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3:1 bei Hertha BSC : Die starke Eintracht stürmt auf Platz eins

  • -Aktualisiert am

Bas Dost traf für die Eintracht zum 2:0. Bild: dpa

Hertha BSC wollte den Schwung vom Auftaktsieg mitnehmen. Der Plan geht gewaltig nach hinten los. Frankfurt verliert zwar früh einen Spieler, nutzt aber die Torchancen – und steht vorerst an der Tabellenspitze.

          3 Min.

          An der Seitenlinie, auf einer Werbematte im Berliner Olympiastadion, saß Filip Kostic und verzog das Gesicht. Die Schmerzen, die in diesem Moment durch seinen Körper zogen, wussten auch die emsigen Betreuer nicht zu lindern. Egal was sie auch unternahmen, Kostic schüttelte immer wieder den Kopf. Schnell wurde klar, dass er nicht weitermachen konnte. Für Kostic kam Steven Zuber, der Schweizer, da waren im Spiel zwischen Hertha BSC und Eintracht Frankfurt gerade mal fünfzehn Minuten vorüber. Dennoch siegte die Eintracht am Freitagabend 3:1 und ist mit vier Punkten vorerst auf Platz eins der Tabelle.

          Bundesliga

          Hertha-Trainer Bruno Labbadia hatte im Vorfeld immer wieder vor Kostic gewarnt, aus seiner Sicht ist der linke Außenbahnspieler eine Schlüsselfigur im Spiel der Frankfurter und tatsächlich veränderte sich nach der Verletzung des Serben, dem Jordan Torunarigha bei einer Rettungsaktion gegen das Knie gesprungen war, die Statik dieses Aufeinandertreffens. Nur – anders als Labbadia vermutete –, nicht zum Nachteil für die Eintracht. Statt vermehrt über die linke Seite liefen viele Angriffe über die rechte Seite, wo Almamy Touré eifrig Flanken in den gegnerischen Strafraum schlug.

          Eine davon köpfte André Silva knapp über das Tor (25. Minute). Der Portugiese stand kurz darauf abermals im Mittelpunkt, als er in den Strafraum eindrang und dort regelwidrig von Herthas Dedryck Boyata gestoppt wurde. Boyata, gerade von seinen Mannschaftskollegen zum neuen Kapitän gewählt, hatte schon in der vergangenen Saison des öfteren für Ungemach gesorgt in den eigenen Reihen und drei Elfmeter verschuldet. Den fälligen Strafstoß verwandelte Silva selbst (30.).

          Für Frankfurt war es die verdiente Führung, zeitweise hatten die Hessen mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Aber Hertha verfügt nach diversen Transfers vor allem in der Offensive über starke Individualisten, die in der Lage sind, dem Spiel mit einer einzigen Aktion eine Wendung zu geben. Die Berliner, die bis dahin größte Mühe hatten, vor das Frankfurter Tor zu kommen, kombinierten sich auf einmal fein ins letzte Drittel, doch den Versuch von Dodi Lukebakio konnte der Frankfurter Torwart Kevin Trapp parieren (33.). Ehe sich die Berliner an dem gelungenen Spielzeug berauschen konnten schlug Frankfurt zurück. Nach einem Freistoß durch Daichi Kamada setzte sich Bas Dost robust gegen seine Bewacher Boyata und Torunarigha durch und verwandelte per Kopf zum 0:2. (36.).

          Der Vortrag der Eintracht wirkte flüssiger, die Abläufe einstudierter und das Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile gefestigter. Obwohl Frankfurt durch zwei Standardsituation in Führung lag, waren die Tore Ausdruck kompletter Überlegenheit. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter lag in allen relevanten Bereich vorne. Sie gewann mehr Zweikämpfe, brachte mit hohem läuferischem Aufwand immer wieder mehr Spieler hinter den Ball und überzeugte mit klugem Ballbesitz.

          Auf dem Boden der Tatsachen: Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio
          Auf dem Boden der Tatsachen: Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio : Bild: Reuters

          Die Hertha lief im eigenen Stadion die meiste Zeit hinterher, abgesehen von ein paar Einzelaktionen passierte in der Offensive nicht viel. Die Solisten fügten sich nicht zu einem Chor, Hertha sucht weiter nach Verstärkung. „In der ersten Halbzeit haben wir fast wie eine Schülermannschaft gespielt“, sagte der neue Hertha-Torwart Alexander Schwolow bei DAZN. „Wir haben die erste Halbzeit verpennt und müssen uns an die eigene Nase fassen. Insgesamt war es zu wenig heute.“

          Der neue Sportdirektor Arne Friedrich bestätigte während der Halbzeitpause Interesse an einer Verpflichtung des ehemaligen Nationalspielers Mario Götze. Einen Götze in der Form früherer Tage hätte Hertha auch in der zweiten Halbzeit gut gebrauchen können, auch wenn das vorhandene Personal nachwies, dass es durchaus für Belebung sorgen kann. Für den schwachen Polen Krzysztof Piatek kam Jhon Cordoba, was sich positiv auf die Berliner Offensive auswirkte.

          Nach knapp einer Stunde hatten die Frankfurter Glück, dass zu Dodi Lukebakios ausgewiesenen Stärken nicht unbedingt das Kopfballspiel gehört. Nach einem Freistoß kam der Belgier nicht richtig an den Ball (57.). Frankfurt verlor plötzlich den Rhythmus, in der Verteidigung taten sich immer größere Lücken auf. Vor allem Matheus Cunha nutzte diese geschickt und stellte die Hintermannschaft der Eintracht immer wieder vor Probleme. Im Anschluss an eine Kombination über den Brasilianer setzte Cordoba einen Versuch über das Tor (65.).

          Just in dem Moment, als das Spiel zu kippen drohte, gelang der Eintracht die Entscheidung. Einen Konter schloss Sebastian Rode mit einem plazierten Schuss von der Strafraumkante ins lange Eck ab (71.). Hertha gab sich trotzdem nicht auf, nach einem energischen Solo von Torunarigha beförderte Martin Hinteregger den Ball vor dem einschussbereiten Cordoba ins eigene Tor (78.). Aber die Frankfurter präsentierten sich an diesem Abend zu souverän, um die sichere Führung noch aus der Hand zu geben. „Wir haben von der ersten Minute an sehr gut dagengehalten und ordentlich nach vorne gespielt“, sagte Rode.

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