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Darmstadts Victor Pálsson : „Schlechte Körpersprache ist verheerend fürs Team“

  • -Aktualisiert am

Victor Pálsson ist bei Darmstadt 98 richtungsweisend. Bild: Jan Huebner

Victor Pálsson ist Führungskraft bei Darmstadt 98. Im Interview spricht er über die richtige Mentalität, das sehr angenehme Leben in Deutschland und seine wichtige Rolle bei den „Lilien“ in der zweiten Bundesliga.

          2 Min.

          Was macht Sie zur unumstrittenen Führungskraft im Darmstädter Spiel? Ist es ihre Persönlichkeit, Performance oder Position?

          Es ist eine Mix aus allem. Ich bin dieselbe Person, ich bin derselbe Victor Pálsson seit dem ersten Tag in Darmstadt, so wie ich mich auf und außerhalb des Platzes im Team verhalte. Meine Persönlichkeit und Mentalität sind unverändert. Mein Spiel hat sich aber gewiss verbessert im Laufe dieses ersten Jahres. Und natürlich wirken sich gute Leistungen auf dem Rasen positiv auf das Standing im Team aus.

          2. Bundesliga

          Wie definieren Sie Führungsstärke im Fußball?

          Führungsstärke in einer Mannschaft kann man mit den Füßen oder mit dem Mund oder mit beidem beweisen. Mit der Arbeit mit dem Ball oder den Qualitäten in der Kommunikation.

          Worauf beruht Ihre Autorität?

          Ich versuche verbal, mit meiner Körpersprache und mit immer vollem Einsatz voranzugehen. Ich versuche, den Kopf immer oben zu halten und meine Mitspieler mit zu coachen. Zuletzt habe ich mich auch im Ballbesitz verbessert, bin an mehr Offensivszenen beteiligt als zuvor in meiner Karriere. Ich habe damit meinem Spiel ein positives Extra hinzugefügt.

          Welchen Einfluss hat Körpersprache auf Ihr Spiel?

          Ich halte eine gute Körpersprache, die für Einsatzbereitschaft und Siegeswillen steht, für einen ganz entscheidenden Faktor. Zum einen für dich selbst, aber vor allem auch für die Spieler um dich herum. Und zwar Mitspieler und Gegner gleichermaßen. Die schlechte Körpersprache eines Einzelnen oder von wenigen kann sich schnell auf die ganze Mannschaft übertragen. Und das ist verheerend.

          Geht es bei der Körpersprache darum, Stärke zu zeigen, oder vorwiegend darum, Zeichen von Schwäche zu vermeiden?

          Eine schlechte Einstellung wirkt sich auf die Körpersprache aus. Und das können Gegner, die dadurch frischen Mut schöpfen, gegen dich verwenden. Es geht darum, dem Gegner zu zeigen: Hier, jetzt und heute gibt es für dich nichts zu holen, weil wir unverwundbar sind. Es gilt, 90 Minuten lang Zuversicht und Vertrauen in die eigene Stärke auszustrahlen. Wenn Gegner schlechte Körpersprache haben, ständig meckern oder sich Wortgefechte mit den Teamkameraden liefern, gibt mir das Gefühl, dass wir schon ein Zwischenziel erreicht haben und in der Partie auf einem guten Weg sind.

          Mit Ihrer kompromisslosen Art zu spielen könnten Sie in Darmstadt ein Kultspieler wie einst Aytac Sulu werden.

          Aytac Sulu hat als Kapitän zahlreiche Erfolge mit dem Verein gefeiert und hatte mit seinen Leistungen daran einen großen Anteil. Ich möchte mich deshalb nicht mit ihm vergleichen. Ich bin Victor Pálsson, und ich weiß, was ich gut kann, und ich weiß, wo meine Limits liegen. Ich habe meine Limits akzeptiert und versuche mein Spiel in dem Radius zu halten, in dem meine Stärken liegen. Ich versuche, mein Spiel nicht zu verkomplizieren. Darüber hinaus hat das Leben außerhalb des Fußballplatzes Einfluss auf mein Spiel. Weil ich das Leben in Deutschland als sehr angenehm betrachte, spiele ich besser Fußball. Ich genieße die Zeit gerade sehr. So gut lief es ja nicht immer.

          Sie hatten offensichtlich Schwierigkeiten zunächst, schienen mit dem deutschen Zweitligafußball zu fremdeln...

          ...ich konnte am Anfang nicht einschätzen, worauf ich mich eingelassen hatte mit meinem Wechsel aus Zürich zu den „Lilien“. Ich war, das sage ich ganz ehrlich, ein Stück weit im Kopf blockiert. Das musste ich ändern, und das habe ich geändert. Ohne die richtige Mentalität überlebt man in dieser Liga nicht.

          Kannten Sie Selbstzweifel zu dieser Zeit?

          Es war keine einfache Zeit. Ich habe die Verantwortung dafür übernommen und einige Dinge in und bei mir verändert. Dazu gehörte auch, dass ich die Zusammenarbeit mit einem auf Sport spezialisierten Mentaltrainer vertieft habe. Dieser hat mir sehr geholfen, den schweren Start zu überwinden.

          Vor dem Zweitligamatch beim 1. FC Nürnberg an diesem Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Fußball-Bundesliga und bei Sky) blickt der SVD auf zwei Siege und sieben ungeschlagene Spiele in Serie. Was ist passiert?

          Wir füllen unsere Philosophie nun schon seit einigen Wochen sehr gut mit Leben. Wir wussten, wo wir in der Winterpause ansetzen mussten. Mit unserer guten Struktur in der Defensive sind wir ein unangenehmer Gegner. Weil wir jetzt auch mehr Tore schießen, sind wir schwer zu schlagen.

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