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Virtueller Sport : Eine Bühne für die vergessenen Sportarten

  • -Aktualisiert am

Auf interaktivem Boden haben die Volleyballer auch in echt schon gespielt - beim Supercup 2019. Bild: obs

Volleyball virtuell: In der Corona-Pause geht es auch bei den Sportarten aus der zweiten Reihe weiter. Allerdings gibt es noch Bedarf bei der Feinjustierung der Spielfiguren.

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          Für Werbung war gesorgt. Am Freitagmorgen hatte Supercup-Sieger SSC Schwerin das Karriereende seiner Kapitänin Denise Hanke bekanntgegeben, am Nachmittag sah man die langjährige Nationalspielerin im Internet vielleicht zum letzten Mal ein Volleyballteam führen. Bei einem Vierer-Turnier stand die 30-Jährige mit ihrer Mannschaft den Männer-Bundesligateams aus Herrsching, Giesen und Berlin, dem deutschen Meister, gegenüber. Der E-Sport machte dies möglich, denn hier wirken sich die geschlechtsbedingten Größen- und Athletikunterschiede, die den Vergleich in der realen Welt ungleich gestalten würden, nicht aus.

          Das Unternehmen Allied Esports hatte zu der Premiere geladen, deren Finale der ebenfalls gerade vom Leistungssport zurückgetretene Mittelblocker Georg Klein mit dem Team aus der Hauptstadt gegen Hanke und Schwerin gewann. Die Firma aus der 2500 Einwohner zählenden Gemeinde Siek in Schleswig-Holstein baut der virtuellen Unterhaltung weltweit die passenden Bühnen. Der Fußball hat sich auf diesen etabliert, an der Konsole werden Landes- wie Weltmeisterschaften und Ligen ausgespielt. Jetzt habe man, wie E-Sport-Direktor Matthias Zander sagt, „die vergessenen Sportarten in den Blick genommen“. Zwar gebe es für Volley- oder Handball nicht so eine hohe Nachfrage wie beim Fußball. Dennoch sieht man Potential.

          Beim ersten Test sollten auch die United Volleys aus Frankfurt mitspielen. Der scheidende Mittelblocker Tobias Krick erschien dafür prädestiniert. Doch der 21-Jährige, der sich die Freizeit gerne mit Gaming vertreibt, musste passen, weil seine Playstation nicht startklar war. Im Live-Interview verriet der Nationalspieler, der Mitte März per Instagram seinen Abschied von dem Projekt seines Vaters kundgetan hatte, dass er auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber außerhalb Deutschlands noch nicht fündig geworden sei. „Die Vereine verpflichten eher Außenangreifer aus dem Ausland“, weil diese wichtiger seien. „In der Nationalmannschaft habe ich ja schon ganz gut gespielt“, sagte der Europameisterschaftszweite von 2017. „Aber ich muss mich erst mal längere Zeit auf höherem Niveau beweisen.“

          Zudem erschwert die Corona-Krise vieles, die Klubs zögern mit Verpflichtungen. Die Hessen selbst, die trotz aller Unkenrufe anders als die Konkurrenz von den Alpenvolleys sowie aus Eltmann und Rottenburg weiter für die Beletage planen, haben bereits einen Nachfolger in der Abwehrwand für Krick gefunden. Der Name wurde noch nicht bekannt. Auch die weitere Zusammenarbeit mit dem argentinischen Trainer Juan Manuel Serramalera soll feststehen.

          Im E-Sport soll es ebenfalls weitergehen. Weitere Erstligaklubs aus Deutschland und der Schweiz möchten sich auf dieser Ebene miteinander messen. Vom angepeilten Ziel eines Ligasystems ist man laut Zander aber noch weit entfernt. Zudem gilt es, diverse Defizite zu beheben. Die Figuren auf dem Feld, für die die Spieler unter anderem die Art des Aufschlags, die Plazierung des Balles und das Timing steuern können, verhalten sich bisweilen regelwidrig, allen voran der in seinen Aktionen sehr begrenzte Libero. Der Block bleibt oft ungerührt stehen, statt sich in Richtung Ball zu bewegen. Auch längere, spannende Rallyes fehlen, und von der beeindruckenden Dynamik der Sportart ist wenig zu sehen.

          Den Vereinen soll das Engagement die Gelegenheit eröffnen, ihren Sponsoren eine zusätzliche Werbemöglichkeit zu bieten. Während Spiel- und Sportpausen wie der aktuellen können sie zudem laut Zander die Verbindung zu ihren Fans halten. Krick hat dafür einen eigenen Weg eingeschlagen. Auf Tiktok, einer Video-Plattform, postet er fast täglich witzige Clips, an denen bereits mehr als 120.000 Follower Gefallen gefunden haben.

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