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Meier vor dem Pokalfinale : Ein besonderer Anführer

Hand aufs Eintracht-Herz: Alexander Meier stand schon einmal mit den Frankfurtern im Pokalfinale – 2006 gab es ein 0:1 gegen die Bayern. Bild: dpa

In seiner langen Karriere hat Alex Meier vieles erlebt. Aber etwas wichtiges fehlt dem Torjäger von Eintracht Frankfurt noch.

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          Für die meisten Eintracht-Spieler ist es die erste Chance – für Alexander Meier ist es die zweite. Dass er sie nutzen will, hat der Kapitän der Frankfurter Eintracht am Freitag bekräftigt. „Dieses Finale hat eine Riesenbedeutung für mich, denn ich habe noch keinen Titel. Es wäre mein erster. Deshalb ist es das größte Spiel in meiner Karriere.“ An diesem Samstag um 20 Uhr wird es angepfiffen. Ob Meier „90, 60 oder nur zwei Minuten dabei ist“, wie er zur Einstimmung auf das 74. Pokalfinale in der traditionellen Pressekonferenz sagte, „ist letztlich egal“. Dem 34 Jahre alten Anführer ist vor allem wichtig, dass am Ende des Duells gegen Borussia Dortmund der Sieger Eintracht heißt.

          „Klar, dass du gewinnen willst“, sagte er an die Adresse des neben ihm auf dem Podium sitzenden Dortmunder Spielführers Marcel Schmelzer. „Aber wir wollen auch gewinnen.“ Eintracht-Trainer Niko Kovac sprang Meier zur Seite: „Wir wollen die Früchte ernten, die wir gesät haben. Trainer werden an Titeln gemessen.“ Kovac hat als Trainer ebenso wie Meier als Spieler noch keinen Titel. Doch er kann bisher auf eine insgesamt gute Frankfurter Amtszeit zurückblicken. Er hat den Klub in scheinbar hoffnungsloser Lage vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit bewahrt. Er hat sie in der Bundesliga, in der mehr möglich gewesen wäre, im Mittelfeld etabliert. Und er hat sie ins Pokalfinale geführt.

          Finale ist für Meier ein Geschenk

          Einen Fan wird Kovac an diesem Samstag im mit 74 322 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion wiedersehen: Thomas Tuchel. Der Trainer des BVB überschüttete Kovac knapp 30 Stunden vor dem Anpfiff geradezu mit Lob. „Frankfurt hat eine starke Mannschaft. Frankfurt hat aber auch einen starken Trainer. Niko macht es taktisch sehr diszipliniert. In der Hinrunde hat die Eintracht ganz besonders und mutig gespielt. Beide, Trainer und Mannschaft, strahlen sehr viel Selbstvertrauen aus.“ Das gilt auch für Alexander Meier. Der 34-Jährige weiß, was er kann und dass er seinem Klub, dem er seit 13 Jahren schon die Treue hält, in besonderen Spielen ein besonderer Anführer sein kann. „Es herrscht eine sehr spezielle Atmosphäre in Berlin“, sagte Meier, der bei seiner ersten Finalteilnahme 2006 mit Friedhelm Funkel als Trainer dem FC Bayern München 0:1 unterlag.

          „Auf Berlin kann man sich nur freuen.“ Das Finale ist für Meier ein Geschenk. Wegen seiner hartnäckigen Fersenverletzung war lange nicht sicher, ob er überhaupt wieder würde spielen können. Doch das Comeback glückte – und nun steht der „Lange“, wie ihn seine Mitspieler rufen, zum zweiten Mal in seiner Karriere im Berliner Endspiel. Trotz der wenigen Spieleinsätze in der Bundesliga, trotz der „nur“ fünf Tore, die er dabei in 21 Spielen – acht nur vom Anfang bis zum Ende – erzielt hat: Meier ist immer noch der Mann für die speziellen Eintracht-Momente. Einer, der den Unterschied ausmachen kann. Einer, der schon durch seine pure Präsenz dem Gegner Respekt einflößt.

          Schon vor dem Abflug in die Hauptstadt war Meier in Frankfurt ein gefragter Gesprächspartner. In seiner typisch norddeutschen Art vermied er es bei seinem Rückblick auf die erste Finalteilnahme dabei, in Superlativen zu schwelgen. „Das ist doch so lange her“, sagte er. „Aber es ist etwas Besonderes, denn ein solches Finale erlebt man ganz selten.“ Vor allem, wenn man Profi der Frankfurter Eintracht ist, die letztmalig 1988 das Gefühl auskosten durfte, Pokalsieger zu sein. Eine kleine Ewigkeit ist das her. Der Schütze von damals, der geniale Ungar Lajos Detari, wird sich an diesem Samstagnachmittag zur Einstimmung auf das Finale 2017 beim großen Fanfest auf dem Alexanderplatz präsentieren und dürfte dabei in schönen Erinnerungen schwelgen.

          Alexander Meier freut sich auf den Wettstreit mit der favorisierten Borussia. „Ganz Deutschland guckt zu“, weiß er. Ach was: Rund um den Globus werden an diesem Samstag die Fernseher eingeschaltet sein. 186 Länder sind dabei, wenn sich der Bundesliga-Elfte Eintracht anschickt, den Meisterschaftsdritten Dortmund zu ärgern. „Wir wissen, dass wir der Außenseiter sind. Es wird schwer, dieses Finale zu gewinnen.“ Andererseits: „Die sind aufgeregt, wir sind aufgeregt“, sagte Meier und ergänzte: „Eine klare Sache wird das nicht.“ Bei der Erinnerung an das 0:1 vor elf Jahren gegen die Bayern musste Meier kurz innehalten. „Ja, wir haben damals eine Medaille bekommen. Gemeinsam mit dem Finaltrikot ist sie bei mir zu Hause.“ Zu Hause? Das ist in Buchholz, in der Nordheide, nicht weit von Hamburg entfernt. „Medaille und Trikot hat meine Mutter eingelagert. Sie sind in meinem alten Kinderzimmer.“ Wird Zeit, dass die Sammlung von 2006 Zuwachs erhält. Diesmal aber darf es schon mehr sein als nur eine kleine Plakette, die der unterlegene Finalist erhält. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird den goldenen Pokal dem Kapitän der siegreichen Mannschaft überreichen. Vielleicht heißt dieser Alexander Meier.

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