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Eintracht Frankfurt : Zuber am Zug

  • -Aktualisiert am

Lücke nach Kostics Verletzung: Steven Zuber will sich in der Eintracht behaupten. Bild: Picture-Alliance

Frankfurts Neuzugang Steven Zuber hat viele Qualitäten. Nach Filip Kostics Verletzungspause hat der Mittelfeldspieler nun die Chance, sich bei der Eintracht zu etablieren.

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          Als Schweizer Nationalspieler durchlebt Steven Zuber momentan ein munteres Wechselspiel. Beim 3:3 seiner Auswahlmannschaft gegen Deutschland am Dienstag in Köln wurde der Eintracht-Profi von Trainer Vladimir Petkovic nach 66 Minuten ausgewechselt. Zuber lieferte in dem Nations-League-Spiel eine ordentliche Leistung ab, ohne zu überragen. Kurz nach der Halbzeitpause hatte er Manuel Neuer im Tor der Deutschen mit einem Distanzschuss nicht überwinden können. Im ersten Aufeinandertreffen (1:1) in Basel Anfang September war der Frankfurter Außenbahnspieler erst in der 64. Minute eingewechselt worden. Auch davor gegen die Ukraine (1:2) standen bei Zuber „nur“ die 45 Minuten der ersten Hälfte auf seinem Arbeitszeitkonto. Rein und wieder raus – das ist die aktuelle Konstante bei Zuber auf der internationalen Bühne.

          Bundesliga

          In Frankfurt hat der gebürtige Winterthurer einen kleinen Schritt zu mehr Beständigkeit gemacht. In Abwesenheit des verletzten Stammspielers Filip Kostic ließ er gegen Hoffenheim (2:1) einer schwächeren ersten eine starke zweite Halbzeit auf der linken Seite folgen. Zum ersten Mal wuchs der 29-Jährige nach drei eher unscheinbaren Pflichtspielen sichtbar mit seiner Aufgabe: Mit deutlich mehr Energie als vor dem Seitenwechsel brachte er Schwung in die Frankfurter Offensive. Auf einmal war Zuber ein höchst aktiver Teil des flotten Kombinationsspiels.

          Höhepunkt war die Szene, als er den Treffer zum 1:1 von Daichi Kamada einleitete: mit einer von links geschlagenen Flanke auf Stürmer Bas Dost, der die Rolle des Torvorbereiters dann perfekt ausfüllte. 54 Ballkontakte, eine Laufleistung von 11,6 Kilometern und eine Zweikampfquote von 60 sowie eine Passquote von 80 Prozent – diese Statistiken von Zuber zeigen, dass er auf dem richtigen Weg zu einer spielbestimmenden Figur ist. Trainer Adi Hütter attestierte seinem Schützling hinterher „ein sehr gutes Spiel“. Seine energischen Worte in der Halbzeitpause waren auch bei Zuber angekommen. Sie waren offenbar die nötige Motivationsspritze.

          Ballsicherheit und präzise Flanken

          Es ist jetzt die Zeit, in der Zuber am Zug ist. Mit überzeugenden Auftritten kann er seinem eigenen Anspruch, ein Leistungsträger zu sein, gerecht werden und damit auch neue Ansprüche stellen. Mindestens bis Anfang November ist Kostic (Innenbandanriss im rechten Knie) im Krankenstand. Auch ohne ihren Topspieler braucht die Eintracht auf dem Flügel ein belebendes Element, auf das sie sich verlassen kann. Den schnellen Serben vermag Zuber mit seinen Fähigkeiten nicht in gleichem Maße zu ersetzen. An die Wucht und Dynamik von Kostic, der die gegnerischen Abwehrreihen mit seiner Zielstrebigkeit in Aufruhr versetzt, reicht der Schweizer Nationalspieler nicht heran. Im Vergleich ist Zubers Spielstil nicht so spektakulär.

          Er steht aber für Ballsicherheit und präzise Flanken. Im besten Fall für sportliche Maßarbeit beim Herausspielen von Toren. Wenn Zuber, der es auch versteht, seine Seite dicht zu halten, seine sportlichen Vorzüge in vollem Umfang zur Geltung bringt, tut sich bei der Eintracht auf dem linken Flügel ohne Kostic keine gravierende Lücke auf. Das stärkt den Mannschaftsverbund. Es sei „wichtig, dass wir sehen, dass wir auch ohne Filip gewinnen können“, meinte Hütter. Und Zuber in Bestform würde auch Kostic in schwachen Momenten auf die Sprünge helfen. Dessen Trainer sagte nämlich: „Es ist auch für Filip selbst gut, dass er das Gefühl hat: Okay, ich muss Gas geben, damit ich wieder in die Mannschaft komme.“

          In Zugzwang ist aber auch Zuber, der bei seiner Vorstellung im August in Frankfurt seine Vielseitigkeit hervorgehoben hat. Auf beiden Flügeln oder auch hinter den Spitzen sieht der Profi seine möglichen Arbeitsbereiche. Mit den Verpflichtungen des ehemaligen deutschen Nationalspielers Amin Younes und des Australiers Ajdin Hrustic vom FC Groningen haben sich die Frankfurter aber weitere Offensivoptionen zugelegt.

          Momentan verfügt Zuber, der im Tausch mit Mijat Gacinovic von der TSG Hoffenheim gekommen war, gegenüber Younes über die deutlich bessere Fitness. Den Platz auf der linken Seite am Sonntag (15.30 Uhr) beim Bundesliga-Spiel in Köln wird deshalb wohl wieder er einnehmen. Dort kann Zuber seinen Aufwärtstrend im Trikot der Eintracht fortsetzen. „Die Leute werden viel Freude an mir haben“ – so lautete sein Versprechen beim Dienstantritt in Frankfurt. Auf seinem Instagram-Account heißt Zuber, der bisher in 112 Bundesliga-Spielen auf 14 Tore und neun Vorlagen kommt, „stevenzauber“.

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