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SV Darmstadt 98 : Trainingsstart mit Stau und Star

  • -Aktualisiert am

Gutgelaunt ins neue Fußballleben: Kevin Großkreutz im Zeichen der „Lilien“ Bild: dpa

Die „Lilien“ beginnen ohne Sulu, der im Verkehr feststeckt, die Vorbereitung auf die zweite Liga. Neuzugang Großkreutz ist dafür präsent und will vieles hinter sich lassen.

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          Die „Lilien“ sind seit Mittwochvormittag zurück auf dem grünen Rasen mit Ball am Fuß. Alle? Nein, nicht ganz. Kapitän Aytac Sulu stand bei der ersten Einheit am Böllenfalltor nicht auf dem Platz, sondern steckte im Stau fest. Und so reduzierte sich die Zahl der verfügbaren Profis des SV Darmstadt 98 zunächst auf elf Feldspieler und drei Torhüter. Mit einer Rumpftruppe in die Saisonvorbereitung zu starten sind sie beim SVD gewöhnt.

          Doch Cheftrainer Torsten Frings kündigte an, dass sich dies in den kommenden Tagen ändern könnte. Zumal der 40-Jährige auch die Nachricht überbrachte, dass mit Marcel Heller eine der Identifikationsfiguren der vergangenen Jahre den Zweitligaklub mit noch unbekanntem Ziel verlassen wird. „Wir werden relativ schnell viele neue Spieler dazubekommen, so dass wir auch bald komplett sind“, sagte Frings.

          Positiv verrückter Verein passt zu Großkreutz

          Bei der ersten öffentlichen Einheit der Spielzeit 2017/18 waren die Blicke sowieso vornehmlich auf einen Spieler gerichtet, der gemeinhin als Darmstädter Königstransfer bezeichnet wird. Kevin Großkreutz wurde wie die anderen Mitglieder des „Lilien“-Trosses mit freundlichem Applaus der etwa 200 Fans begrüßt. Und stürzte sich dann in die von der Sonne hochsommerlich beschienene Trainingsarbeit. Vier Monate hat der einstige Nationalspieler nicht mehr in einem Team Fußball gespielt, nachdem die Arbeitsbeziehung mit dem VfB Stuttgart nach einer schlagzeilenträchtigen nächtlichen Eskapade zerbrochen war. Großkreutz sprach von dem „großen Spaß“, den es ihm bereitet habe, „endlich wieder einen Ball am Fuß“ haben zu können. Der Weltmeister von 2014 stand nach eigener Aussage kurz davor, seine Karriere nach dem unrühmlichen Abgang in Stuttgart zu beenden.

          Der enorme Zuspruch aus allen Winkeln der Republik, nicht zuletzt das Werben von Frings um seine Dienste für die „Lilien“, habe ihn von diesem Gedanken abgebracht. Er habe sich zurückgezogen und habe das intensive Gespräch mit Familie und Freunden gesucht. Die Unterstützer, nicht zuletzt aus der Fußballbranche, „will ich alle stolz machen“, sagte Großkreutz. Kein Zweifel: Der einstige Star der Dortmunder Südtribüne möchte in Südhessen nach turbulenten Karrierejahren mit einigen Affären ruhigere Darmstädter Zeiten erleben. Bei seinen ersten Statements kam er wahrlich nicht weltmeisterlich großspurig daher, sondern leise, beinahe schüchtern, als ihm in den Katakomben des Stadions ein Bündel Mikrofone vor die Nase gehalten wurde. „Das ist ein Neustart. Ich will nach vorne gucken, will Fußball spielen, auf dem Platz alles raushauen und den Rest hinter mir lassen.“ Der SVD, dem er dankbar ist für die Bereitstellung eines neuen Betätigungsfeldes, ist in den Augen des 28-Jährigen eine sehr geeignete Adresse für dieses Unterfangen. „Das ist ein positiv verrückter Verein. Das passt zu mir.“ Das gilt nach Großkreutz’ Auffassung auch für die zweite Liga: „Da geht es immer zur Sache. Und es ist mein Spiel, dazwischenzuknallen. Da freue ich mich drauf.“

          „Wir wollen den Spieler, der Spieler will zu uns“

          Auch Frings baut im Besonderen auf seine namhafte Verpflichtung, die aus der Dortmunder und Stuttgarter Fußball-Hochglanzwelt stammend im beschaulichen „Lilien“-Betrieb „vorwegmarschieren und ein absoluter Führungsspieler für uns sein soll“. Dem Cheftrainer war das Bemühen anzumerken, dem Star im Team einen harmonischen Jobeinstieg im neuen Dress zu ermöglichen – und die affärenbelastete Vergangenheit nicht groß zu thematisieren. Großkreutz, so Frings, sei „ein feiner Typ und hat einen sehr guten Charakter“.

          Frings mochte sich noch nicht dazu äußern, mit welchem Saisonziel die Darmstädter am letzten Juli-Wochenende in die Zweitligarunde starten. Dafür seien noch zu viele Planstellen im Aufgebot unbesetzt. Mit den erfahrenen Kräften Hamit Altintop und Jan Rosenthal, deren Verträge zum Monatsende auslaufen, seien die „Lilien“ weiter in aussichtsreichen Gesprächen. Etwas anders stellt es sich bei der geplanten Rückholaktion von Tobias Kempe dar, der vor zwei Jahren von Darmstadt zum 1. FC Nürnberg stieß und dort noch ein gültiges Arbeitspapier hat. „Wir wollen den Spieler, der Spieler will zu uns. Es ist eine Frage der Zeit, in der wir das hoffentlich über die Bühne kriegen“, berichtete Frings.

          Eine Frage der Zeit, so scheint es, könnte auch die Nachricht vom sicheren Verbleib von Aytac Sulu sein. Der Klub und sein prägendes Gesicht auf dem Platz der vergangenen Jahre sprechen aktuell konkret über eine Weiterbeschäftigung über Juni 2018 hinaus und eruieren, inwiefern der Kapitän auch nach Karriereende im Verein eingebunden werden könnte. Die Mannschaftskasse ist jedenfalls zum Vorbereitungsstart schon gut gefüllt, nachdem Sulu die Einheit am Mittwochvormittag unfreiwillig verpasste.

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