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Torsten Frings : „Wiederaufstieg – das ist Schwachsinn“

  • -Aktualisiert am

Balanceakt: Torsten Frings versucht, seinen Spielern auf Augenhöhe zu begegnen und den rechten Punkt zwischen Lockerheit und Strenge zu treffen. Bild: dpa

Torsten Frings, der Trainer des Fußball-Zweitligaklubs SV Darmstadt 98, über erfüllte Wünsche, zu hohe Erwartungen, trockenen Humor und die andere Welt eine Klasse tiefer.

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          Was machen Sie in Ihrer Freizeit, das nichts mit Fußball zu tun hat?

          Dann widme ich mich ganz meiner Familie, die ja sonst zu kurz kommt.

          Sie besuchen also keine Kurse, in denen gelehrt wird, Menschen argumentativ für sich und Ihre Sache zu gewinnen?

          Ich kann mir vorstellen, worauf Sie hinauswollen. Um Spieler zu verpflichten, braucht es eine ausgeprägte Hartnäckigkeit, ja die Bereitschaft im positiven Sinne zu nerven, und diejenigen nicht mehr in Ruhe zu lassen. Wir haben ja keine schlechten Argumente beim SV 98: Wir planen hier etwas Neues, versuchen, langfristig etwas aufzubauen, uns zu etablieren, zu wachsen – darüber hinaus haben wir eine fantastische Fan-Basis. Es gibt viele Gründe, warum man sich für Darmstadt 98 entscheiden kann.

          Die meisten Neuzugänge – Hamit Altintop mal hinzugezählt – bezeichnen die Gespräche mit Ihnen als ausschlaggebend. Was erzählen Sie den Wunschspielern denn konkret?

          Spieler wollen Wertschätzung erfahren. Die geben wir ihnen mit der Aussicht darauf, bei uns eine wichtige Rolle im Kader einnehmen zu können. Das haben viele Spieler vielleicht so noch nicht erlebt, weil sie anderswo beispielsweise nur einer von vielen waren. Wir interessieren uns auch für das ganze Drumherum des Spielers, fragen häufig mal, wie es ihm geht und rufen nicht nur einmal kurz an mit der Botschaft: Wir wollen dich. Wir halten den Kontakt, ohne den Respekt zu verlieren vor dem Verein, bei dem der Spieler womöglich noch unter Vertrag steht. Das ist ein schmaler Grat.

          Wie groß ist der Frings-Faktor bei Vertragsgesprächen in Darmstadt?

          Ich kann das nicht beurteilen. Was ich sagen kann: Ich war auch jahrelang Fußballer, habe auf dem höchsten Niveau gespielt, weiß, was ein Spieler braucht. Wir machen keine falschen Versprechungen, und wir locken auch nicht mit viel Geld. Jeder potentielle Neuzugang muss sich die speziellen Begebenheiten am Böllenfalltor vorher genau anschauen, damit er weiß, worauf er sich einlässt, und nicht überrascht ist.

          Geht man recht in der Annahme, dass sich in diesem Sommer die meisten Ihrer Wünsche in der Kaderplanung erfüllt haben?

          In der Annahme liegen Sie richtig. Generell arbeiten wir bei den Spielerverpflichtungen im Team. Gerade bei Hamit Altintop ging das vom Trainerteam bis hin zum Präsidenten, auch einige unserer Spieler waren beteiligt: Wir alle haben ihn permanent mit Nachrichten bombardiert (lacht). Weil er sehr angesehen ist und auch in der Mannschaft viele Freunde hat.

          Inwieweit hebt die Qualität von Altintop das Niveau der gesamten Mannschaft?

          Er ist ein großartiger Fußballer, dessen Vita für sich spricht. Gerade für unsere jungen Spieler ist er sehr wertvoll, weil Hamit seine Erfahrung gerne weitergibt. Hamit ist einer, der seine Mitspieler besser machen möchte. Und Spieler entwickeln sich an seiner Seite schneller. Damit hebt er das Niveau der gesamten Gruppe.

          Wie wird Altintop in der zweiten Liga auf dem Platz wirken können? Er wird vermutlich weitaus weniger Räume gewährt bekommen als in der Bundesliga.

          Mit seiner Qualität wird er sich überall durchsetzen. Zudem sehe ich die zweite Liga nicht so kritisch, wie sie mitunter gemacht wird. Dort wird auch guter Fußball gespielt. Wie auch in der Bundesliga sind nicht alle Mannschaften auf einem Niveau. Auch dort stellen sich Mannschaften hintenrein und andere müssen das Spiel machen. Wir werden in der zweiten Liga höchstwahrscheinlich eine Mannschaft sein, die oft das Spiel machen muss.

          In den Aufstiegs- und in den beiden Bundesligajahren hat der SV 98 nie das Spiel machen müssen. Wie schwer ist oder wird es für die Profis, umzuschalten, auf die dominante Art Fußball zu spielen, die Ihnen vorschwebt?

          Das werden wir sehen. Der SV 98 war vor vier Jahren noch in der dritten Liga. Wir und auch die Fans können gut einschätzen, wo wir herkommen. Wirtschaftlich und infrastrukturell sind uns viele Klubs meilenweit voraus, da haben wir noch einiges aufzuholen. Wichtig ist, dass wir eine Mannschaft aufbauen, deren Kern aus 15, 16 Spielern langfristig zusammenbleibt. Deshalb haben wir viele Verträge mit langen Laufzeiten geschlossen in diesem Sommer. Wir wollen beim SVD nicht mehr erleben, in der Vorbereitung mit zehn Spielern dazustehen, weil der Rest nur ausgeliehen war oder wechseln möchte. Wir wollen das Heft selbst in der Hand haben.

          Wie weit sind Sie dahingehend vorangekommen?

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