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Eintracht-Trainer Adi Hütter : „Ich gebe Spielern mindestens zwei, drei Chancen“

Sieben Spiele, zehn Punkte: Für Trainer Hütter und die Eintracht läuft noch längst nicht alles nach Plan. Bild: Picture-Alliance

Frankfurts Trainer Adi Hütter hat feste Prinzipien der Personalführung, an denen er auch in kritischen Zeiten festhält. „Dieser Weg hat mich zur Eintracht geführt. Ich werde ihn weiter verfolgen.“

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Adi Hütter hat keine gute Erinnerung an das letzte Testspiel seiner Frankfurter Eintracht während einer Länderspielpause. Sein Team verlor vor gut vier Wochen gegen den Tabellenletzten der Zweiten Liga, die Würzburger Kickers, 0:3. „Solche Spiele brauche ich nicht, da ärgere ich mich nur, da trainiere ich lieber.“ An diesem Donnerstag trifft die Eintracht um 14 Uhr auf den alten Süd-Rivalen 1. FC Nürnberg, und Hütter hofft, dass seine Profis aus der zweiten Reihe diesmal die Chance nutzen werden, auf sich aufmerksam zu machen. Einige Stammspieler sind wieder mit ihren Nationalmannschaften unterwegs.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Im Frankfurter Kader befinden sich derzeit verhältnismäßig viele Spieler in der zweiten Reihe. Denn Hütter hat sich nach der ersten Halbzeit der Bundesligapremiere gegen Arminia Bielefeld auf eine Stammformation festgelegt, die er nur verändert, wenn sich jemand verletzt oder es der Spielverlauf verlangt. Die erste Elf ist eine Konstante. Wofür der Eintracht-Trainer in den vergangenen Tagen reichlich Kritik hat einstecken müssen, vor allem in den verschiedenen Fan-Foren im Internet. Namentlich an den Spielern Steven Zuber, Stefan Ilsanker und Almamy Touré entzündeten sich die Vorwürfe. Hütter hielt an dem Trio fest, obwohl es gegen Köln, die Bayern und Werder nicht überzeugt hatte. Zuber und Touré spielten dann auch am vergangenen Samstag beim VfB Stuttgart schwach. So schwach, dass sie Hütter zur Pause austauschte. Und mit Aymen Barkok und Amin Younes wurde tatsächlich alles besser. Die Eintracht wandelte ein 0:2 in ein 2:2 um. Genug Fakten für die Kritiker, um ganz harsche Töne anzuschlagen.

          Hütters endliche Geduld

          Hütter hat genug Selbstvertrauen, um diesen Widerspruch klaglos hinzunehmen. Und er liefert Argumente, warum er so gehandelt hat: „Ich bin ein Trainer, der nicht gleich beim ersten schlechten Spiel den Spieler heraus nimmt. Ich gebe ihm mindestens zwei, drei Chancen. Damit erreiche ich, dass er Vertrauen spürt und nicht gleich beim ersten Fehler verunsichert ist. Außerdem habe ich nicht die Garantie, dass es der andere besser macht. Spielt der auch schlecht, weil er Angst hat, bei schlechter Leistung gleich ausgetauscht zu werden, habe ich zwei verunsicherte Spieler.“ Dagegen, davon ist der Eintracht-Trainer überzeugt, verstehe jeder Profi, der dreimal schlecht gespielt habe, warum er herausgenommen werde. Hütter fügt an: „Und der neue Spieler hat die Sicherheit, dass auch er sich mehr als eine schwache Partie leisten kann. Das ist meine Art der Personalführung. Dieser Weg hat mich zur Eintracht geführt, ich werde ihn weiter verfolgen.“

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          Aber natürlich ist auch Hütters Geduld endlich, schon um keine allzu große Unruhe im Kader aufkommen zu lassen. Eine gewisse Fluktuation muss schon deshalb gegeben sein, damit niemand den Kampf um einen Einsatz für aussichtslos hält und aufgibt. Steven Zuber wird auf jeden Fall seinen Platz auf der linken Außenbahn in der Startelf räumen müssen. Nach fünf Wochen Verletzungspause ist Filip Kostic gegen Stuttgart für fünf Minuten zurückgekehrt. Und wenn sich der Serbe bei seiner Nationalmannschaft nicht verletzt, ist er schon allein deshalb im Heimspiel gegen RB Leipzig in anderthalb Wochen wieder bei der Eintracht gesetzt, weil sein Ersatzmann Zuber der Offensive so gut wie keine Impulse geben konnte.

          Tourés Tiefpunkt

          Auch des Schweizers Kollege auf der rechten Außenbahn, Almamy Touré, wird höchstwahrscheinlich gegen Leipzig auf der Ersatzbank Platz nehmen müssen. Nach fünf starken Halbzeiten gegen Berlin, Hoffenheim und Köln erlitt der 24 Jahre alte Franzose einen krassen Rückfall in überwunden geglaubte schlechte Zeiten. Schon gegen Werder wurde er zur Pause von Hütter vom Feld genommen, das Gleiche geschah ihm in Stuttgart. Da erlaubte sich Touré einen Tiefpunkt, als er Gegenspieler Gonzalez tölpelhaft foulte und den Foulelfmeter zum 0:1 verursachte.

          Es gibt verschiedene Kandidaten, die es auf dieser Position besser machen könnten als zuletzt Toure. Drei von ihnen haben an diesem Donnerstag gegen den 1. FC Nürnberg die Gelegenheit, Hütter von ihren Qualitäten zu überzeugen: Danny da Costa, Timothy Chandler und Erik Durm. Allerdings stand dieses Trio in den vergangenen Wochen im Schatten eines Newcomers. Aymen Barkok überraschte auf der rechten Außenbahn als Einwechselspieler in der zweiten Halbzeit gegen Werder und Stuttgart. Der 22 Jahre alte Deutschmarokkaner, der in diesen Tagen mit Marokko zwei WM-Qualifikationsspiele gegen die Zentralafrikanische Republik bestreitet, bereitete in diesen Bundesligaspielen alle drei Tore der Eintracht vor. Barkok, ansonsten im zentralen Mittelfeld zuhause, hat sich also in ungewohnter Rolle eine Chance verdient.

          Keinerlei Alternativen gibt es bei der Eintracht derzeit in der Sturmspitze. Ragnar Ache ist verletzt, Jabez Makanda noch nicht reif für die Bundesliga. Bleiben Bas Dost und André Silva. Bisher bot Hütter die beiden immer als Duo auf, gegen Nürnberg wird er die taktische Variante üben, mit einer Spitze und zwei offensiven Mittelfeldspielern dahinter zu spielen. Dost und Silva werden sich in vorderster Linie je eine Halbzeit am Probelauf beteiligen. Flexibel bleiben – dieses Credo hat Adi Hütter in der vergangenen Saison häufiger postuliert. In dieser Spielzeit muss er es noch umsetzen.

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