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DFB-Pokal : Gemischte Gefühle beim SV Wehen

DFB-Pokal vor Augen, Zweite Liga in Sicht: Für Wolfgang Gräf stimmen die Perspektiven. Bild: Wonge Bergmann

Spektakulär aber schwer: Beim Pokalduell gegen den VFB Stuttgart könnte die Wiesbadener Arena wieder einmal voll besetzt sein. Im Hintergrund wird beim SV Wehen schon fleißig an der Rückkehr in die zweite Liga gearbeitet.

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          Wenn Wolfgang Gräf über die Zuschauerentwicklung in Wiesbaden spricht, hört sich der Geschäftsführer des SV Wehen Wiesbaden an, als hätte er sich mit Uwe Stöver abgesprochen. Der ist Geschäftsführer Sport beim klassenhöheren Zweitliga-Verein FSV Frankfurt und kann mit dem Publikumszuspruch am Bornheimer Hang auch nicht zufrieden sein. Wie Stöver verweist Gräf aber auf die Vergangenheit bei Mainz 05, um sich in eigener Angelegenheit Mut für die Zukunft zu machen: "In Mainz kam die Begeisterung für den Verein auch nicht von einem Jahr aufs andere", sagt der Wehener Geschäftsführer und fügt hinzu: "Wir in Wiesbaden stoßen nicht an unsere Grenzen."

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          In der abgelaufenen Saison hatten die Hessen in der dritten Liga einen Zuschauerschnitt von 4300. Zum ersten Heimspiel in dieser Runde am vergangenen Samstag gegen Werder Bremen II (2:1) waren es dann 3500 Fußballanhänger. An diesem Freitag indes könnte die Arena mit 11 800 Zuschauern voll besetzt sein - weil die Mannschaft von Trainer Gino Lettieri in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde von 20.30 Uhr an den VfB Stuttgart empfängt. Jener namhafte Klub, mit dem es schon einmal beim gleichen Anlass zum Kräftemessen kam: am 4. August 2007, im Mainzer Bruchwegstadion vor 15 200 Zuschauern. An diesem Tag leistete der Außenseiter, der gerade in die zweite Liga aufgestiegen war, dem damaligen Meister bei der 1:2-Niederlage heftigen Widerstand. In einem wahren Pokalfight, in dem es vier Platzverweise, zwei Foulelfmeter und den Stuttgarter Siegtreffer per Strafstoß in der Nachspielzeit gab. "Auch in Wiesbaden kann Fußball einen richtig großen Stellenwert gewinnen", meint Gräf. Dann, wenn die Mannschaft Erfolg hat. Das ist dem Geschäftsführer so wichtig, dass er mehrmals darauf hinweist. Zumindest auf dem Papier haben die Wehener schon ganze Arbeit geleistet. Angesichts einiger prominenter Zugänge gelten sie unter den Drittliga-Trainern als der Topfavorit auf den Aufstieg. Wirtschaftlich der Krösus der Spielklasse zu sein, diese Rolle wird ihnen von der Konkurrenz ebenfalls zugeschrieben. "Es ist schön, dass Wehen Wiesbaden in vieler Munde ist. Das tut dem Image gut", findet Gräf. "Es lässt uns intern jedoch relativ kalt, wie extern die Meinung ist. Wir setzen uns nicht unter Druck."

          „Wehen ist wirtschaftlich ein gesunder Verein“

          Im Hintergrund wird in der Landeshauptstadt schon fleißig an der Rückkehr in die zweite Liga gearbeitet. Mit Plänen, dann die Zuschauerkapazität auf bis zu 15 500 zu erhöhen. Genau wie die Anzahl der Logen von heute 14 auf über 20. Bereits jetzt verzeichnen die Wehener laut Gräf "zwischen 20 bis 25 Prozent mehr Sponsorengelder" als im Vorjahr. Das Fundament bei der finanziellen Unterstützung auf breitere Füße zu stellen ist gewollt und auch erforderlich. Denn aktuell sei der Anteil der Firma Brita, die Namenssponsor der Arena ist und seit dieser Spielzeit außerdem mit einem neuen Produkt auf den Spielertrikots wirbt, "noch zu groß am Etat des Klubs", so Gräf. Geschäftsführer des Taunussteiner Wasserfilter-Herstellers ist der Wehener Präsident, Markus Hankammer.

          "Wehen ist wirtschaftlich ein gesunder Verein", sagt Gräf. Die in diesem Sommer erzielten Transfereinnahmen - Fabian Schönheim ging für rund 400 000 Euro zu Mainz 05, und Daniel Brosinski wechselte für 150 000 Euro nach Duisburg - seien ins "alte Geschäftsjahr geflossen", sagt der Geschäftsführer. Mit dem Erreichen der zweiten Pokal-Runde haben die Wehener nicht kalkuliert, "das wäre wirtschaftlich unseriös". VfB-Trainer Bruno Labbadia, der einst von Lettieri in Darmstadt abgelöst wurde, jedenfalls warnt vor dem "absoluten Topfavoriten der dritten Liga". Und eine erfolgreiche Pokalrevanche würde Wehen sicher auch bei der Zuschauerresonanz weiterbringen.

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