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Eintracht Frankfurt : Harmonie statt Stammplatzgarantie

In vorderster Linie: Eintracht-Torhüter Nikolov. Bild: AP

Oka Nikolov, der Torhüter der Frankfurter Eintracht, muß kämpfen. Im Duell um einen Stammplatz beim Fußball-Bundesligaklub ist vor allem Marcus Pröll sein Konkurrent.

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          Das Bayern-Spiel ist Geschichte. Mit einer gewissen Genugtuung hat die Frankfurter Eintracht das 1:1 gegen den Rekordmeister im Wortsinne auf der Haben-Seite abgebucht. Ordentlich gespielt, Punkt gewonnen, letzten Tabellenplatz verlassen, neue Hoffnung gewonnen: Für Trainer Willi Reimann ist der Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga gut verlaufen. Er hatte in der Vorbereitung auf die Partie gegen die nur scheinbar übermächtigen Bayern alles richtig gemacht. Und mit Oka Nikolov hatte er zugleich auf einen Rückhalt gesetzt, der ihn nicht im Stich gelassen hat. "Oka hat die Bälle gehalten, die er halten mußte. Der Rest war soweit in Ordnung", sagte Reimann am Montag diplomatisch.

          Wenn alles nach Plan gegangen wäre, hätte Markus Pröll am Samstag zwischen den Pfosten gestanden. Doch bekanntlich machte eine Muskelverletzung ein aktives Mitwirken gegen die Bayern nicht möglich. Vor einem guten halben Jahr, als sich der Aufsteiger aus Frankfurt anschickte, das erste Bundesligaspiel bei den Bayern 1:3 zu verlieren, stand gleichfalls Nikolov im Tor. "Wer das erste Spiel macht, hat einen gewissen Vorteil", so damals Reimanns Einschätzung über den wichtigen Posten zwischen den Pfosten. Nun, ein halbes Jahr später, sagt er: "Ich schaue mir die Form der Spieler an. Wer Leistung bringt, spielt. Wer nicht, guckt zu."

          Markus Pröll ist wirklich zu bedauern. Nur zwei Tage nach dem in Frankfurt zum Spiel der Spiele gemachten Duell der Eintracht gegen die Bayern präsentierte sich der 24 Jahre alte Torhüter in ausgezeichneter Verfassung. Wäre am Montag Anpfiff gegen die Bayern gewesen, Pröll wäre von Beginn an als erster Torwart der Eintracht aufgelaufen. Reimann schickte ihn am windigen Nachmittag, als sich keine fünfzehn Zaungäste auf dem Areal des Waldstadions verloren, ins Tor. Zimmernachbar und Stammkeeper Nikolov mischte munter mit den Kameraden auf dem Spielfeld mit. Und Pröll zeigte, was in ihm steckt. Mutig warf er sich Bällen entgegen, flog etliche Male spektakulär durch den Fünfmeterraum - und machte dabei eine ordentliche Figur. Seiner noch am Samstag gemachten Ankündigung, auch zukünftig im Training hart zu arbeiten und weiter um eine Einsatzchance zu kämpfen, ließ der ehemalige Kölner also Taten folgen. Und selbst als der Rest der Mannschaft nach vollbrachtem Tagwerk wegen der einbrechenden Dunkelheit zurück in die Kabine trottete, hielt Pröll seine Stellung. Gemeinsam mit Andreas Menger, dem dritten Torwart der Frankfurter Eintracht, legte Pröll eine Zusatzschicht ein. Reimann hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon den Trainingsplatz verlassen.

          Die Eintracht und ihre Torhüter. Das ist eine spannende Geschichte, mehr noch. Trainer Willi Reimann hat am Montag im Gespräch sogar die Meinung vertreten, "daß das für die Medien ein schöner Fortsetzungsroman ist". Der Zweikampf zwischen Nikolov und Pröll, der eine Halbserie lang keiner gewesen ist, erhält jetzt neue Dynamik. Nicht, weil Nikolov in den vergangenen Bundesligaspielen schlecht gehalten hätte. Sondern einfach deshalb, weil sich Ersatzmann Pröll durch harte Trainingsarbeit und gute Leistungen aufgedrängt hat. Für Reimann, dem das letzte Wort über Nominierung und Nichtnominierung obliegt, ist das ideal. Er hat die Qual der Wahl und will sich bei seinen zukünftigen Entscheidungen einzig von objektiven Leistungskriterien leiten lassen. "Hält Oka gut, muß er in der nächsten Woche wieder spielen", so der Eintracht-Coach. "Spielt er schlecht, kommt er raus." Ein Prinzip, das Reimann im übrigen auf die gesamte Gruppe anwendet. "Bei mir gibt es keine Garantien. Die anderen, die draußen sitzen, wollen doch auch mal spielen. Ich muß nach Leistung gehen."

          Keine Stammplatzgarantie also für Oka Nikolov. Reimann vertraut ganz dem Leistungsprinzip - und er ist auch bereit, auf Wünsche seiner Profis einzugehen. So hatten die beiden um die Stammposition kämpfenden Torhüter Nikolov und Pröll vor dem Bayern-Spiel darum gebeten, vom dritten Mann Andreas Menger warmgemacht zu werden. Ein Modell für die Zukunft? "Mal sehen, wie das in Zukunft weiterläuft", sagte Reimann, der es gut findet, wenn sich das Torhüter-Trio als harmonische Einheit präsentiert. "Wenn der Andi die anderen warm macht, und wir verlieren nicht, dann machen wir das immer wieder." Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Samstag in der Leverkusener BayArena. Mit Nikolov oder doch mit Pröll als erstem Mann? Nur Reimann wird es wissen. "Die Entscheidung fällt wie immer erst kurz vorher."

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