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Eintracht-Neuzugang Lindstrøm : Schmale Schultern, breite Brust

Debütanten-Ball: Jesper Lindstrøm (rechts) hängt Fabio Blanco ab. Bild: Jan Huebner

Schnell, trickreich, schussstark: Mit Jesper Lindstrøm gewinnt die Eintracht an Offensivqualität. Der Däne verbessert sein Spiel auch am Computer.

          3 Min.

          Gemeinsam geht es leichter. Kurz bevor das Vormittagstraining der Eintracht zu Ende ist, setzt der Regen wieder über dem Stadtwald ein. Die Spieler, ohnehin vielfach klatschnass, weil durch das laufintensive Übungsprogramm schweißgebadet, hatten nur noch eine Sache zu erledigen, ehe sie in die Kabine abmarschieren, sich unter die Dusche stellen und dann durchatmen konnten: Der Platz musste aufgeräumt und die diversen Utensilien wetterfest verstaut werden, mit denen Chefcoach Oliver Glasner sowohl die Abschlussqualitäten schulen als auch Kondition bolzen ließ. Jesper Lindstrøm, der zuvor schon mit großen Schritten über den Rasen geflitzt war, zog dazu einen abschließenden Sprint an, um sich noch einmal für das Team nützlich zu machen.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Der Zugang, am Wochenende von Brøndby IF verpflichtet, eilte nach einer Besprechung mit Ko-Trainer Michael Angerschmid zur anderen Seite des Platzes, um den Kollegen zu helfen, ein Tor zur Seite zu tragen. Dass er sich als unkomplizierter Profi versteht, wurde später deutlich, als der 21-Jährige offiziell von den Frankfurtern als bislang sechster Zugang öffentlich vorgestellt wurde. Er dankte zunächst den künftigen Kollegen für den „guten Empfang“, den sie ihm bereitet hätten, und lobte sie als Truppe „guter Spieler“, mit denen er sich viel vorgenommen habe.

          Lindstrøm sagte, dass der erste Kontakt mit der Eintracht Anfang Juni über seinen Berater zustande gekommen sei, als Markus Krösche bei den Frankfurtern seinen Dienst als Sportvorstand angetreten hatte: „Dann ging es sehr schnell.“ Nach einer guten Saison für seinen Heimatverein, bei dem er mit zehn Treffern und elf Vorlagen maßgeblich zum Gewinn des Meistertitels beitrug, stand der U21-Nationalspieler in seiner jungen Karriere erstmals international im Fokus. Es hätten einige „gute Angebote“ vorgelegen, sagte Lindstrøm, der sich auf der Pressekonferenz noch von einem Dolmetscher unterstützen ließ, aber ankündigte, die in der Grundschule erworbenen Deutschkenntnisse rasch auffrischen zu wollen, um sich in Frankfurt bestmöglich verständigen zu können.

          Gratulation von Kasper Hjulmand

          Die „guten Strukturen“, so schildert es Lindstrøm, hätten bei seiner Wahl des Wunsch-Arbeitsplatzes den Ausschlag für die Eintracht gegeben: „Hier entsteht ein junges Team, es gibt einen Trainer und einen neuen Manager. Bei diesem Projekt möchte ich gerne dabei sein.“ Intern wird er fürs Erste insbesondere mit Amin Younes und Daichi Kamada, der mit einem Weggang liebäugeln soll, um Einsatzzeiten wetteifern. Lindstrøms bevorzugtes Terrain auf dem Feld ist der Offensivbereich, entweder zentral hinter den Spitzen, aber auch als Angriffsinitiator auf den Flügeln. Er ist beidfüßig geschickt, verfügt über einen strammen Schuss, wie er am Dienstag zeigte, und bringt Technik sowie Geschwindigkeit mit, um Verteidiger zu narren.

          Er selbst bezeichnete sich als Fan der Bundesliga, deren Entwicklung er aus der Distanz zuletzt mit Interesse verfolgte, „es gefällt mir, wie schnell hier von Abwehr auf Angriff umgeschaltet wird, das ist auch mein Spiel“. Lindstrøm geht gerne aus den Zwischenräumen heraus ins Dribbling, ist wendig und sucht den kürzesten Weg in den Strafraum, „die Box“, wie er es nannte. Wenn er von den Nebenleuten „mit dem Ball gefüttert“ werde und die Defensive ihm den Rücken freihalte, könne er seine Stärken am besten einbringen, sagte Lindstrøm im Brustton der Überzeugung. Auch vom dänischen Nationaltrainer sei ihm zu seinem „nächsten Schritt“ gratuliert worden.

          Kasper Hjulmand, vor sieben Jahren (ohne Erfolg) in Mainz tätig, habe ihm signalisiert, dass sich der Wechsel nach Frankfurt vorteilhaft auf seine Nationalmannschaftslaufbahn auswirken werde. Lindstrøm, der erzählte, dass er in seiner Freizeit auch gerne am Computer Fußballsimulationen „zockt“, was den angenehmen Nebeneffekt habe, dass er dabei etwas über das nahezu realistisch imitierte Verhalten der anderen Spieler lerne, zeigte sich gut informiert über das, was ihn in Frankfurt erwartet.

          Die Fans der Eintracht seien „die besten in Deutschland“, sagte er, woraufhin ihm in den Online-Foren des Klubs sofort viel Zustimmung entgegengebracht wurde. Noch schläft er im Hotel, aber die Wohnungssuche ist schon ausgemacht, und dann kann er es kaum erwarten, dass mich der „Trainer aufstellt, und ich mich in den Vordergund spielen kann“. Mit Brøndby absolvierte er bereits drei Wochen Vorbereitung, deswegen fühle er sich „richtig fit“. Sein Vertrag in Frankfurt ist auf fünf Jahre ausgelegt, und perspektivisch will er die nächste Aufgabe angehen, denn er soll an „Gewicht zulegen“, wie Lindstrøm aus den ersten Unterredungen mit Glasner berichtete.

          Der Blondschopf mit den schmalen Schultern, der (noch) nur 67 Kilo wiegt, präzisierte im gleichen Atemzug: „Ich möchte mehr Muskelmasse haben, um mir die Gegner besser vom Leib zu halten.“ An diesem Samstag, im Test gegen den SV Sandhausen (16.00 Uhr), bekommt er erstmals die Gelegenheit, unter Wettkampfbedingungen zu zeigen, was er kann.

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