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Eintracht Frankfurt : Suche nach dem krönenden Abschluß

  • -Aktualisiert am

Wunschkandidat für die Eintracht: der Mainzer Michael Thurk Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Welches Spielsystemystem wird der personellen Ausstattung der Frankfurter Eintracht am besten gerecht? Im Testspiel gegen den MSV Duisburg, das 0:1 ausging, setzten die Frankfurter ganz auf die Offensive.

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          Die beste Phase der Frankfurter Eintracht offenbarte eindrucksvoll, was trotz gefällig vorgetragener Angriffe noch fehlt: der krönende Abschluß. „Normalerweise muß das Spiel 4:1 für uns ausgehen“, sagte Stürmer Ioannis Amanatidis nach dem 0:1 im Testspiel gegen den MSV Duisburg. Aber es lief nicht normal, ganz besonders nicht zu Beginn, als noch alles ganz leicht aussah. In den ersten 25 Minuten vergab die Eintracht vier große Möglichkeiten. Amanatidis köpfte gegen die Querlatte, Albert Streit schoß gegen den Pfosten. Im jeweils zweiten Versuch scheiterten sie am Duisburger Torhüter Georg Koch. Weil vorne die Null stand, warf die Offensive die meisten Fragen auf.

          Welches System wird der personellen Ausstattung der Frankfurter am besten gerecht? In Duisburg schickte Trainer Friedhelm Funkel eine Elf auf den Platz, die mehr auf Sturm und Drang eingestellt war, als es die gängige Chiffre 4-5-1 vermuten läßt. Auf den ersten Blick war Amanatidis der einzige Stürmer. Aus dem Mittelfeld rückten Benjamin Köhler und - auffälliger - Albert Streit über die Flügel vor. Das genügte Funkel, um die Systemfrage im nachhinein offensiv zu interpretieren: „Wir haben mit drei Spitzen gespielt.“

          Einbruch in der zweiten Hälfte

          Der Fußball-Lehrer bezeichnete die Spielweise als etwas Altbekanntes, so als wollte er Grundsatzdiskussionen zu diesem Thema vermeiden. Angesichts dieser Ausrichtung hätte er sich auf einen internationalen Trend berufen können. „Aber das hat nichts mit der WM zu tun“, sagte Funkel ein wenig ungehalten. Die Mannschaft habe in der Vergangenheit oft so gespielt, schon einst in der zweiten Liga, als Arie van Lent der zentrale Angreifer gewesen sei, flankiert von zwei Flügelmännern, die den Weg zurück ins Mittelfeld nicht gescheut hätten.

          Nach einer Stunde probierte Funkel eine andere Variante aus. Der eingewechselte Francisco Copado, ein Kandidat für die Formation mit zwei Spitzen, sollte Amanatidis ganz vorn Gesellschaft leisten und den Griechen ein wenig entlasten. Dieses Manöver blieb ohne Wirkung, weil den meisten Spielern die Kräfte schwanden. Längst lag die Schwierigkeit nicht mehr darin, Chancen zu verwerten, sondern darin, Chancen herauszuspielen und den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Dieses Manko wurde von Trainer und Spielern auf die Belastungen der vergangenen Trainingslagerwoche zurückgeführt. Der Einbruch während der zweiten Hälfte sei kein Grund zur Beunruhigung. „Natürlich sind wir ein bißchen müde, aber wir sind körperlich gut beieinander“, sagte Amanatidis.

          Solche Worte spricht der Grieche vielleicht bald als Kapitän gelassen aus. Funkel erklärte zwar den derzeit verletzten Jermaine Jones, der mit Lauftraining begonnen hat, zum Spielführer, berief Amanatidis aber neu in den Mannschaftsrat. Der Stürmer gilt als erster Stellvertreter. „Ich bin einer, der seine Meinung sagt. Wenn Jones es schafft, ist er auch der Kapitän. Aber ich fühle mich bereit, der Mannschaft zu helfen.“

          Zwei Millionen Euro für Michael Thurk?

          Trotz der ersten Testspielniederlage dieses Sommers versuchen die Frankfurter im aktuellen Transferpokerspiel den Eindruck zu erwecken, sie seien sich selbst genug. Naohiro Takahara wird demnächst geheilt zur Mannschaft zurückkehren und vielleicht erst einmal auf der Bank sitzen. Wer nach Funkels Lesart schon mit drei Stürmern spielt und in Alexander Meier oder Markus Weissenberger noch einen Regisseur auf der Position der Nummer zehn aufbietet, braucht in der Regel kein zusätzliches Beschäftigungsprogramm für Stürmer mit mäßiger Perspektive. Obwohl so gesehen keine Planstellte frei ist, suchen die Frankfurter für ihren Angriff eine zusätzliche Kraft, aber nicht um jeden Preis. Als Wunschkandidat gilt der Mainzer Michael Thurk, den die Rheinhessen nun doch - freilich nur für zwei Millionen Euro - freigeben wollen.

          Funkel versucht, nicht zuletzt mit Blick auf die finanzielle Seite, so zu tun, als handelte es sich um eine untergeordnete Personalfrage. Die Eintracht sei interessiert und habe mit Mainz über diesen Spieler gesprochen. Von Unstimmigkeiten wisse er nichts. An diesem Dienstag will Funkel mit dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und mit Bernd Hölzenbein über das Thema Thurk beraten. Das Ergebnis dieses Gesprächs sei offen, behauptet Funkel. „Wir reden auch mit anderen Stürmern.“ Bis zum Ende der Transferperiode am 30. August werde der Klub schon den Richtigen finden. Vorher hat die Eintracht noch manchen Test zu bewältigen. Als nächster Gegner wartet an diesem Mittwoch, Anstoß 18.30 Uhr, der Landesligaklub Griesheim auf den Frankfurter Bundesligaklub.

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