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Eintracht Frankfurt : Auf der Zielgeraden kann Keller nicht mehr beschleunigen

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Ein Profi auf der Schlußrunde: Eine kurze Plauderei noch beim Auslaufen mit den erfahrenen Kollegen Arie van Lent und Torben Hoffmann, dann ist für Jens Keller auch diese erste Trainingseinheit des Tages mit der Eintracht beendet.

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          Ein Profi auf der Schlußrunde: Eine kurze Plauderei noch beim Auslaufen mit den erfahrenen Kollegen Arie van Lent und Torben Hoffmann, dann ist für Jens Keller auch diese erste Trainingseinheit des Tages mit der Eintracht beendet. Es sind Ferien, mehr Kinder als üblich haben zugesehen, wie sich die Frankfurter Profis auf das Spiel in der zweiten Liga bei LR Ahlen am Sonntag vorbereiten, und bitten danach um Autogramme. Keller bleibt beschäftigungslos. Die Jüngeren sind gefragter: Jones, Reinhard, Meier, Pröll. Keller ist 34, er hat zudem nach einer Operation am Knöchel neun Wochen gefehlt. Jetzt ist er seit einigen Tagen wieder dabei, aber obwohl er Kapitän der Mannschaft ist, steht er nicht mehr im Mittelpunkt. Gut möglich sogar, daß dies ein Dauerzustand wird. "Ich muß realistisch sein", sagt Keller, "wahrscheinlich ist dies die letzte Saison in meiner Karriere." Eine Schlußrunde also, die nicht nur um den Trainingsplatz am Waldstadion führt.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jens Keller ist im vierten Jahr bei der Eintracht auf der Zielgeraden seiner Karriere angekommen, kann aber nicht mehr beschleunigen. Nach einer Operation am Knöchel Anfang Februar hat er sich wieder ins Mannschaftstraining gekämpft. Richtig angekommen ist er noch nicht. "Mir fehlt einiges", sagt er. Die Kollegen seien ihm deutlich voraus. "Jetzt geht es zwar besser, aber die erste Woche ist mir brutal schwergefallen." Schmerzfrei sei er nicht - aber das kenne er "seit Jahren. Das Knie oder der Knöchel, irgend etwas sticht immer." Verletzungen sind Keller vertrauter, als ihm lieb ist. Vor der Sache mit dem Knöchel war er wegen eines Knorpelschadens im Knie fast ein Jahr lang nicht einsatzfähig. Dieses immergleiche, Wochen und Monate dauernde Procedere - Operation, Rehabilitation, Einzeltraining, Mannschaftstraining - hat Spuren hinterlassen. "Ich muß sehen, ob ich in der zweiten Liga oder sogar in der ersten Liga noch mithalten kann", sagt er. Sollte er tatsächlich noch einen sportlichen Frühling erleben, käme nur eine Verlängerung in Frankfurt in Frage: "Alles andere ist kein Thema." Im Grunde aber könnte nur ein athletisches Wunder seine Karriere verlängern. "Wenn ich in zwei, drei Wochen wieder richtig fit wäre und beim Aufstehen keine Schmerzen mehr hätte, könnte man über eine weitere Saison nachdenken", spekuliert er. Aber er fügt wieder jenen Satz an, mit dem er seine Perspektiven mehr als einmal zusammenfaßt und der wie eine Kapitulation klingt: "Ich muß realistisch sein."

          Der Verein hat zwar die Option auf eine Verlängerung des Spielervertrages, aber er wird sie kaum wahrnehmen. Keller möchte in den verbleibenden vier Heimspielen dieser Saison zumindest noch einmal im fast neuen Stadion spielen ("So will ich meine Karriere nicht beenden"), aber ob Trainer Friedhelm Funkel ihm diesen Wunsch erfüllen kann, ist angesichts des knappen Aufstiegsrennens keinesfalls ausgemacht. "Jens ist im Moment ein bißchen kaputt im Training", sagt Funkel vorsichtig, "mal sehen, wie er sich entwickelt." Das klingt nicht gerade so, als könnten zu Kellers fünfzehn Einsätzen in der Vorrunde dieser Saison noch viele weitere hinzukommen. Der Trainer wird in den nächsten Wochen wohl ohnehin nicht Kellers erster Ansprechpartner sein. Er hat einen Anschlußvertrag über zwei Jahre und wird sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen unterhalten, "was sinnvoll ist, wenn ich aufhöre". Ob er also im Trainerstab oder im Management eine Weiterbeschäftigung finden wird.

          Derweil Keller also um Anschluß ringt, hat Verteidiger-Kollege Aleksandar Vasoski diesen schon wiederhergestellt. Nach seinem Abstecher zum WM-Qualifikationsspiel mit Mazedonien gegen Rumänien (1:2) meldete er sich zur zweiten Trainingseinheit des Tages verletzungsfrei bei Funkel zurück. Auch Du-Ri Cha, der mit Südkorea 2:1 gegen Usbekistan gewann, blieb unverletzt, wie Funkel zufrieden berichtete. Es waren zwei weitere gute Nachrichten für die Eintracht: Zuvor war bekanntgegeben worden, daß der Ausrüster Jako seinen Vertrag mit den Frankfurtern um zwei Jahre bis 2007 verlängert hat und daß etwa 3000 Anhänger die Mannschaft zum Spiel in Ahlen begleiten werden. 10500 Zuschauer passen ins Wersestadion - da dürften sich die Frankfurter Fußballreisenden zum Wohl ihrer Mannschaft leicht bemerkbar machen.

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