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Eintracht Frankfurt : Nur Amerell stört die Ruhe

  • -Aktualisiert am

Wer keine Probleme hat, macht sich welche. Diese Alltagsweisheit gilt manchmal auch im Fußball. Friedhelm Funkel zum Beispiel, Trainer der Frankfurter Eintracht, ist eigentlich fast sorgenfrei.

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          Wer keine Probleme hat, macht sich welche. Diese Alltagsweisheit gilt manchmal auch im Fußball. Friedhelm Funkel zum Beispiel, Trainer der Frankfurter Eintracht, ist eigentlich fast sorgenfrei. Er und seine Mannschaft haben zwar ihr jüngstes Spiel in der der Zweiten Fußball-Bundesliga bei München 1860 nach einem umstrittenen Elfmeter 1:2 verloren - allerdings gibt es Schlimmeres als eine Niederlage bei einer Spitzenmannschaft dieser Spielklasse. In neun verbleibenden Saisonspielen werden weitere 27 Punkte vergeben, da müßten sich auch die Frankfurter nur entschlossen genug bedienen, um doch noch aufzusteigen. Auch sind alle Spieler, auf die Funkel zuletzt zurückgreifen konnte, gesund. "Alles wunderbar", sagt er, "keine weiteren Verletzten." Funkel könnte sich also ohne Ablenkung auf das nächste Punktspiel am Montag gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth einstimmen - wenn ihm nicht Manfred Amerell in die Quere gekommen wäre. Der frühere Bundesligaschiedsrichter hatte nach dem Spiel in München Trainer im allgemeinen und Funkel im besonderen kritisiert. Dieser mochte nun nicht zurückstehen. "Was Amerell sagt, nehme ich nicht ernst", sagte Funkel nur scheinbar gelassen, "das ist doch alles heiße Luft."

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Spiel aus Reaktion und Gegenreaktion ging also munter weiter. Amerell, seit jeher ein Anhänger des offenen, gelegentlich auch des vorschnellen Wortes, fand Funkel in München - wieder einmal - zu engagiert: "Der gehört zu unserer Stammkundschaft. Würde der bei seinen Spielern so reagieren wie gegenüber uns Schiedsrichtern, hätten sie ihn in Frankfurt längst rausgeschmissen." Das wollten weder die Eintracht noch Funkel auf sich sitzen lassen. Der Verein ließ per Presseerklärung mitteilen, daß er sich beim Deutschen Fußball-Bund über das seiner Meinung nach zu vorlaute Mitglied des Schiedsrichterausschusses beim DFB beschwert habe. Inhalt und Wortwahl Amerells seien "äußerst bedenklich". Daß eine solche öffentlich ausgetragene Fehde den Frankfurtern demnächst Nachteile bescheren könnte, fürchtet Funkel indes nicht. Weitere Nachteile, um genau zu sein - denn Funkel deutete an, daß Benachteiligungen für ihn zum immer wiederkehrenden Ärgernis geworden sind. "Wieviele Spiele haben wir denn in den letzten Jahren durch merkwürdige Entscheidungen von Schiedsrichtern verloren?" fragte er. Sein Schweigen danach legte nahe: einige. Das Spiel in München zählt er sicher dazu.

          Ob die Diskussion über vermeintliche Fehlleistungen auf beiden Seiten bis zum Spiel gegen Fürth, den Tabellendritten, anhalten, wird sich zeigen. So oder so könnte die Eintracht mit einem Sieg an der ersten Mannschaft vorbeiziehen, die manchem vor einigen Wochen noch als uneinholbar galt. Ob der Brasilianer Chris dabei von Anfang an mithelfen darf, läßt Funkel noch offen. Auch ihm hat der Münchner Kurzauftritt des bisweilen zu lässigen Technikers nicht in jeder Minute gefallen. Dieser habe sich "einige leichtsinnige Ballverluste" geleistet - gewissermaßen eine Spezialität des Kritisierten. Also sagt er über einen der unbestritten begabtesten Spieler der Eintracht: "Ich werde sehen, wie er arbeitet und dann entscheiden, ob er eventuell wieder eine Chance bekommt." Eine neue Chance - wer hätte sie nicht verdient.

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