https://www.faz.net/-gtl-ry08

Eintracht Frankfurt : Funkel bringt Reinhard wieder ins Spiel

  • -Aktualisiert am

Abwehrspieler Christopher Reinhard gilt als eines der größten Talente bei Eintracht Frankfurt. Zuletzt hatte er den Anschluß verpaßt, jetzt aber meldet er sich zurück.

          2 Min.

          Mit Christoph Spycher, Andree Wiedener, Christopher Reinhard und Mounir Chaftar stehen bei der Frankfurter Eintracht vier Spieler unter Vertrag, deren Spezialdisziplin das Verteidigen auf der linken Seite der Abwehrkette ist. Eine unter normalen Umständen ausreichende Besetzung. Und doch plagen die Frankfurter seit dem Rückrundenstart ernsthafte Probleme. Mit Spycher, Chaftar und Wiedener fallen drei Spieler langfristig aus - und mit Reinhard fehlen dem vierten nach einer gerade überwundenen langen Verletzungspause Spielpraxis und jede Bundesligaerfahrung.

          Chaftar, "U 18"-Nationalspieler und womöglich größter Hoffnungsträger, zog sich beim Hallenturnier in Köln Anfang des Jahres einen Kreuzbandriß im Knie zu. Er wird erst in der kommenden Saison wieder spielen können. Der 35 Jahre alte Routinier Wiedener kann seit Jahresbeginn nicht trainieren und schon gar nicht spielen, weil eine Schambeinentzündung zu starke Schmerzen verursacht. Wiedener, dessen Vertrag zum Ende der Saison ausläuft, rechnet mit dem Karriereende, nachdem alle konservativen Behandlungsmethoden bisher nicht zum Erfolg geführt haben. Bei einem jungen Spieler würde er zu einer Operation raten, sagt Mannschaftsarzt Dr. Christoph Seeger. "Aber da Andree am Ende der Saison aufhört, bringt ihn und uns das nicht weiter." In Leverkusen nun mußte der Schweizer Nationalspieler Spycher nach einem Foul von Paul Freier vom Platz direkt ins Krankenhaus gebracht werden. Diagnose: Bänderriß und Bänderanriß. Für eine Woche muß er Gips tragen, danach wird mit einer konservativen Behandlung begonnen. Eine Operation ist nicht vorgesehen. Spycher wird nun zwischen vier und sechs Wochen ausfallen.

          Unter dem Eindruck dieser Verletzung hatte die sportliche Führung der Eintracht einen kurzfristigen Transfer erwogen. Kandidaten für die linke Seite gibt es genug. Über den Leverkusener Jacek Krzynowek wurde noch in Leverkusen mit Bayer-Sportdirektor Rudi Völler gesprochen. Auch der Lauterer Stefan Blank, der Kölner Dimitrios Grammozis und der Stuttgarter Heiko Gerber wären mögliche Vertreter für Spycher. Am Ende aber sagte Trainer Friedhelm Funkel: "Es wird keinen Transfer geben. Wir behelfen uns aus dem eigenen Kader." Er sehe "einige Möglichkeiten" die Lücke zu füllen.

          Personell wie taktisch könnte die Eintracht auch ohne Zukauf angemessen reagieren. Funkel nennt an erster Stelle den 20 Jahre alten Christopher Reinhard. In der vergangenen Saison in der zweiten Liga hatte der junge Mann in der Vorrunde für viel Furore gesorgt. Er hatte sich einen Stammplatz erkämpft und war bis in die "U 20"-Nationalmannschaft vorgestoßen. Doch 2005 wurde Reinhard zweimal von Verletzungen weit zurückgeworfen. Zum Aufstieg konnte er nicht mehr viel beitragen. In der Bundesliga wurde er in dieser Spielzeit nach einer Leistenoperation im Sommer noch nicht eingesetzt. Es wäre falsch, Reinhard einen weiteren Spieler "vor die Nase zu setzen", sagt Funkel. "Wenn wir Christopher jetzt nicht das Vertrauen schenken, wann dann?"

          Der linke Verteidiger Reinhard sei aber nicht die einzige Option. Mit Patrick Ochs, eigentlich auf der rechten Seite beheimatet, und Angreifer Benjamin Köhler würden sich weitere Möglichkeiten bieten. Und schließlich, so Funkel, könne er ja auch taktisch reagieren und mit einer Dreierkette spielen lassen. Zuletzt hatte dies in München beim Pokal-Erfolg gegen den TSV 1860 funktioniert. Dort hatte Spycher wegen einer Sperre gefehlt. Dessen Ausfall sei zwar "bitter", werde die Mannschaft aber nicht umwerfen. "Wir sind stabil und gefestigt", sagt der Funkel.

          Diesen Eindruck haben wohl auch die vielen Anhänger der Eintracht, die sich in großer Vorfreude um Eintrittskarten für das Pokal-Halbfinale gegen Arminia Bielefeld am 11. oder 12. April bemühen. Die Geschäftsstelle der Eintracht wies gestern vorsorglich darauf hin, daß aktuell noch keine Karten zu bestellen seien. Der Vorverkauf werde erst am 13. Februar beginnen. Daß die ganz optimistischen sogar schon Karten fürs Finale ordern wollen, paßt ins Bild der augenblicklichen Begeisterung. Funkel versucht derweil, den Pokal in den Hintergrund zu drängen. Er sieht "wichtige Wochen" in der Bundesliga, beginnend mit dem Heimspiel am Samstag gegen Hertha BSC Berlin, auf seine Mannschaft zukommen. Dann wird sich auch zeigen, ob die Eintracht mit ihren Problemen auf der linken Seite fertig geworden ist.

          Weitere Themen

          Signal in beide Richtungen

          Eintracht Frankfurt : Signal in beide Richtungen

          Frankfurt und Freiburg liefern sich ein verrücktes, seltsames, skurriles Fußballspiel. Das 3:3 kann für die Eintracht Zeichen zum Aufbruch oder Anfang vom Ende sein. Wie geht es nun weiter?

          Topmeldungen

          Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts in Dresden auf ihren Plätzen.

          Im neuen Schuljahr : Welcher Lernstoff ist verzichtbar?

          Auch nach den Sommerferien wird der Unterricht anders sein als gewohnt. Drei Szenarien sind denkbar. Die Friedrich Ebert Stiftung schlägt nun vor, Prüfungs- und Lehrinhalte zu reduzieren. Streit ist programmiert.
          Streit mit der Bild-Zeitung: Virologe Christian Drosten

          „Bild“ gegen Drosten : Wahrheit im Corona-Style

          Die Kampagne gegen den Virologen Drosten ist sachlich unbegründet, niveaulos und niederträchtig. Sie richtet sich gegen die Wissenschaft. Und damit ist weder der Gesellschaft noch der Politik gedient.
          Lachen für die Kameras: Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Chef Herbert Diess (rechts) im Oktober 2019 in Wolfsburg

          Osterloh gegen Diess : Das System VW schlägt zurück

          Betriebsratschef Bernd Osterloh wagt den Machtkampf mit VW-Chef Herbert Diess. Hauptkritikpunkte: Sein Führungsstil und die vielen technischen Pannen im Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.