Amanatidis’ Wunsch, Kapitän der Eintracht zu werden, nur ein Wunsch ist, weiß er. Die Entscheidungsgewalt liegt einzig in den Händen von Funkel.

          Dem Mann also, der noch im Wintertrainingslager in Portugal bei dem Griechen für Irritationen gesorgt hatte, als er sagte: „Ioannis ist bei mir nicht gesetzt.“ Funkel, damals ein Verfechter der Ein-Stürmer-Taktik, hatte ganz auf die Karte Naohiro Takahara gesetzt und damit nicht so falsch gelegen. Doch mittlerweile hat ein gegen Ende der Saison eingeleiteter Sinneswandel zu einem Strategiewechsel geführt. „Zwei Stürmer sind besser für uns.“ Und tatsächlich: Seitdem der Japaner und der Grieche Seite an Seite gemeinsame Sache machen und für Verwirrung in den gegnerischen Strafräumen sorgen, hat das Angriffsspiel der Eintracht an Format gewonnen.

          Frankfurt will in die Nürnberg-Rolle schlüpfen

          Dass es seinerzeit in Portugal und auch danach in der Heimat zwischen Amanatidis und Funkel nicht immer harmonisch abgelaufen sein soll, will der Stürmer so nicht verstanden wissen. „Basis für alle Entscheidungen ist der Erfolg des Vereins“, sagte er am Tag vor dem Privatspiel gegen den Regionalligaklub WSG Wattens im Zeller Mannschaftshotel. „Ich brauche für niemanden der beste Freund zu sein. Weder für einen Spieler noch für den Trainer.“ Angebliche Dissonanzen, über die in der Öffentlichkeit immer wieder berichtet worden war, gab es für Amanatidis nicht. „Es gibt keinen Diskussionsbedarf. Mit dem Trainer gab es keine Probleme. Er ist der sportliche Leiter und für die Gesamtentwicklung verantwortlich. Wenn er entscheidet, dann ist es so.“

          Ioannis Amanatidis – das ist ein Spieler, der polarisiert, der mitreißt, der begeistert. Der nie einen Hehl daraus macht, eine Führungsrolle zu beanspruchen und die Mannschaft nach innen und außen zu repräsentieren. Sogar die Politik ist vom Menschen und Fußballprofi als Vorbild überzeugt. Amanatidis wirkt folgerichtig seit einigen Monaten als Botschafter der hessischen Landesregierung für Suchtprävention. Sicherlich, der Grieche, wie er offen im Gespräch zugibt, fühlt sich geschmeichelt, wenn er von anderen erstklassigen Vereinen umworben wird. „Das ist doch völlig normal, dass andere Klubs an einem interessiert sind. Das war so, und das wird auch so bleiben.“ Trotz gültigen Vertrags, der ihn bis 2010 an die Eintracht bindet.

          Im Vorgriff auf die neue Saison, in die Ioannis Amanatidis die Eintracht gerne als Kapitän führen würde, hat er für sich schon eine passende Formel gefunden. Sie lautet: „40 plus x“. Danach könnte, eine entsprechende Punktzahl vorausgesetzt, „im Idealfall Platz sieben bis neun herausspringen“. Mit 40 plus x liegt der Grieche, wie nicht anders zu erwarten, genau auf einer Linie mit seinen Vorgesetzten. Auch Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Trainer Funkel wollen sich im Vergleich zur Vorsaison punktemäßig verbessern und sich Stück für Stück in der Bundesliga etablieren. „Eintracht Frankfurt“, sagte Bruchhagen, „ist durchaus in der Lage, in eine Nürnberg-Rolle zu schlüpfen. Wir sind aber weit davon entfernt, die Großen anzugreifen.“ Aber die Großen ärgern, das will die Eintracht auch zukünftig. Vielleicht mit Anführer Amanatidis.

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