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Eintracht-Trainer Hütter : Immer „druff“ fürs große Ziel

  • -Aktualisiert am

Hütter hält der Eintracht die Stange: Nach seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung gibt der Trainer die Rückkehr in den Europacup als „sehr großes Ziel“ aus. Bild: Imago

Neben einem Lieblingswort hat Frankfurts Trainer Adi Hütter auch schon eine Wunschüberschrift für die Saison. Die Eintracht-Fans werden es gerne hören.

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          Neue Saison, alles neu? Nicht bei der Frankfurter Eintracht. Der hessische Traditionsklub wird die Spielzeit an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld mit einer bestens eingespielten Mannschaft beginnen. Kevin Trapp im Tor, David Abraham, Makoto Hasebe und Martin Hinteregger in der Dreierkette – Danny da Costa, Dominik Kohr, Sebastian Rode und Filip Kostic im Mittelfeld, Daichi Kamada hinter den Spitzen und Bas Dost sowie André Silva in der vordersten Linie bilden eine Elf, auf die Trainer Adi Hütter schon in der vergangenen Saison gerne zurückgegriffen hat. Jeder Einzelne dieser Profis gehörte zu den Stammspielern oder zu den ersten Alternativen für einen Startelfeinsatz, jeder Einzelne bestritt mindestens 30 Saisonspiele.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Auch die taktische Ausrichtung bleibt gleich: mit einer Dreier-Abwehrkette, zwei Stürmern, Kamada als Freigeist dahinter und Kostic als Trumpf auf links. Das System wird nicht revolutioniert, aber es soll eine Evolution stattfinden. „Das Problem in der vergangene Saison war nicht der Angriff, wie viele nach dem Abgang von Haller, Jovic und Rebic erwartet haben, sondern die Abwehr. Wir haben in der Bundesliga nur ein Tor weniger geschossen als in der Spielzeit zuvor, aber viel zu viele Gegentore bekommen, wir wollen ein anderes Bild abgeben“, sagt der 50 Jahre alte Österreicher vor seiner dritten Saison in Frankfurt.

          Um diese Malaise abzustellen, ließ er in der Vorbereitung akribisch üben: Raumaufteilung, die Abstände zwischen den Spielern, das Verhalten nach Ballverlust. In der Offensive wünscht sich Hütter wieder eine Rückkehr zu der Spielweise in seinem ersten Vertragsjahr – zumindest gegen den Ball: ein ausgeprägteres, dynamischeres Pressing. Aber der Trainer weiß genau, dass André Silva und Bas Dost andere Spielertypen sind als Rebic, Haller und Jovic: „Was mir gefällt, ist, dass André und Bas es dennoch wollen und versuchen, so schnell wie möglich zu pressen“, sagt Hütter. In der Primärtugend eines Stürmers, dem Toreschießen, erfüllen Silva und Dost ohnehin die Erwartungen, seit sie in athletischer Bestform aus der Corona-Pause herausgekommen sind. Der Portugiese wurde im Saison-Endspurt zum zweitbesten Bundesligatorjäger nach Lewandowski, Dost sammelte in den letzten sieben Begegnungen fünf Scorerpunkte (drei Treffer, zwei Vorlagen). Und bei der Saisonpremiere im Pokal gegen 1860 München trafen die beiden schon wieder und legten sich zudem gegenseitig die Tore auf.

          So kam die Sportliche Leitung der Eintracht zum Schluss, dass sie es sich leisten konnte, den dritten Stürmer, Gonçalo Paciência, abzugeben, als Schalke 04 ihm ein Angebot machte. „Gonçalo, Bas und André sind schon ähnliche Stürmertypen“, sagte Hütter am Freitag – ein weiteres Argument, den Portugiesen ziehen zu lassen. Zumal mit dem jungen und schnellen Ragnar Ache ein weiteres Element für den Angriff verpflichtet wurde. „Wir glauben, dass wir momentan mit drei Stürmern durchkommen“, erklärte der Eintracht-Trainer, räumte aber ein, dass diese Einschätzung sich bis zum Ende der Transferperiode am 5. Oktober wieder ändern könnte: „Vielleicht werden wir bis zur ersten Länderspielpause schon sehen, ob wir noch jemanden brauchen.“ Dost erwies sich in der Vergangenheit als ziemlich verletzungsanfällig.

          Nachbesserungsbedarf in der Verteidigung

          Auch auf der Position des Linksverteidigers könnte eine Nachbesserung nötig werden. Nach der schweren Verletzung von Evan Ndicka besteht ein Mangel an Substanz. Vor allem, wenn Hütter einen klassischen Außenverteidiger für die Viererkette benötigt. Hütter sieht da zwar keine Vakanz, nennt Erik Durm, Timothy Chandler, Simon Falette und sogar den jungen Tuta als Kandidaten für den Verteidigungsdienst auf der linken Seite. Aber in der vergangenen Saison mochte er keinen von ihnen mit der Aufgabe betrauen. Es wäre sogar gerne gesehen, wenn Falette und Durm wie Paciência einen neuen Verein finden würden. Dass der Kader bereits verschlankt wurde, gefällt Hütter: „Wir haben ja auch bedeutend weniger Spiele.“ Durch das Wegfallen der Europa-League-Einsätze erwartet der Trainer, dass „wir physisch noch besser sind“.

          Hütter ist nicht der Trainer für Kampfansagen, aber immerhin formuliert der Vorarlberger eine Wunschüberschrift nach dem letzten Spieltag: „Eintracht wieder international.“ Er verspricht nichts, weil die Konkurrenz sehr groß ist, aber er hält das „sehr große Ziel“ für erreichbar. Dazu ist ein Heimsieg zum Start gegen Arminia Bielefeld einkalkuliert. „Es ist aber keine gemähte Wiese, wie wir in Österreich sagen“, so Hütter. Die Bielefelder hätten ihn beeindruckt, vor allem der kantige Mittelstürmer Klos. Aber wer einen Aufsteiger zu Hause nicht besiegt, der kann nicht erwarten, ein sehr großes Ziel zu erreichen. Deshalb gibt Hütter seiner Mannschaft ein Wort vor, das ihm sehr gut gefällt: „Druff – das finde ich cool, weil es in Frankfurt und in Vorarlberg die gleiche Bedeutung hat.“

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