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Eintracht-Kommentar : Angeschlagen, nicht geschlagen

  • -Aktualisiert am

Richtungsweisend: Trainer Hütter und seine Fingerzeige Bild: dpa

Auf der Schluss-Etappe in der Fußball-Bundesliga kommt es mehr denn je auf Mentalität und Willensstärke an. Die Frankfurter Eintracht hat beides.

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          Die Luft wird dünner. Auf den letzten Metern einer Saison, in der sie es weiter gebracht hat, als sie es je für möglich hielt, gerät der Höhenflug der Eintracht ins Stocken. Das torlose Remis gegen Berlin verfestigte den Eindruck, dass dem Team, das sich schon so oft an sich selbst berauschte und dadurch große Hürden übersprang, eine Pause guttäte, um Kraft zu tanken. Bis zum nächsten wichtigen Duell bleiben aber wieder nur vier Tage.

          Die Energiereserven sind bei vielen Profis nach der Vielzahl der intensiv geführten Partien spürbar geschrumpft. Es hat nicht viel gefehlt und es hätte die zweite Heimniederlage in Serie gegeben. Der Reaktionsschnelligkeit Kevin Trapps war es zu verdanken, dass beim Schlusspfiff ein Punkt zu Buche stand. Der kann in drei Wochen, wenn nach dem Wiedersehen mit Niko Kovac abgerechnet wird, Gold wert sein mit Blick auf die Startplätze für das kommende internationale Geschäft.

          Konkurrenten nicht unfehlbar

          Durch den Einzug der Bayern und der Leipziger ins Pokalfinale genügt der siebte Rang, um in der Europa League dabei zu sein. Selbst eine Teilnahme an der Königsklasse ist für die Eintracht nach wie vor möglich. Zumal auch die Konkurrenten – siehe Gladbach und Hoffenheim – nicht unfehlbar sind. Um so weit zu kommen, wird der Tabellenvierte in den verbleibenden Bundesligavorstellungen in Leverkusen, daheim gegen Mainz und beim Rekordmeister sowie im Duell mit Chelsea eine andere Leistung zeigen müssen als gegen die biederen Berliner. Die Frankfurter Stärke, die bis heute wettbewerbsübergreifend 24 Siege möglich machte, resultierte aus dem Aufwand, den jeder Einzelne in seinem Bereich betrieb und so im Spiel mit und ohne Ball dazu beitrug, dass sich das Kollektiv Vorteile erarbeiten konnte.

          Nichts von dem, was Hütters Auswahl eigentlich auszeichnet, war sie am Samstag zu zeigen imstande. In der Mängelleiste standen das fehlende aggressive Anlaufen der Verteidiger genauso wie technische Fehler bei der Ballannahme im Mittelfeld und eine permanente Unkonzentriertheit in der Abwehr – allesamt Indizien, dass die Erschöpfung groß ist.

          Verlernt, davon ist auszugehen, hat die Mannschaft in der Kürze der Zeit ihr Handwerk nicht. Ihr fehlt es an Frische, physisch wie psychisch, um das vorhandene Potential ausschöpfen zu können. Der Zustand des Teams ist kritisch. Deswegen die Erfolgschancen nun kleinzureden, wäre eine voreilige Schlussfolgerung, die angesichts der bislang gezeigten Leistung in dieser Spielzeit dem Team nicht gerecht wird. Vor allem eins haben die Frankfurter oft genug bewiesen: dass sie unter Druck zu Außergewöhnlichem fähig ist. Auf der Schluss-Etappe kommt es mehr denn je auf Mentalität und Willensstärke an. Dafür kann die Eintracht immer noch einiges in die Waagschale werfen.

          Auf der Schluss-Etappe kommt es mehr denn je auf Mentalität und Willensstärke an. Die Eintracht hat beides.
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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