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Eintracht Frankfurt : Der höfliche Cha wird langsam ungeduldig

Cha zeigt Einsatz, wie hier gegen Nikl vom FCN - aber er ist kein Stammspieler Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Diese zwei Worte hört Friedhelm Funkel gern. „Hart arbeiten.“ In den Mund genommen hat sie Du-Ri Cha, einer der Spieler, die dem Trainer der Frankfurter Eintracht besonders am Herzen liegen. Doch Cha hat ein Problem.

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          Diese zwei Worte hört Friedhelm Funkel gern. „Hart arbeiten.“ In den Mund genommen hat sie Du-Ri Cha, einer der Spieler, die dem Trainer der Frankfurter Eintracht besonders am Herzen liegen. Doch Cha, höflich, nett, zuvorkommend, hat ein Problem. Er ist kein Stammspieler. Er hat es immer noch nicht geschafft, im Aufsteigerteam den Sprung unter die ersten Elf vollzogen zu haben. Das wurmt ihn, das ärgert ihn, und langsam aber sicher wird auch der Koreaner ungeduldig. Nicht nur er weiß: In drei Monaten beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Mit Korea. Und nichts liegt dem in Frankfurt geborenen Cha näher, als bei seiner zweiten Heim-WM binnen vier Jahren abermals als Stammkraft für die Südkoreaner am Ball zu sein. Doch Cha sieht seine Chancen schwinden. Er weiß nicht, welche Rolle er in den Planungen von Nationaltrainer Dick Advocaat spielt. Er weiß aber auch: „In meinem Klub muß ich Stammspieler sein.“

          Hin- und hergerissen zwischen dem Bundesliga-Alltag und der nahenden Fußball-Weltmeisterschaft wünscht sich der 25 Jahre alte Stürmer Du-Ri Cha vor allem eines: möglichst viele und lange Einsatzzeiten im Team der Eintracht. Deshalb bleibt er in diesen Tagen auch länger als die Mitspieler auf dem tiefmorastigen Trainingsplatz, um beispielsweise Flanken auf den lauernden Alexander Meier zu schlagen. Wohldosierte Extraschichten, die Cha natürlich nicht überstrapazieren und für einen Nationalspieler eine Selbstverständlichkeit sind, aber auch zeigen, daß man als privilegierter Fußballprofi nur vorwärts kommt, wenn man etwas investiert und - eben - „hart an sich arbeitet“.

          „Ich weiß nicht, ob ich spiele“

          Trotzdem: Über allen Bemühungen schwebt die Ungewißheit, die an Chas Selbstvertrauen nagt. „Ich weiß nicht, ob ich spiele“, sagt er wenige Tage vor der Partie der Eintracht beim FC Schalke 04. Wo bleibt das Selbstbewußtsein, wo die Gewißheit, jetzt erst recht in die Stammformation zu rutschen, zumal mit Ioannis Amanatidis ein Angreifer wegen der fünften Gelben Karte zum Zuschauen verdammt ist? Was Cha nicht weiß - oder vielleicht noch nicht wahrhaben will: Im Gespräch mit den Journalisten offenbart Trainer Funkel schon am Donnerstag, „daß Cha am Sonntag spielt“. Funkel weiter: „Cha ist immer ein Thema für die Anfangsformation. Und er muß auch spielen, keine Frage. Aber er muß auch etwas dafür tun.“ Zum Beispiel weiter hart an sich arbeiten und spielend den Nachweis erbringen, daß er eine erste Alternative für die aktuell gesetzten Stürmer Amanatidis und Francisco Copado ist. Was Cha sicherlich auch gerne lesen dürfte: „Er wird noch öfter von mir die Gelegenheit zum Spielen bekommen“, so Funkel.

          Unmittelbar nach Saisonschluß, so die bisherigen Planungen, dürfte es Cha zurück in die Heimat zur letzten WM-Vorbereitung ziehen. „Wir werden viel Zeit vor Turnierbeginn haben. Das ist auch wichtig, damit wir genügend taktische Varianten einstudieren können.“ An die Möglichkeit eines frühen Scheiterns mag Cha nicht denken. „Dann wird die Presse zu Hause über uns herfallen. Die Medien bei uns sind sehr extrem. Sie jubeln dich hoch, lassen dich aber auch schnell wieder fallen. Da geht es in Deutschland, und speziell hier in Frankfurt, doch objektiver und mit mehr Fingerspitzengefühl zu.“

          Leistung im Team statt Fanclub-Gründung

          Drei Monate noch. Die Anspannung, es sowohl bei der Eintracht als auch in der Nationalmannschaft zum Stammspieler zu bringen, lastet auf ihm. Cha ist unsicher in diesen Tagen, und er verspürt auch keine Lust, an diesem Freitag nachmittag in den Business Club der Commerzbank-Arena zu kommen. Dort findet die Gründung des Fanklubs der koreanischen Nationalmannschaft statt, und selbstverständlich haben sie Cha dazu eingeladen. Doch der Eintracht-Profi hat abgewunken. Er will erst Leistung im Vereinsteam zeigen. Am Sonntag, in der Veltins-Arena auf Schalke, kann er es tun. Es wäre gut für ihn, aber auch für die Eintracht.

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