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Eintracht Frankfurt : Trainingslager mit Wohlfühlcharakter

Lobt die Mannschaft: der griechische Eintracht-Neuzugang Kyrgiakos Bild: picture-alliance/ dpa

So weit ist es also schon gekommen. Noch nicht einmal der Hamburger SV genießt einen derart guten Ruf wie die Frankfurter Eintracht. Nicht vielleicht in der Bundesliga, aber in Zell am Ziller ganz bestimmt.

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          So weit ist es also schon gekommen. Noch nicht einmal der Hamburger SV genießt einen derart guten Ruf wie die Frankfurter Eintracht. Nicht vielleicht in der Bundesliga, aber in Zell am Ziller ganz bestimmt. Just zu dem Zeitpunkt nämlich, an dem die Eintracht ihr einwöchiges Trainingslager in den österreichischen Bergen abhielt, wollten auch die Hanseaten ihr Quartier aufschlagen. Im selben Hotel wie die Eintracht, doch die Truppe von Thomas Doll hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

          Das Team vom Sport- und Wellnesshotel Theresa war ganz Feuer und Flamme für die Eintracht - und eben nicht für den buhlenden HSV. „Wir haben absolute Priorität“, sagt Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel, der nun zum dritten Mal schon zu Beginn einer neuen Saison zur Grundlagenschulung nach Zell gefahren ist.

          Im Konzert der Großen mitspielen

          Lauftrainingslager? Funkel mag dieses Wort nicht, und am Ende der arbeitsintensiven Vorbereitungsphase mit insgesamt „nur“ vier Laufeinheiten, aber etlichen anderen Übungsabschnitten spricht er lieber über die Vorzüge eines „ganz normalen Trainingslagers“. Vielleicht sollte man auch besser von einem Erlebnistrainingslager mit Wohlfühlcharakter sprechen. Oder von einer Kennenlernwoche der besonderen Art.

          Festzuhalten bleibt: Mit teambildenden Maßnahmen wie Mountainbikefahren, Bergwandern und Klettern im Hochseilgarten hat das Trainerteam um Funkel, Assistent Armin Reutershahn und Torwarttrainer Andreas Menger den Nerv der Mannschaft getroffen. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt der Frankfurter Cheftrainer, „sauwohl. Wir genießen die familiäre Atmosphäre und fühlen uns hier schon fast wie zu Hause. Meinetwegen kann das noch lange so weitergehen.“ Ob der Aberglaube, den die Eintracht zum dritten Mal schon ins Zillertal gezogen hat, auch wirklich wirkt, wird die nahende Saison weisen. Doch gestärkt durch die fast ausnahmslos sonnigen Trainingstage mit knackigen Krafteinheiten geht Funkel schon davon aus, „daß wir uns nicht nur in der Bundesliga etablieren, sondern auch mehr Spiele als zuletzt gewinnen“.

          Was Funkel und die Eintracht wollen, ist kein Geheimnis: „Im Konzert der Großen, also in der ersten Liga, auf Jahre mitmischen.“ Damit dies glückt, sind Spieler wie Sotirios Kyrgiakos von den Glasgow Rangers, Michael Fink von Arminia Bielefeld, Albert Streit vom 1. FC Köln und Naohiro Takahara vom HSV zur Eintracht gestoßen.

          Neuzugang lobt Qualität der Mannschaft

          Der Japaner Takahara, wegen seiner Weltmeisterschaftsteilnahme noch auf Urlaub in der Heimat, wird an diesem Donnerstag in Frankfurt erwartet. Der zweite Frankfurter WM-Spieler Christoph Spycher hat bis Montag von Funkel frei bekommen. Und die anderen? Fügen sich Stück für Stück so in die Mannschaft ein, wie das allgemein erwartet worden ist. Streit hat für seine Rückkehr zur Eintracht markige Worte gewählt, um seinen Anspruch an eine Führungsrolle zu unterstreichen.

          Kyrgiakos, erstmals beim 5:0 im Privatspiel gegen den österreichischen Regionalligaklub WSG Wattens für seinen neuen Klub am Ball, hat angedeutet, daß er der Abwehr eine wichtige Stütze sein kann. Großgewachsen, wuchtig, kopfballstark, schnell unterwegs mit verbesserungsfähigen technischen Fertigkeiten: Der Champions League-erprobte Grieche fühlt sich „gut aufgenommen“. Im Gespräch mit ihm, das sein stürmischer Landsmann Ioannis Amanatidis übersetzt, setzt der 26 Jahre alte Verteidiger große Hoffnungen in „diese sehr talentierte Mannschaft mit ihrem guten Gemeinschaftsgefühl“.

          Sein Ziel, zugleich Triebfeder für den Wechsel von Schottland nach Deutschland: „Mit dem gewissen Quentchen Glück können wir einiges erreichen. Die Mannschaft“, glaubt er, „hat Qualität, auch in der Breite“. Höflich und fast schon schwärmerisch freut er sich auf eine der angeblich „besten Ligen Europas, in der der Traditionsverein Eintracht spielt. Mit ihr will ich dahin, wo sie früher einmal gewesen ist.“

          „Respektvoll miteinander umgehen“

          Früher? Wir erinnern uns. Das waren die Zeiten, als die Eintracht wirklich im Konzert der Großen mitmischte und regelmäßig unter den ersten Fünf anzutreffen war, von Auftritten auf europäischer Ebene ganz zu schweigen. Sotirios Kyrgiakos, ein hellenischer Träumer? Friedhelm Funkel, ganz Realist, hat die erste Etappe auf dem Weg zu einer langen, kräftezehrenden Saison genommen. Die leichte Rippenverletzung von Torwart Oka Nikolov wird wieder abklingen, und auch die Wiedereingliederung der beiden Rekonvaleszenten Jermaine Jones und Chris schreitet nach Plan voran.

          In einer ersten Einstimmung auf die bevorstehende Spielzeit hat Funkel seinen Profis aufgetragen, „respektvoll miteinander umzugehen. Wer das nicht macht, kriegt Probleme.“ Im Zillertal, während des Erlebnistrainingslagers mit Wohlfühlcharakter, hat es keine Probleme gegeben.

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