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1860 gegen Eintracht : Mölders macht den „Löwen“ Mut

Schon Pokalsieger: Die regionale Trophäe für Bayern hat sich Sascha Mölders bereits geschnappt. Jetzt will er gegen die Eintracht zuschlagen. Bild: Imago

Den Stürmer des TSV 1860 sollte die Eintracht im Pokal nicht unterschätzen. Der Kapitän ist auch mit 35 Jahren der Mann für besondere Momente.

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          Vor ein paar Tagen hat der „Kicker“ das Endergebnis für seine Wahl des Fußballers des Jahres veröffentlicht. Die meisten Sportjournalisten stimmten für Robert Lewandowski, aber wie das meistens so ist, finden sich am Ende solcher Listen Namen, die dort eher nichts zu suchen haben. Es gab etwa drei Spieler von Eintracht Frankfurt, die für ihre Leistungen in der vergangenen Saison jeweils eine Stimme erhielten: Martin Hinteregger, Daichi Kamada und Filip Kostic. Und es gab sogar einen Spieler, der gleich zwei Stimmen abstaubte, obwohl er nur in der dritten Liga aufläuft: Sascha Mölders vom TSV München 1860.

          DFB-Pokal

          An diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) tritt die Eintracht in der ersten Runde des DFB-Pokals im Grünwalder Stadion in München an. Dort, wo Sascha Mölders mit 35 Jahren noch immer auf dem Rasen rennt, mit einem etwas buckligem Rücken und einem Trikot, das am Bauch ein bisschen spannt, was nicht am Shirt liegt. Es ist leicht, sich über Mölders zu amüsieren, weil er anders ist als die modernen Profifußballer, die auch in der dritten Liga einen Sixpack unter dem Trikot tragen, weil er ganz ehrlich erzählt, dass er sich auf die Weißbier im Urlaub freut. Er ist deswegen schon immer etwas unterschätzt worden. Beim FSV Frankfurt, wo er sich in der Zweiten Bundesliga durchsetzte. Beim FC Augsburg, wo er sich in der Bundesliga behauptete. Als ein Reporter von Sport1 ihn nun auf die Wahl ansprach, sagte er, dass die zwei Journalisten, die für ihn gestimmt haben, „am Vortag vielleicht gesoffen haben“. Er weiß, dass er auf diese Liste nicht gehört, aber eines sollte man vor dem Pokalwochenende trotzdem nicht tun: ihn unterschätzen.

          Ziemlich viel schiefgelaufen

          Es ist auch in den vergangenen vier Jahren ziemlich viel schiefgelaufen beim TSV 1860, aber Sascha Mölders war immer da. Im Sommer 2017 verlängerte er seinen Vertrag, obwohl sein Verein gerade aus der zweiten in die vierte Liga abgestürzt war, nachdem Hasan Ismaik, der jordanische Investor des Klubs, sich geweigert hatte, zehn Millionen Euro für die Spielgenehmigung in der dritten Liga zu bezahlen. Im Sommer 2018 schoss er seine Mannschaft mit drei Toren in den Relegationsspielen gegen Saarbrücken zurück in den Profifußball.

          Im Sommer 2019, als im Verein mal wieder der große Streit zwischen den Gesellschaftern tobte – Hasan Ismaik und seine Verbündeten auf der einen Seite, e.V.-Präsident Robert Reisinger und seine Anhänger auf der anderen – und kein Geld für neue Spieler da war, war es der Stürmer, der den Fans Mut machte. Im Sommer 2020 verlängerte er wieder seinen Vertrag, obwohl andere Vereine ihn wollten. Er sagte: „Ich musste mich zwischen Geld und Liebe entscheiden. Und hier bin ich.“ Es ist aber nicht nur die Liebe, die Mölders beim TSV 1860 gehalten hat, sondern auch die sportliche Perspektive.

          Im vergangenen November stieg Michael Köllner als Cheftrainer ein. In den nächsten 14 Ligaspielen verloren die Löwen nicht. Am Ende wären sie fast aufgestiegen. Jetzt versuchen sie es wieder. Die Stimmung ist ungewöhnlich gut. Die Gesellschafter streiten zur Zeit nicht. Es ist sogar neues Geld da, weil der Hauptsponsor den Etat um eine Millionen Euro erhöht hat. Schon davor sagte Köllner in einer Presserunde: „Ihr kennt meine Ziele ja auch: Ich will nicht ewig mit Sechzig in der dritten Liga spielen. Wir wollen hoch.“

          Das passt dem ehrgeizigen Mölders. Um ihn herum hat Köllner eine junge Mannschaft aufgebaut, die zwei herausragende Spieler, Efkan Bekiroglu (Alanyaspor) und Tim Rieder (1. FC Kaiserslautern), abgeben musste, aber auch zwei Nachfolger gefunden hat: Stephan Salger aus Bielefeld und Richard Neudecker aus Venlo. Dazu soll noch ein Stürmer kommen. Denn es ist zwar unheimlich gut, wie Mölders Bälle behauptet, weiterleitet und oft auch ins Tor schießt, aber keiner weiß, wie lange das noch klappt. Am vergangenen Wochenende konnten sich die Löwen auf Mölders verlassen: Im Finale des bayerischen Landespokals besiegten sie den Zweitliga-Aufsteiger Würzburger Kickers im Elfmeterschießen. Mölders spielte durch.

          Ohne Kostic im Pokal

          Ohne Filip Kostic bei den „Löwen“. Eintracht-Trainer Adi Hütter muss für die ebenso reizvolle wie herausfordernde Pokalaufgabe beim TSV München 1860 ohne einen seiner besten und beständigsten Spieler auskommen. Da Kostic in der vergangenen Pokalsaison im Viertelfinale gegen Werder Bremen mit einer Roten Karte des Feldes verwiesen worden war, ist er für die bevorstehende Erstrundenpartie im Wettbewerb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch gesperrt.

          Die Eintracht und der Pokal – das ist rückblickend eine Erfolgsgeschichte. Zehn der vergangenen zwölf Spiele haben die Frankfurter Fußballprofis gewonnen. „Der Pokal ist der schnellste Weg zu einem Titel und zurück nach Europa“, sagt der rechte Außenspieler Timothy Chandler. Am Mittwoch hat Hütter zweimal mit seiner Mannschaft trainiert, was nichts Besonderes ist. Erfreulich war, dass sich diesmal keine Rumpftruppe getroffen hat. Die elf Nationalspieler der Eintracht, die in den vergangenen Tagen für ihre Auswahlteams auf Reisen und im Einsatz gewesen sind, waren wieder im Frankfurter Trainingsbetrieb dabei. Einige von ihnen werden nicht das peinliche Aus vergessen haben, das die Eintracht vor zwei Jahren in Ulm erlebte. Beim dortigen Regionalligaklub endeten Frankfurter Pokalträume schon in der ersten Runde. Die „Löwen“ könnten der Eintracht liegen. Das letzte Pokalduell fand im Viertelfinale 2005/06 statt. Die Hessen siegten 3:1 und stießen in der Folge bis ins Finale vor.

          (raw.)

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