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Eintracht Frankfurt : Pröll sitzt Nikolov freundschaftlich im Nacken

Zwei Mann streiten im Trainingslager in Portugal darum, die Nummer 1 im Tor der Eintracht zu sein: Oka Nikolov und Markus Pröll.

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          Ein Sprung, eine Parade, ein Lob. "Sehr gut, Oka, jaaaaaah! Das ist es!" Andreas Menger wird fast schon überschwenglich, um Worte für das zu finden, was gerade bei der Frankfurter Eintracht Tradition hat: daß der Klub seit Jahren über vorzügliche Torhüter verfügt - und, nebenbei gesprochen, auch über einen vorzüglichen Torwarttrainer. Alltag an der Algarve. Der einwöchige Aufenthalt in Vale do Lobo neigt sich dem Ende. Es ist empfindlich kühl geworden an Europas Südwestzipfel. Oka Nikolov, Markus Pröll und Jan Zimmermann ist das egal. Sie fausten und fliegen, klatschen und kämpfen, greifen und grätschen. Täglich stellt Menger ein anspruchsvolles Programm für sie zusammen, das nur ein Ziel hat: "Zum Saisonstart am 25. Januar will ich zwei sehr gute und einen jungen Nachwuchstorwart anbieten. Ich will sie fit und besser machen."

          Wie fit und wie gut vor allem Nikolov und Pröll sind, beobachtet der wichtigste Mann aus der Distanz. Cheftrainer Friedhelm Funkel hat alles im Blick, sieht genau, was Assistent Armin Reutershahn mit der Mannschaft und Menger mit den Ballfängern macht. Eine Empfehlung wird Menger Funkel nicht aussprechen. "Friedhelm hat 320 Spiele in der Bundesliga gemacht und mehr als 300 Mal als Trainer an der Seite gestanden. Dem macht keiner etwas vor. Der weiß genau, was abläuft." Gut möglich, daß sich Funkel schon entschieden hat, wer am 25. Januar, im DFB-Pokal-Viertelfinale beim TSV München 1860, zwischen den Pfosten steht. "Wenn es soweit ist, werde ich eine Entscheidung treffen", sagt er nur.

          Die haltenden Kräfte der Eintracht fühlen sich gerüstet. "Ich gehe davon aus, daß ich spiele", sagt Nikolov selbstbewußt. Er kann auf die jüngste Erfahrung von 13 Hinrundeneinsätze verweisen. Auch deshalb findet er, "daß für mich zuletzt alles optimal verlaufen ist". Was man von Markus Pröll nicht behaupten kann. Dessen im Sommer erlittener Kapselriß im Ellbogen, kombiniert mit einem Innenbandriß, hatte einen der maßgeblichen Aufstiegsgaranten jäh zurückgeworfen. Zweimal nur, zum Saisonauftakt gegen Leverkusen und eine Woche später in Berlin, stand Pröll mehr schlecht als recht im Frankfurter Tor. Schon damals spielte er mit Schmerzen. Auch jetzt, ein halbes Jahr später, verspürt er "bei maximalen Bällen einen leichten Reiz", wie er sagt. "Das behindert mich aber nicht." Keine Frage: Pröll will zurück, will wieder erste Wahl sein. Dafür absolviert er abseits des normalen Trainingsprogramms zusätzliche Krafteinheiten, die die Stabilität der Gelenke fördern sollen. Angst? "Nein, das kenne ich nicht. Ich halte mir stattdessen immer wieder vor Augen, was für einen schönen Beruf wir Fußballprofis haben."

          Ob er neidisch sei, daß Nikolov ihm vorerst den Rang ablaufen hat? "Nein, nein, Oka hat seine Chance bekommen, und er hat seine Sache ordentlich gemacht." Pröll lebt Fairplay vor, ebenso wie sein freundschaftlicher Rivale, mit dem er gemeinsam in Vale do Lobo, im Tal der Wölfe, ein Apartment teilt. "Wir hauen uns nicht auf die Nase", sagt Pröll. Die Tagesarbeit mit Menger, die Stunden gemeinschaftlichen Schaffens, empfinden beide als wertvoll. "Andi zieht sein Programm voll durch", sagt Nikolov. "Für uns ist das Gold wert." Menger hört es natürlich gerne, wenn seine Arbeit geschätzt wird, und speziell auf Pröll bezogen urteilt er, "daß er sich selbst immer wieder extrem unter Druck setzt". Pröll will es wissen, während Nikolov das Gefühl verspürt, "daß ich in der Pole Position bin". Menger sagt: "Der zweite Torwart arbeitet immer auf den Tag X hin, für Oka ist die Hinrunde wirklich super gelaufen. Er hat der Mannschaft extreme Ruhe gegeben."

          Ruhe und Ausgeglichenheit, das kennt man von Nikolov, dem Mann aus dem Odenwald, der mittlerweile in Dieburg ein Haus gebaut hat, im Schoß der Familie Geborgenheit findet und über Planungssicherheit verfügt. Sein Vertrag läuft bis 2008, "ein Rentenvertrag", sagt er scherzhaft und lächelt. Nikolov und Pröll - die Eintracht kann sich glücklich schätzen, zwei derart gute Torhüter in ihren Reihen zu haben. Fitgemacht von Spezialtrainer Menger, der sagt: "Das erwarte ich auch von meinen Torhütern. Sonst könnten wir ja einen von der Zeil holen."

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