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Skyliners verlieren in Gießen : Der nächste Rückschlag

  • -Aktualisiert am

Glänzte bisweilen: Jason Clark (Frankfurt) beim Korbleger, flankiert von den Gießenern Lischka, Chambers und Avga (rechts) Bild: Jan Huebner

Das 90:91 im Derby gegen Gießen offenbart die Schwächen der Skyliners, deren Krise sich verschärft. Eine Verstärkung wie Leon Kratzer käme durchaus gelegen. Derweil steht das Wort Protest im Raum.

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          Wenn sich der Frankfurter Assistenztrainer Daniel Herbert nach einem Basketballspiel konsequent an der Seite seines Vaters Gordon Herbert aufhält, um im schlechtesten Fall Schlimmeres zu verhindern, dann besteht beim Skyliners-Cheftrainer die Gefahr, dass er im Eifer des Gefechts die Nerven verliert und emotional über die Stränge schlägt. Das 90:91 der Frankfurter bei den Gießen 46ers hatte am Samstagabend gerade Bestand, da beschwerte sich Gordon Herbert auch schon in sichtbarer Angriffsstimmung lautstark und gestenreich bei den Schiedsrichtern. Der 59 Jahre alte Coach war wenige Sekunden vor der Schlusssirene davon ausgegangen, dass es auf Geheiß der Gießener noch eine Auszeit geben würde.

          So hatte Herbert auch das Verhalten der Schiedsrichter gedeutet. Und seine Spieler hätten sich ebenfalls auf eine Auszeit eingerichtet, sagte der Trainer am Sonntag dieser Zeitung. Doch plötzlich sei die Partie ohne eine Auszeit fortgesetzt worden. „Es war sehr seltsam.“ Herbert legte noch in der Sporthalle Ost Protest gegen die Spielwertung ein. Ob die Skyliners den Protest tatsächlich weiterverfolgen werden, darüber diskutiere der Klub an diesem Montag, kündigte Herbert an.

          Emotional aufgeheizte Spielstätte

          Zum Schluss mangelte es nicht an strittigen Szenen in der emotional aufgeheizten Gießener Spielstätte. Der Frankfurter Aufbauspieler Jason Clark (15 Punkte) hätte mit einem Korbleger die Skyliners zum späten Sieg führen können, doch gegen Brandon Thomas (12) reichte seine Durchsetzungsstärke nicht aus. Oder war in diesem finalen und beherzten Zweikampf etwa ein Foul des Gießeners im Spiel? Die Meinungen gingen auseinander über die Bewertung der finalen Spielsituation. So oder so: Die Schiedsrichter wollten in dem umkämpften Bundesliga-Hessenderby die Entscheidung wohl nicht an der Freiwurflinie herbeiführen lassen.

          Wieder geschlagen, wieder den nächsten Rückschlag hinnehmen müssen: Die Skyliners, deren Sorgen immer größer werden, kommen nicht in die Spur. 4:10 Punkte zum Saisonstart sind eine schwere Hypothek, die jetzt auf ihnen lastet. Und die den Druck immens erhöht. Die ersten drei Viertel gingen alle an die Gießener (12:4 Zähler), die mit ihrem Zusammenhalt und Erfolgswillen weiter für Furore sorgen. Nur im Schlussviertel bäumten sich die Frankfurter auf. Unter Führung ihres Nachwuchsspielers Richard Freudenberg, der diesmal mit insgesamt 21 Punkten voranging und dem in der Crunchtime der Ausgleich zum 90:90 mit einem Dreipunktewurf – der dritte von vier Versuchen – gelang.

          Gießener Teamleistung

          „Wir haben im vierten Viertel sehr gut gespielt und gekämpft“, sagte Herbert und sprach seinem nervenstarken Youngster ein Sonderlob aus. „Richard hat von der Bank ein starkes Spiel für uns gemacht.“ Viel fehlte nicht, und der 20-Jährige wäre in der ersten Liga zum ersten Mal der Matchwinner gewesen. „Mein Selbstvertrauen ist auf jeden Fall gewachsen“, sagte der Junioren-Nationalspieler. „Die Mannschaft weiß, dass sie mir vertrauen kann.“

          Mit vereinten Kräften mischen derweil die Mittelhessen, die als Rangdritter im Basketball zum Bayern-Jäger geworden sind, die Liga auf. Im Duell mit den Frankfurtern punkteten gleich sieben Spieler zweistellig. In Person von John Bryant stach wieder der König der Kolosse heraus: Der 127 Kilo schwere Center überzeugte mit 17 Punkten, 11 Rebounds und 9 Assists. „Von uns war das eine absolute Teamleistung“, freute sich Trainer Ingo Freyer. „Der Sieg ist gerade für die kommenden Wochen sehr wichtig für uns.“ Die Frankfurter hingegen werden nicht von Rückenwind getragen, ihnen bläst jetzt eine steife Brise entgegen, die sich bei anhaltender Schlechtwetterlage noch zum Sturm entwickeln könnte.

          Clark und der entscheidende Moment

          Herbert steht einer Mannschaft vor, deren Zusammenstellung nicht stimmig ist, die zu viele Schwächen in sich vereint. In Gießen zeigte sich aufs Neue, dass Clark im entscheidenden Moment keine Verantwortung übernehmen kann. Außerdem offenbarten Shooting Guard Brady Heslip (7) und Center Erik Murphy (12), dass das Verteidigen nicht ihre Stärke ist.

          Mit dem 21 Jahre alten Leon Kratzer holen sich die Skyliners nun Verstärkung vom ehemaligen deutschen Meister Bamberg. Oder vielleicht doch nicht? Es ist schon kurios: Die Oberfranken vermeldeten am Samstag den Wechsel des Centers nach Frankfurt. Der 2,12 Meter lange Profi hatte seinen Zweijahresvertrag bei den Bambergern aufgelöst, für die er in vier Spielen nur auf eine durchschnittliche Einsatzzeit von dreieinhalb Minuten gekommen war. Aus Frankfurt kam jedoch keine Bestätigung der Spielerverpflichtung, die schon sicher zu sein schien. „Auf 50:50“ taxierte Herbert am Sonntag das Kommen von Kratzer. „Die Sache ist noch nicht durch“, sagte er. „Ich bin wirklich nicht sicher, ob es klappt.“

          In der Vorsaison wurde Kratzer, der alle Nachwuchs-Nationalmannschaften bis zur U 20 durchlief, nach Unterfranken zu den Würzburgern verliehen. Seine Bilanz dort: In 28 Begegnungen brachte es der Jungprofi auf 3,3 Punkte pro Spiel in elfeinhalb Minuten Spielzeit. Im Angriff war der gebürtige Bayreuther nicht die erste Option für die Offensive. Ihn brauchte der ehemalige Trainer Dirk Bauermann vor allem für die Drecksarbeit. Kratzer sollte die Rebounds holen und Blöcke stellen. Was für ein Kommen des Brettspielers spricht: In Frankfurt würde er keinen Ausländerplatz wegnehmen.

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