https://www.faz.net/-gtl-acjln

Sportkreis Frankfurt : „Schwächen brutal offengelegt“

  • -Aktualisiert am

Die Corona-Pandemie wird für Sportvereine in Frankfurt zum Problem. Bild: Lucas Bäuml

Wie geht es den Frankfurter Vereinen nach eineinhalb Jahren Pandemie? Anlässlich dieser Frage hat der Sportkreis Frankfurt einen vorgezogenen Dreijahresbericht vorgelegt.

          2 Min.

          Grußworte in einem Jahresbericht sind üblicherweise nicht der Ort für sportpolitische Abrechnungen. Doch hat Petra Preßler, die Vorsitzende der Sportjugend Frankfurt, genau auf diesem Weg klare Worte geäußert: „Diese Pandemie hat nicht nur die Schwächen unseres föderalen Systems und die Unzulänglichkeiten des politischen Handelns in brutaler Weise offengelegt, sondern auch gezeigt, wie gering viele Politiker*innen den Stellenwert des Sports, insbesondere des Breitensports, einschätzen.“ Ihre Kritik findet sich im Dreijahresbericht für 2019 bis 2021 des Frankfurter Sportkreises.

          Es waren drei Jahre (eigentlich zweieinhalb), wie sie der nun 75-jährige Dachverband von 420 Vereinen mit rund 253.000 Mitgliedern noch nicht erlebt hat und wohl auch nie wieder erleben möchte. Der Bericht zum ungewöhnlichen Zeitpunkt ist als direkte Reaktion auf die nach wie vor besonderen Umstände zu verstehen, das bestätigte der Vorsitzende Roland Frischkorn. Allerdings geht man beim Sportkreis nicht davon aus, dass sich eine vorpandemische Normalität bald wieder einstellt: „Wir glauben nicht daran, dass in absehbarer Zeit alles wieder wird wie früher. Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben, auch im Sport“, so Frischkorn.

          Positiver Mitgliedertrend trotz Corona

          Dabei fällt das Corona-Zwischenfazit nicht durchweg negativ aus. In der vergangenen Dekade wuchs der organisierte Sport stetig und gewann rund 100.000 Mitglieder dazu bis zum Höchststand Anfang 2020. Daher sei auch der Verlust von 9700 Mitgliedern im Pandemiejahr 2020 zu verkraften, sagte Frischkorn. Der ganz große Mitgliederschwund blieb aus – man sah aber eine Verschiebung: Vor allem große Vereine mit vielen Sportarten mussten Mitglieder verabschieden, „mit Ausnahme der Eintracht, die hat sogar Mitglieder gewonnen“, dafür konnten einige kleinere Vereine profitieren. Beispielsweise meldeten viele Tennisvereine einen starken Anstieg der Anfragen. Der Rückschlagsport kommt ohne Körperkontakt aus, findet überwiegend draußen statt und – auch das ein wichtiger Aspekt – lässt sich in die individuelle Corona-Tagesroutine einplanen, so man nicht in Mannschaftsstärke trainiert. Vor allem aber war er länger erlaubt als vieles andere.

          Der Sportkreis bemühte sich in den vergangenen Monaten häufig um mehr Beachtung durch die Politik. Man sei im Dialog, so Frischkorn, der Stadt könne man kaum Vorwürfe machen. „Wir führen seit letztem Jahr Oktober immer wieder Gespräche mit dem Dezernat. Das war ein Miteinander, kein Gegeneinander.“ Insgesamt sei es kein Problem der Stadt, sondern des Bundes, der Breitensport völlig vernachlässigt habe.

          Besonders von den Einschränkungen betroffen waren junge Sportler und Sportlerinnen. „Die höchsten Verluste hatte das Turnen. Eltern melden ihre Kinder nicht an, wenn das übliche Training nicht angeboten werden kann.“ Online-Angebote habe es im Frühjahr 2020 zwar schnell gegeben. Aber zum einen lasse sich Zoom-Sport nur schwer kohärent in die um Bildschirmzeit-Reduzierung bemühte Erziehung einbauen, so Dany Kupczik, stellvertretende Vorsitzende, zum anderen funktioniere eine wichtige Funktion des Sports via App fast gar nicht: die Integration. Zwar konnte ein „Basisangebot“ aufrechterhalten werden, aber viele wichtige Aktionen und Veranstaltungen mussten ausfallen.

          Wie geht es jetzt weiter mit dem Breitensport? „Wir arbeiten daran, dass wieder mehr Kinder und Jugendliche sich in Vereinen anmelden“, sagte Frischkorn. „Mir ist schon seit Beginn dieser Pandemie bewusst, dass wir ein Leben mit dem Virus organisieren müssen und nicht glauben, es ist irgendwann wieder weg. Das weckt auch falsche Hoffnungen. Die Formen werden sich verändern. Viele wollen das noch nicht glauben.“

          Man könne diese Veränderungen schon sehen, etwa an der Europäischen Woche des Sports. „Das war im vergangenen September die erste Großveranstaltung, die stattfinden konnte.“ Mit 50 teilnehmenden Vereinen sei der Zuspruch größer als in den drei Vorjahren gewesen. Man werde also auf diesen Erfahrungen aufbauen und wieder auf eine dezentrale Organisation setzen. Dadurch würden auch die Wohnquartiere wieder in den Vordergrund gerückt, das sei ein echter Mehrwert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          DFB-Liebling Robin Gosens : „Zwick mich mal“

          Die Geschichte von Robin Gosens gibt es eigentlich nicht mehr: Von einem, der auf dem Dorfplatz entdeckt wurde und nun bei der EM für überwältigende Momente sorgt.
          Erholung im Low-Covid-Sommer vor der vierten Welle: Cihan Çelik im Klinikum Darmstadt.

          Lungenarzt Cihan Çelik : „Unser Team ist dezimiert“

          In Deutschland sinken die Fallzahlen. Oberarzt Cihan Çelik berichtet, wie es jetzt auf der Isolierstation im Klinikum Darmstadt aussieht, was mit der Delta-Variante auf uns zukommt und wie sinnvoll die Maskenpflicht noch ist.
           Es gibt gut 220 000 Spielautomaten in Deutschland.

          Glücksspiel vor der Reform : Das große Zocken

          In Deutschland wird das Online-Spielen um Geld erlaubt. Der Staat will mitverdienen – treibt er die Zocker damit Kriminellen in die Arme?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.