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Eintracht Frankfurt : Bruchhagens zweiter Anlauf

  • -Aktualisiert am

Der Vorhang zu - und alle Fragen offen. Doch die Kür des Sportmanagers naht. Heribert Bruchhagen will sich bis zum Wochenende entscheiden, ob er das Angebot der Eintracht annimmt und Vorstandsvorsitzender wird.

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          Der Vorhang zu - und alle Fragen offen. Als am Dienstag abend die Mitglieder des Aufsichtsrates der Eintracht Frankfurt Fußball AG den Tagungsraum im Frankfurter Airport Center verließen, taten sie dies ohne konkretes Ergebnis. Ein Manager war immer noch nicht gefunden. Aber die Kür rückt näher.

          "Die Qualifikation der in die engere Wahl gekommenen Kandidaten wurde dem Aufsichtsrat dargestellt", hieß es anderntags in einer knapp gehaltenen Pressemitteilung. "Weitere Gespräche sollen stattfinden und zeitnah zu einer abschließenden Entscheidung führen." Heiko Beeck, der Vorstandssprecher der AG, der zusammen mit Aufsichtsratschef Herbert Becker, Finanzvorstand Thomas Pröckl und Vereinspräsident Peter Fischer die Kandidatenliste ausgearbeitet hatte, hält eine kurzfristige Entscheidung für wahrscheinlich. Eindeutiger Favorit auf den Posten ist Heribert Bruchhagen. Der 54 Jahre alte Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) soll, wenn möglich, bereits in der nächsten Woche vorgestellt werden.

          Bruchhagen entscheidet am Wochenende

          Bruchhagen war Geschäftsführer des FC Schalke 04 (1988 bis 1992), Manager des Hamburger SV (1992 bis 1995) und von Arminia Bielefeld (1998 bis 2001) und soll bei der Eintracht als Vorstandsvorsitzender auch für die sportlichen Belange zuständig sein. Für Bruchhagen ist es der zweite Anlauf bei der Eintracht. Er war im August bereits als Vorstandsvorsitzender im Gespräch, ehe die peinliche Episode mit dem schnell gescheiterten Peter Schuster begann. Bruchhagen selbst bezeichnete das Rennen am Mittwoch noch als offen. Er wolle sich am Wochenende entscheiden, ob er das Angebot der Eintracht annehme oder nicht.

          Am Dienstag hatte der AG-Vorstand (Beeck, Pröckl) und der Hauptausschuß (Fischer, Becker) dem Aufsichtsrat zu vier Kandidaten seine Eindrücke präsentiert, der Name Bruchhagen stand nicht auf der Liste. Beecks Favorit war Stephan Beutel, der zuletzt beim FC St.Pauli unter Vertrag gestanden hatte. Nicht geklärt war bis dahin auch die grundsätzliche Frage, ob der neue Sportmanager im Vorstand oder unterhalb dieser Ebene angesiedelt werden sollte. Bruchhagen wurde aus den Reihen des Aufsichtsrats in die Diskussion gebracht, als sich die Herren des Vorstandes bereits verabschiedet hatten. Wenn Bruchhagen tatsächlich den Vorsitz im Eintracht-Vorstand übernimmt, will Beeck, der für drei Jahre berufen ist, im geschäftsführenden Gremium "weiterhin zur Verfügung stehen." Er begrüße das Modell, den sportlich Verantwortlichen im Vorstand zu etablieren, sagte Beeck. Das verleihe Amt und Person "mehr Statur."

          „Nichts tun, was die Lizenz gefährdet"

          Die Finanzierung des neuen Mannes ist gesichert, 250.000 Euro sollen für die Position zur Verfügung stehen. Viel Geld in der finanziell angespannten Situation der Eintracht, aber für Beeck eine sinnvolle Investition. "Der neue Mann wird, wenn er gut ist, sein Geld wieder zurückverdienen." Trainer Willi Reimann räumte Beeck kein Mitspracherecht ein. "Er ist Angestellter der AG und hat jede Entscheidung zu akzeptieren." Allerdings werde der Trainer von ihm in die Überlegungen einbezogen. "Er ist informiert, aber die Entscheidung treffen wir." Mit Bruchhagen, so viel steht fest, würde Reimann leben können. Beide verbinden gelegentliche private Kontakte.

          Auch Reimann hatte am Dienstag einen Auftritt vor dem Aufsichtsrat. Der Eintracht-Trainer berichtete über die sportliche Situation. Ob er auf Verstärkungen in der Winterpause hoffen darf, ist offen. Ausgeschlossen sind sie nicht, allerdings müßte es der AG hierfür gelingen, eine Zwischenfinanzierung aus privaten Geldern zu organisieren. Ein Stürmer steht auf Reimanns weihnachtlicher Wunschliste - und, mit geringerer Dringlichkeit, ein weiterer Verteidiger. Finanzielle Abenteuer will Beeck auf keinen Fall wagen. "Wir werden nichts tun, was die Lizenz gefährdet."

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