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Ajdin Hrustic : Der Gewinner der Saison bei der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Ajdin Hrustic bei seinem Treffer gegen Mainz 05 Bild: EPA

Ajdin Hrustic macht auf den letzten Drücker Karriere bei der Eintracht und in der australischen Nationalmannschaft. Dabei brauchte er in Frankfurt eine lange Anlaufzeit.

          3 Min.

          Auf den letzten Drücker ist es doch noch eine gute Saison für Ajdin Hrustic geworden. Als der 25 Jahre alte Australier mit rumänisch-bosnischen Eltern Ende September des vergangenen Jahres von der Frankfurter Eintracht verpflichtet wurde, fragten sich viele: Wozu? Der offensive Mittelfeldspieler schien nicht die Qualifikation zu besitzen, den Bundesligakader des hessischen Traditionsklubs zu bereichern. In seinen drei Jahren beim niederländischen Klub FC Groningen hatte er keinen solch nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass er für einen der Spitzenvereine der Eredivisie wie Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven oder Feyenoord Rotterdam interessant geworden worden wäre. Kann so jemand die europäischen Ambitionen der Eintracht unterstützen?

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Tatsächlich kam Hrustic in Frankfurt monatelang nicht über den Status eines Trainingspartners hinaus. Aber drei Tage vor seinem letzten Saisonspiel hat er all seine Saisonziele erreicht. Elfmal wurde er in der Bundesliga eingesetzt und schoss dabei gegen Mainz 05 den Treffer zum 1:1-Ausgleich, der prompt Aufnahme in die Auswahl zum Tor des Monats der ARD-Sportschau fand. Zudem belebte Hrustic nach vier Jahren Pause seine Karriere als australischer Nationalspieler. Dabei befindet er sich sogar auf dem Weg zum Stammspieler, in fünf von sieben WM-Qualifikationsspielen war er dabei. Auch beim 3:0 am vergangenen Freitag gegen Nepal, das die letzten theoretischen Zweifel am Weiterkommen zerstreute. Das letzte Qualifikationsspiel der zweiten Runde am kommenden Dienstag gegen Jordanien besitzt nun noch statistischen Wert. Demnächst wird Hrustic also in der Entscheidungsrunde mit seinen Socceroos in einer Sechsergruppe um die beiden ersten Plätze kämpfen, die zur direkten WM-Teilnahme berechtigen.

          „Man muss sich einfach an eine neue Liga gewöhnen“, erklärte Hrustic gegenüber den Eintracht-Medien seine lange Anlaufzeit in Frankfurt. Vor allem an die Bundesliga, die im Vergleich der ersten niederländischen Klasse deutlich größere athletische und dynamische Fähigkeiten erfordert. Dass Hrustic Fußball spielen kann, wird schnell ersichtlich, dazu benötigt man keinen Trainerschein. Ballbehandlung, Überblick, Esprit, Schusstechnik, über all die Tugenden verfügt der Linksfuß. Auch kann man ihm nicht den Willen absprechen, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, sich um die Defensive mit zu kümmern. Hrustic ist keine Diva. Aber er musste sich die physischen Voraussetzungen erst erarbeiten, um den guten Willen in einer ansprechenden Quote auch faktisch umzusetzen.

          Eine der größten Stärken ist dabei sicher seine Frustrationstoleranz. Eintracht-Trainer Adi Hütter lobte immer wieder dessen Einsatz und Einstellung im Training und bedauerte es, ihm keine Einsatzzeiten geben zu können. Als Hütter die Zeit für reif hielt, den offensiven Mittelfeldspieler auf die Bewährungsprobe zu stellen, nutzte er seine Chance. Im Saisonendspurt kam Hrustic auf über zweieinhalb Stunden Spielzeit. Im Tor gegen Mainz kulminierten seine Stärken. Erstens: niemals aufgeben, zweitens Körperbeherrschung, drittens Ballfertigkeit. Nachdem sein erster Schussversuch geblockt worden war, bewegte er sich halb im Sitzen, halb im Liegen geschmeidig auf den abgeprallten Ball zu und bugsierte ihn mit einer gefühlvollen Bogenlampe ins Netz.

          Das Ballgefühl wurde ihm vom Vater in die Wiege gelegt, der ebenso Profi war, die Mentalität von beiden Elternteilen. Die Hrustics sind eine Flüchtlingsfamilie. Sie verließen ihre Heimat im jugoslawischen Bürgerkrieg, Ajdin wurde wenige Monate danach in Melbourne geboren. „Ich danke Australien dafür, dass es mir alle Möglichkeiten gegeben hat, Fußballprofi zu werden, deshalb spiele ich auch für Australien“, sagt Hrustic. Er hätte mehrere Möglichkeiten gehabt, international zu spielen. Denn mit 15 verließ er mit seinen Eltern seine zweite Heimat, weil ihm ein Scout von Stoke City ein Angebot gemacht hatte. „Meine Eltern gaben alles auf, um mir die Fußball-Laufbahn zu ermöglichen“, erinnert sich Hrustic. Der Weg nach oben war dornig. Weder in Stoke noch bei Austria Wien blieb er länger. Bei Schalke 04 freundete er sich bei den Junioren mit Leroy Sané an, doch zu den Profis schaffte er es nicht. Das gelang ihm nach längerem Anlauf dann beim FC Groningen. Aber auch da verlief der Aufstieg zum Stammspieler zäh.

          So rosig, wie jetzt im Sommer 2021, waren seine Zukunftsaussichten noch nie. Er hat sich bei der Eintracht und in seiner Nationalmannschaft etabliert. Einsätze in der Europa League und bei der WM in Qatar erscheinen realistisch. Hrustic ist glücklich über die Entwicklung, vor allem wegen seiner Eltern. „Sie haben für mich ihr neues Leben in Australien aufgegeben. Ich kann ihnen gar nicht zurückgeben, was sie für mich opferten, egal, wie viele Dinge ich ihnen kaufe.“ Die Möglichkeit, durch den Fußball eine Gegenleistung zu erbringen, war dennoch seine große Antriebsfeder.

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