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Deutscher Hopp bei Darts-WM : Wann wird maximiert?

Die große deutsche Hoffnung: Max Hopp unternimmt ein neuen Anlauf, die Erwartungen zu erfüllen. Bild: dpa

Darts-Spieler Max Hopp hat bis jetzt die großen Hoffnungen in ihn nicht erfüllt. Und bei der WM in London hat er schwere Aufgaben erwischt. Dennoch behält er den Glauben an seine Fähigkeiten.

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          Max Hopp kennt das inzwischen alles: den Norden Londons, die Bühne im Alexandra Palace, die hohen Erwartungen an ihn. Und doch ist dieses Mal vieles anders vor seiner achten Darts-Weltmeisterschaft des Profi-Weltverbandes PDC, die für den 24 Jahre alten Idsteiner an diesem Mittwoch (19.00 Uhr auf Sport1 und DAZN) mit der Erstrundenpartie gegen den Australier Gordon Mathers beginnt.

          David Lindenfeld
          Volontär.

          Das liegt zum einen an der Pandemie. Die Zuschauer, die im berühmten „Ally Pally“ stets eine außergewöhnliche Atmosphäre mit einer Mischung aus Sportveranstaltung und Volksfest kreieren, sollen zumindest in der ersten Turnierwoche doch nicht in die Halle gelassen werden. Am ersten Abend durften noch tausend Briten kommen. Gesänge und Kostüme waren zwar verboten, Alkohol, der beim Darts reichlich fließt, aber erlaubt. Nun gilt von diesem Mittwoch an in London Corona-Warnstufe drei, die Zuschauer bei Sportveranstaltungen verbietet.

          Für Hopp und die anderen Teilnehmer wird die WM also eine ohne die gewohnte Party der grölenden Masse im Hintergrund, die von der PDC mit vermarktet wird und für die meisten zum Event dazugehört, für manche gar essentiell ist – ein Turnier, das den Blick auf die Bühne lenkt, auf den reinen Sport. Doch das ist nicht das Einzige, an das Hopp sich gewöhnen muss. Erstmals seit 2015 geht der „Maximiser“, wie er in der Szene genannt wird, nicht als deutsche Nummer eins ins wichtigste Turnier des Jahres.

          Clemens zieht vorbei

          Gabriel Clemens (Platz 31 der Weltrangliste) ist mit guten Leistungen still und heimlich an Hopp (39) vorbeigezogen. Das erregt Aufsehen in der Szene: „Es ist ein bisschen traurig, das zu sagen, aber Clemens macht sich momentan etwas besser als Max“, sagte jüngst der niederländische Spitzenspieler Michael van Gerwen, der als dreimaliger WM-Sieger trotz schwächelnder Form auch in diesem Jahr wieder zu den Topfavoriten gehört.

          Wenigstens eines ist also beim Alten geblieben: Für Hopp und seine Entwicklung interessiert sich die Öffentlichkeit. Das ist seit 2012 so. Als zweitjüngster Spieler aller Zeiten nahm der damals 16-Jährige erstmals an der WM der PDC teil. Spätestens nachdem er 2015 als jüngster Spieler der Geschichte Juniorenweltmeister wurde, prophezeiten ihm viele eine große Laufbahn. Bei der PDC rieb man sich die Hände: Ein erfolgreicher Deutscher würde den anhaltenden Boom im Land auf die Spitze treiben, so die Hoffnung.

          So richtig in Fahrt kam die Karriere von Hopp bisher aber nicht. Meist folgten mäßige Auftritte auf gute Ergebnisse wie den Sieg bei den German Darts Open, bei denen er 2018 als erster Deutscher eines der stark besetzten Turniere der PDC gewann. Immer, wenn in der Öffentlichkeit der Durchbruch propagiert wurde, gab es einen Rückschlag. Und immer wieder wurde das Narrativ vom talentiertesten deutschen Hoffnungsträger bedient, der auf dem Weg in die Weltspitze abermals scheiterte.

          „Für mich ist es eine Ehre“

          Glaubt man Hopp, verspürt er keinen besonderen Druck aufgrund der ihm zugedachten Rolle als Heilsbringer: „Für mich ist es eine Ehre, dass die Hoffnungen auf mir lasten“, sagte er im vergangenen Jahr. Inzwischen hat sich das verändert: Das Interesse konzentriert sich nicht mehr nur auf ihn, was kein Nachteil sein muss.

          Mit Nico Kurz, der aus der Nähe von Hanau stammt und am Samstag (19 Uhr) in Runde eins auf Andy Hamilton trifft, gibt es neben Clemens und Hopp einen weiteren Deutschen, auf den nach der erfolgreichen WM im vergangenen Jahr viele Augen gerichtet sind. Damals schieden Kurz und Hopp beide in der dritten Runde aus. Gefeiert wurde für seine Leistung vor allem der Außenseiter Kurz. Hopp hingegen hatte gegen den ungesetzten Darius Labanauskas die historische Chance verpasst, als erster Deutscher ins Achtelfinale einzuziehen. Und stand wieder da als derjenige, der seine Chance nicht genutzt hatte. Das soll sich ändern: Hopp visiert große Titel an – möglichst zügig, aber ohne Eile. „Man muss den Traum haben, Weltmeister zu werden. Und man muss auch daran glauben. Ich bin ja noch jung, hoffentlich habe ich noch 20 bis 30 Jahre als Profi.“

          „Alle Favoriten sind schlagbar“

          In diesem Jahr wird es für alle Deutschen jedoch spätestens ab Runde drei knifflig: Während Kurz in der zweiten Runde zunächst auf Clemens treffen und einer der beiden es im Anschluss wohl mit dem Titelverteidiger Peter Wright zu tun bekommen würde, droht Hopp der Players-Championship-Finalist Mervyn King und im Anschluss José de Sousa, der in diesem Jahr den Grand Slam of Darts gewann. „Ich habe keine andere Erwartungshaltung an mich, als Runde eins zu gewinnen“, sagt Hopp.

          Gut ins Turnier starten und dann sehen, wie es läuft: Der Weg im Präzisionssport, bei dem es um Millimeter geht, kann jedenfalls schnell nach ganz oben führen. Der Engländer Rob Cross arbeitete 2016 noch als Elektriker und wurde knapp zwei Jahre später als Profi Weltmeister. Dieses Jahr könnte wieder eines sein, in dem Überraschungen geschehen. „Alle Favoriten sind schlagbar, das hat man in den vergangenen Monaten gesehen“, sagte Hopp zuletzt und ließ durchblicken, was das für ihn bedeutet: „Für vermeintliche Außenseiter ist das eine große Chance.“

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