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Eintracht Frankfurt : Die neue Eintracht macht Funkel zum Verteidiger

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Was denn nun? Interessieren sich die sportlich Beteiligten bei Eintracht Frankfurt dafür, was die scheinbar entwischte Konkurrenz in der Zweiten Fußball-Bundesliga so treibt, oder nicht? "Nein, kein bißchen", versichert Trainer Friedhelm Funkel.

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          Was denn nun? Interessieren sich die sportlich Beteiligten bei Eintracht Frankfurt dafür, was die scheinbar entwischte Konkurrenz in der Zweiten Fußball-Bundesliga so treibt, oder nicht? "Nein, kein bißchen", versichert Trainer Friedhelm Funkel. Daran ändere auch der 1:0-Erfolg des Tabellenfünften am Montag abend gegen Alemannia Aachen nichts. Nicht jeder teilt diese demonstrative Gleichgültigkeit gegenüber den vorauseilenden Klassenbesten Duisburg, Köln und Fürth. Arie van Lent, Torschütze gegen die Aachener in der 23. Minute, hat sehr wohl und sehr interessiert hingeschaut: 4:2 gegen Dresden, 5:3 in Cottbus, 4:2 in Ahlen - das treffsichere Führungstrio habe einen Tag vor der ersten Rückrunden-Partie der Eintracht "die Sterne vom Himmel" gespielt, so van Lent durchaus beeindruckt.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Über die Frankfurter läßt sich das nicht sagen. Ihr Erfolg war alles mögliche: nützlich, mutmachend, aufschlußreich - aber sternenglänzend ganz sicher nicht. Sei's drum, der Bundesliga-Absteiger bleibt bei unverändert acht Punkten Rückstand auf den ersten Aufstiegsplatz in Lauerstellung. Weil aber Punkte allein im Fußball nicht glücklich machen, hatte Funkel nach dem Aachen-Spiel plötzlich unfreiwillig eine Attraktivitätsdebatte am Hals. Die Frage, ob das die neue Eintracht sei, defensiver, vorsichtiger, weniger ansehnlich, weckte in ihm den Verteidiger. In der Vorrunde habe seine Mannschaft viele Tore erzielt, aber auch viele hinnehmen müssen. Wohin das geführt habe, nämlich an den Rand des Niemandslandes der Tabelle, wisse jeder. Also sagte er nach dem 1:0 trotzig: "Defensiv waren wir sehr gut." Was, unausgesprochen, bedeutete: offensiv ganz und gar nicht. Dieser Teilerfolg galt aber auch der Mannschaft vorerst als ausreichend. Kapitän Alexander Schur fand stellvertretend bemerkenswert, daß die nun seit sieben Spieltagen unbesiegte Eintracht "endlich einmal 90 Minuten lang konzentriert gespielt" habe. "Unsere neue Spielweise ist durchgeschlagen", sagte er. "Das ist nicht mehr der Hurra-Stil der Vorrunde." Ein Umstand, der natürlich vor allem den verteidigenden Eintracht-Profis gefällt. Endlich habe jeder verstanden, daß gute Abwehrarbeit vor allem kommt, sagte Torben Hoffmann, neben dem Aleksandar Vasoski bei seinem ersten Pflichtspiel ein solides Debüt als Innenverteidiger gab.

          Tatsächlich hatten die Frankfurter gegen die mit Abstand treffsicherste Mannschaft der zweiten Liga kaum Chancen zugelassen. "Das verdient Anerkennung und Respekt", sagte Funkel. Die Meijers, Michalkes und Pintos mühten sich redlich, aber vergeblich gegen den vielbeinigen Frankfurter Verteidigungswall. Das fand natürlich auch Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Eintracht, verdienstvoll. Bedenkenträger blieb er trotzdem: "Wir haben vor der Winterpause schon besser kombiniert." Ihm waren schlechte Standardsituationen und, speziell im schwachen zweiten Durchgang, fehlende Offensivbereitschaft aufgefallen. Bruchhagen mag einen Zusammenhang hergestellt haben zwischen Spielweise und Zuschaueraufkommen. Viel mehr als jene 19000, die gegen Aachen ins Waldstadion kamen, wird der Frankfurter Zweckfußball kaum anlocken können. "Der Zweck heiligt die Mittel", rang sich Bruchhagen dennoch ab. Die Eintracht habe am ersten Spieltag dieser Saison in Aachen zwar "wesentlich besser gespielt", kurz vor Schluß aber noch den Ausgleich hinnehmen müssen. Dann schon lieber so, zumindest diesmal: unschön, aber unbezwungen. Wobei Funkel, anders als Alexander Schur, keinen neuen Spielstil hoffähig machen will. "Das ist nicht der Weg, der uns zum Ziel führen soll", sagte er über den Auftritt gegen Aachen. Also: Offensiver soll's sein - nur nicht mehr ganz so naiv-offensiv wie in der Hinrunde.

          Natürlich will auch Funkel, daß seine Mannschaft alsbald wieder mehr Tore erzielt. Er wird sich in den nächsten Tagen überlegen müssen, ob Jermaine Jones dabei helfen kann. Das frühere Frankfurter Talent, das seit seinem Wechsel Anfang 2004 bei Bayer Leverkusen kein Bein auf die Erde bekommen hat, darf ablösefrei wechseln. Bruchhagen gibt allerdings zu bedenken, daß Jones in Leverkusen "das Viereinhalbfache unseres bestbezahlten Spielers" verdient habe. Mithin sei er bei unveränderter Anspruchshaltung nicht finanzier- und schon gar nicht vermittelbar. Kommt hinzu, daß es Jones, einst als Perspektivspieler für die WM 2006 viel zu hoch gejubelt, in dieser Saison in Leverkusen gerade mal auf sechs Kurzeinsätze gebracht hat - torlose zumal. Die Frankfurter werden über Nutzen und Risiken eines Wechsels schnell entscheiden müssen: Nach dem 31. Januar sind keine Transfers für diese Saison mehr erlaubt.

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