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Ältester Bundesligaprofi : Ein Phänomen bei der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Und Du bleibst! Hasebe (links) versucht Einfluss auf Kamada zu nehmen. Bild: Jan Huebner

Es ist nicht die heimische Küche allein: Makoto Hasebe ist inzwischen der älteste Bundesligaprofi – und will besonders einem Eintracht-Profi Vorbild sein.

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          Makoto Hasebe ist ein Phänomen. 18 Jahre Profifußball sind spurlos an ihm vorüber gegangen. Mit federndem Schritt betritt er am Dienstag den Raum, freundlich lächelnd, kein Falte im Gesicht. Gerade hat er das erste Training der letzten Vorbereitungswoche auf seine 14. Bundesligasaison in Deutschland absolviert. Ein Zeitpunkt, an dem viele Fußballprofis einen Tiefpunkt haben. Die Sommervorbereitung gilt als die härteste Zeit des Jahres, mit vielen Kraft- und Konzentration raubenden Einheiten, in denen erst die konditionellen Grundlagen gelegt und dann die taktischen und spielerischen Feinheiten eingebimst werden. Makoto Hasebe wirkt wie aus dem Ei gepellt. „Ich bin immer frisch“, sagt der 36 Jahre alte Japaner.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Sein Geheimnis? „Vielleicht ist es die japanische Küche, die gesünder ist als die deutsche. In keinem Land der Erde werden die Menschen älter als in Japan, es muss an der Ernährung liegen. Aber ich mache nichts wirklich Besonderes.“ Doch was Hasebe tut, tut er konsequenter als viele seiner Kollegen. Er ordnet sein Privatleben völlig seinem Beruf unter. Regeneration, Ernährung, Körperpflege stehen im Mittelpunkt. Alle seine Trainer haben ihn als Vorzeige-Profi bezeichnet, als Vorbild für alle. Dann fällt Hasebe doch noch ein Extra ein. „Ich nehme fast jeden Tag ein Kräuterbad mit meiner kleinen Tochter.“ Sein persönlicher Jungbrunnen.

          Kapitel Deutschland ist noch nicht zu Ende

          Nachdem Claudio Pizarro und Daniel Baier nicht mehr in der höchsten deutschen Spielklasse aktiv sind, ist Hasebe zum ältesten Bundesligaspieler aufgestiegen. Ein Titel, der ihn sehr stolz macht. „Ich bin Ausländer, ich dachte erst, vielleicht bleibst du zweieinhalb Jahre in Deutschland, dann dreieinhalb, dann fünf, jetzt werden es 13.“ Und das Kapitel Deutschland ist für ihn noch lange nicht beendet. Zwar geht er realistischer Weise davon aus, dass er seine letzte Saison bestreitet, aber er wird nicht das Land verlassen, wenn sein Vertrag als Spieler in Frankfurt ausläuft. „Deutschland ist meine zweite Heimat geworden, Deutschland bleibt mein Standort und der Standort meiner Familie.“ Selbst, wenn ihn die Arbeit nach Japan verschlagen sollte.

          Wie er seine berufliche Karriere fortsetzen wird, ist noch offen. Ob als Trainer oder im Management, ob in Deutschland oder in Japan. Aber Hasebe hat schon vorgeplant. Seit diesem Juli ist er Markenbotschafter der Eintracht mit dem logischen Schwerpunkt asiatischer Raum. Marketing interessiert ihn. Zudem hat sich der Japaner beim DFB für einen Trainerlehrgang eingeschrieben. „Ich fahre nicht weg, es ist ein Online-Trainerkurs, ich konzentriere mich schon noch auf meine Rolle als Spieler.“

          Hasebe nimmt auch mit 36 Jahren noch eine tragende Position auf der Eintracht-Spielfläche ein. Nicht in jeder Partie, Martin Hinteregger ist die bessere Alternative als Mittelmann der Dreierkette, wenn der Gegner wuchtige und athletische Mittelstürmer aufbietet. „Martin ist im Kopfball viel stärker als ich“, gibt Hasebe gerne zu. Außerdem müssen seine Kräfte eingeteilt werden:. „Ich will immer spielen, aber man muss auch ehrlich gegenüber dem Trainer sein“, sagt er.

          Früher loslaufen als der Gegner

          Wenn Hasebe aber spielt, dann kommt ihm nicht nur die Aufgabe zu, die Abwehrkette zusammenzuhalten, sondern auch als eine Art Quarterback, den Spielaufbau zu koordinieren. Das eine gelingt ihm so gut wie das andere. Sein Trick? „Ich laufe 0,5 Sekunden früher los als die Gegenspieler.“ Wobei seine Übersicht und seine Antizipationsfähigkeit nicht mehr in jeder Szene ausreichen, um die Jugend in die Schranken zu weisen. Dennoch ist Hasebe über die Saison gesehen ein unverzichtbarer Teil des Eintracht-Spiels. „Neben dem Körper ist die Mentalität das Entscheidende, man muss immer hungrig bleiben. Wenn man zufrieden ist, muss man aufhören.“

          Diese Einstellung lebt Hasebe allen Kollegen vor. Zu einem hat er ein besonderes Verhältnis – seinem Landmann Daichi Kamada. Der langjährige Kapitän der japanischen Nationalmannschaft nahm den schüchternen Neuankömmling in Frankfurt unter seine Fittiche. In der vergangenen Spielzeit wurde der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler dann zur großen Entdeckung, die Eintracht drängt ihn, seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag zu verlängern. Ob er Kamada als väterlicher Freund nicht im Sinne der Eintracht überzeugen könne? „Daichi wird unterschreiben“, sagt Hasebe. „Für seine Entwicklung wäre es jedenfalls das Beste.“ Denn noch sei sein Landsmann nicht so weit, wie viele meinten. „Er hat nicht konstant gespielt. Alle sagten zu ihm, „Daichi toll, Daichi phantastisch“. Ich bin härter zu ihm. Wenn er droht, arrogant zu werden, hole ich ihn runter“, sagt Hasebe. Das Wichtigste sei jedoch nicht seine Beziehung zu Kamada, sondern, dass er sich in Frankfurt wohl fühle, genauso wie seine Frau und sein Kind. „Ich glaube, er bleibt.“

          Für die kommende Saison, die seine letzte sein wird, ist Hasebe optimistisch. Die Mannschaft habe Qualität, die Stimmung in der Kabine sei wie immer hervorragend und in der Vorbereitung gut gearbeitet worden. „Die Fitness ist schon ganz gut, aber auch die Einstellung und die Mentalität müssen stimmen“, mahnt der Japaner. Damit meint er vor allem den Pflichtspielstart am kommenden Samstag im DFB-Pokal beim TSV München 1860. „Gegen Ulm und Mannheim haben wir uns in den beiden letzten Jahren sehr schwer getan. Aber ich glaube, wir werden gut starten.“

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