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Eintracht Frankfurt : Zukunftweisende Reise in die Vergangenheit

Das Rad der Zeit kann auch Friedhelm Funkel, der Trainer der Frankfurter Eintracht, nicht zurückdrehen, wenngleich er es gerne täte. "Es gab gewiß schon günstigere Momente in dieser Saison, um auf dem Betzenberg zu spielen."

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          Das Rad der Zeit kann auch Friedhelm Funkel nicht zurückdrehen, wenngleich er es gerne täte. "Es gab gewiß schon günstigere Momente in dieser Saison, um auf dem Betzenberg zu spielen." Zum Beispiel vor zwei Wochen, als Wolfgang Wolf noch nicht das Sagen als neuer Trainer des 1. FC Kaiserslautern hatte. Weil aber die "Roten Teufel", in der Fußball-Bundesliga auf dem letzten Rang angekommen, wegen des sportlichen Absturzes den Posten des Cheftrainers mit eben Wolfgang Wolf, dem einstigen FCK-Profi, neu besetzt haben, kommt dem Südwestderby an diesem Samstag im Fritz-Walter-Stadion zwischen dem FCK und der Frankfurter Eintracht besondere Bedeutung zu. "Für Lautern ist das die große Chance, wieder zurückzukommen", sagt Eintracht-Trainer Funkel. "Das Stadion wird voller als sonst sein, die Leute vertrauen dem neuen Trainergespann mit Wolf und meinem Bruder Wolfgang."

          Das Stadion auf dem Betzenberg, das fit gemacht wird für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, bietet derzeit 40 700 Fußballfreunden Platz. Weil bisher schon 33 000 Tickets Abnehmer gefunden haben, darunter bis zum Donnerstag 4400 Frankfurter Fans, ist tatsächlich mit dem zu rechnen, was einst gefürchtet gewesen ist: Betzenberg-Feeling. Doch die einstige Trutzburg pfälzischer Fußballkunst hat viel von ihrem Schrecken verloren. Von den bisherigen sieben Heimspielen vor heimischer Kulisse konnten die Lauterer eine einzige Partie nur gewinnen; viermal gab es Niederlagen. Auch gegen die Eintracht?

          Friedhelm Funkel ist sehr wohl bewußt, daß seine Eintracht auf einen angeschlagenen und deshalb als gefährlich einzustufenden Gegner trifft. Trotzdem hat er selbstbewußt die Parole ausgegeben, "daß wir die Initiative ergreifen wollen. Wir wollen die Lauterer früh stören, doch wir wissen nicht, wie stark der Gegner ist". Wie stark seine eigene Mannschaft ist, sollte Funkel aus den Erkenntnissen der vergangenen Spiele wissen. Ob sich aber auch Benjamin Huggel stark genug fühlt, für die Frankfurter im defensiven Mittelfeld am Ball zu sein, ist fraglich. Am Donnerstag jedenfalls mußte der Schweizer Nationalspieler, der sich tags zuvor noch ausführlich über seine Befragung vor der Fifa und den skandalösen Ausschreitungen rund um das WM-Qualifikationsspiels in Istanbul gegen die Türkei geäußert hatte (F.A.Z. vom 1. Dezember), der täglichen Trainingseinheit fernbleiben. Huggel hat Grippe, wie zuletzt Oka Nikolov. "Doch Oka ist Torwart", sagt Funkel. "Bei einem Feldspieler ist es nicht so einfach, so schnell wieder auf die Beine zu kommen."

          Falls Huggel ausfällt, was nach derzeitigem Kenntnisstand nicht unwahrscheinlich wäre, müßte Funkel größere Umbaumaßnahmen vornehmen. Eine Position, die definitiv neu besetzt werden muß, ist die auf der rechten Außenbahn. Dort ist normalerweise Patrick Ochs fleißig unterwegs, doch weil er wegen seiner in Mainz erlittenen Knieverletzung bis zum Beginn des neuen Jahres ausfällt, ist kreative Personalplanung gefragt. Variante eins: Funkel vertraut auf eine Dreierkette und stellt Marko Rehmer, Chris und Aleksandar Vasoski als Abwehrbollwerk auf. Variante zwei: Eine Dreierkette mit Rehmer, Vasoski und Christoph Spycher - und Chris als Abräumer davor. Variante drei: Eine Viererkette mit Rehmer, Vasoski, Spycher und Andree Wiedener oder Du-Ri Cha. Cha? Was wie ein Witz anmutet, ist keiner. Denn früher schon, zu zweitklassigen Zeiten, testete Funkel das Modell mit dem koreanischen Konterstürmer auf der rechten Außenverteidigerposition. "Cha ist eine Alternative", sagt Funkel. "Wiedener auch." Wiedener, einer der Musterprofis der Eintracht, ist selbstverständlich fit und einsatzbereit. Bei Cha hört sich das so an: "Es ist mir egal, wo ich spiele. Hauptsache, ich spiele überhaupt." Cha wird sich gedulden müssen. Erst am Samstag will sich Funkel entscheiden, welcher Variante er den Vorzug gibt.

          Nicht nur für seinen Bruder Wolfgang, auch für Friedhelm Funkel ist die Reise an den Betzenberg eine Reise in die Vergangenheit. "Ich freue mich auf Kaiserslautern," sagt er. "Hier hatte ich drei sehr schöne und tolle Jahre." Daß sich Funkel nach dem Vergleich mit den Lauterern sehnt, ist verständlich. Sechs Punkte vor den Pfälzern liegend, könnte die Eintracht mit einem Sieg einen Riesensatz machen. Doch weil auch Funkel nicht weiß, was am Samstag wirklich passiert, sagt er einfach nur: "Wir freuen uns auf dieses Spiel. Am Betzenberg ist immer etwas los." Wohl wahr.

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