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Eintracht Frankfurt : Training nach der Formel 10 plus 2

Für die Schweizer Nationalmannschaft im Einsatz: Benjamin Huggel Bild: picture-alliance/ dpa

Vor dem Uefa-Pokalspiel im heimischen Stadion gegen Bröndby IF ist die Eintracht verletzungsgeschwächt. Das Freundschaftsspiel gegen den Zweitliga-Aufsteiger TuS Koblenz hat Friedhelm Funkel abgesagt.

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          Man glaubte seinen Augen kaum zu trauen. War dies wirklich das Training der Frankfurter Eintracht? Oder vielleicht doch eine Geisterveranstaltung? Zehn Feldspieler nur, so wenige wie noch nie, seitdem zumindest Friedhelm Funkel das sportliche Sagen hat, gingen am Donnerstag morgen ihrer Arbeit nach. Da war es fast schon Luxus, daß Torwarttrainer Andreas Menger mit Markus Pröll und Oka Nikolov gleich zwei Schlußmänner um sich scharen konnte. Die wohl einmalige Eintracht-Formel 10 plus 2 blieb natürlich nicht ohne Folgen - und Funkel handelte.

          „Ich hatte schon am Vorabend überlegt, das Freundschaftsspiel gegen Koblenz abzusagen. Gerade eben haben wir es wirklich gemacht.“ Der Test gegen den Zweitliga-Aufsteiger TuS Koblenz, ursprünglich angesetzt für diesen Samstag in Bad Ems, ist also ersatzlos gestrichen. „Es macht einfach keinen Sinn“, sagte Eintracht-Trainer Funkel nach der Unterredung mit seinem Koblenzer Kollegen Milan Sasic. „Ich habe doch überhaupt keine Abwehrspieler mehr.“

          Christoph Spycher? Gemeinsam mit Benjamin Huggel für die Schweizer Nationalmannschaft im Einsatz. Sotirios Kyrgiakos? Mit Ioannis Amanatidis für Griechenland am Ball. Patrick Ochs? Mit der deutschen U 21-Nationalmannschaft auf Reisen. Daniyel Cimen und Christopher Reinhard? Liegen grippekrank im Bett. Marko Rehmer? Pausiert seit Dienstag, als er im Training mit Naohiro Takahara zusammenprallte und sich eine Außenbanddehnung im Knöchel zuzog. Bliebe als einziger einsatzfähiger Spieler nur Marco Russ. „Und das geht natürlich nicht, so ganz ohne Defensive“, sagt Funkel.

          Erstes Uefa-Pokalspiel seit elf Jahren

          Die Eintracht, allen voran Funkel, hatte sich schon auf den Test mit Koblenz gefreut. Schließlich war geplant, das Leistungsvermögen von Christoph Preuß, Markus Weissenberger und Takahara gegen den zweitklassigen Rivalen zu überprüfen. Daraus wird nun nichts, und es gibt lediglich eine weitere Chance, einsatzfähige Profis vor dem ersten Uefa-Pokalspiel seit elf Jahren einem seriösen Wettkampf zu unterziehen: die Erstrundenpartie im DFB-Pokal bei den in die Regionalliga abgestiegenen Sportfreunden Siegen am 9. September.

          Von der Aufgabe gegen Siegen weiß man bei der Eintracht, daß sie lösbar ist. Von der Aufgabe gegen Bröndby IF kann man nur ahnen, daß sie ebenso reizvoll wie schwierig ist. Einmal schon hat sich der ehemalige Eintracht-Profi Ralf Weber auf den Weg nach Dänemark gemacht, um den kommenden Uefa-Pokalgegner zu inspizieren. Doch die Partie von Bröndby gegen Silkeborg ist ausgefallen. Nun unternimmt der Spielebeobachter einen zweiten Versuch. Zeitgleich zum Eintracht-Pokalspiel in Siegen mißt sich der Rangzweite Bröndy in der dänischen Ligaspitzenbegegnung mit Tabellenführer Aalborg BK. „Webi wird berichten“, sagte Funkel. „Zudem wird es Kassetten von dem Spiel geben.“ Alles wertvolle Tips und Hinweise für das von der Eintracht so sehnsüchtig erwartete Comeback im internationalen Fußball.

          Doch die Rückkehr in das Rampenlicht hat auch ihre Tücken. So hat die Deutsche Fußball Liga jetzt die Bundesligaspiele Nummer sechs und sieben terminiert, und danach bekommt die Dienstreise in die dänische Hauptstadt eine Stresskomponente. Nur wenige Stunden nach dem Uefa-Pokalrückspiel am 28. September in Kopenhagen muß die Eintracht am 30. im Ligaalltag gegen den Hamburger SV spielen. Funkels noch am Donnerstag geäußerte Zuversicht, „daß wir mit Sicherheit erst am Sonntag spielen“, war also trügerisch. Die Hanseaten kommen schon am Samstag nach Frankfurt in die Commerzbank-Arena. Daß die siebte Bundesligapartie der Eintracht am Samstag, den 14. Oktober, in Hannover angepfiffen wird, interessierte Funkel aktuell nur am Rande. Immerhin: Bis Mitte Oktober dürften alle Nationalspieler und verletzten Profis wieder an Bord sein. Die Formel 10 plus 2 sollte eine einmalige Sache bleiben.

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