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SV Darmstadt 98 : „So extrem habe ich noch nicht erlebt“

  • -Aktualisiert am

Wieder kein Sieg: Auch Victor Palsson kann es nicht fassen. Bild: dpa

Aus dem ersehnten Heimsieg von Darmstadt 98 in der zweiten Bundesliga wird wieder nichts. Das 2:2 gegen Regensburg ist ein Wechselbad der Gefühle. Entsprechend aufgewühlt sind die Protagonisten.

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          Es war ein aufregender, emotionaler Sonntagnachmittag im Stadion am Böllenfalltor. Wäre das Match der „Lilien“ nach 87 Minuten beendet gewesen, hätte es geheißen: Darmstädter Cheftrainer Dimitrios Grammozis angezählt nach 0:1-Heimniederlage gegen Jahn Regensburg und Angreifer Serdar Dursun ausgebuht vom eigenen Anhang. Wäre die Partie nach 93 Minuten abgepfiffen worden, wäre der Tenor gewesen: Darmstädter Glückseligkeit nach später Wende zum 2:1-Sieg durch Torheld Dursun. Doch weil das Spiel 95 Minuten lief und SVD-Keeper Marcel Schuhen noch einen harmlosen Ball durch die Finger flutschen ließ, bleibt haften: Die Südhessen kommen nach dem 2:2-Unentschieden in der zweiten Liga nicht vom Fleck.

          Bundesliga

          Die unbefriedigende Zwischenbilanz mit 15 Punkten aus 13 Spielen stand am Böllenfalltor jedoch nicht im Fokus. Alle Beteiligten waren aufgewühlt von einer spektakulären Schlussviertelstunde, welche den „Lilien“ aber nicht den dringend benötigten Heimsieg bescherte, sondern ein spätes Negativerlebnis der Marke „wie gewonnen, so zerronnen“. Coach Grammozis feuerte wutentbrannt seine Daunenjacke auf den Betonboden hinter seiner Bank und tat sich auch eine halbe Stunde nach Abpfiff noch „schwer, runterzukommen nach so einem Spiel“, wie er sagte. Per Eigentor in Rückstand geraten, Elfmeter verschossen, Spiel gedreht mit zwei Treffern von Dursun in der 88. und 90. Minute und aufgrund eines herben Torwartfehlers von Marcel Schuhen doch noch hart getroffen.

          In seiner Analyse hatte sich der 41-Jährige schnell wieder gefasst, hob hervor, welche Brutalität der Fußball doch bereithalte und zollte seinen Profis Anerkennung für eine in Summe gute Leistung nach der schwachen Darbietung beim 1:3 in Fürth. „Wir waren viel zielstrebiger als in den Vorwochen, waren oft im letzten Drittel und haben eine gute Reaktion gezeigt“, sagte Grammozis. In der ersten Halbzeit mangelte es im Spiel nach vorne abermals an Esprit, Strategie und Zusammenspiel, zumal wog das unglückliche Eigentor von Abwehrchef Dario Dumic (15.), der eine Hereingabe ins eigene Netz abfälschte, lange schwer. Nach Wiederanpfiff vor 13.350 Zuschauern wirkte es, als seien die Darmstädter in der Pause in eine Art Zaubertrank gefallen.

          Sechs gute Toraktionen in den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte bewiesen, dass gegen nicht wirklich überzeugende Regensburger richtig Zug drin war bei den „Lilien“. Die 74. Minute hatte dann das Zeug dazu, die „Lilien“ runterzuziehen: Mit Hilfe des Videoschiedsrichters bekam Angreifer Dursun einen Elfmeter zugesprochen – und ließ es sich nicht nehmen, selbst anzutreten, um sich vom Punkt aus selbst zu befreien aus seinem wochenlangen Tief. Doch der Deutschtürke bolzte den Ball weit über das Tor und wurde in den Minuten danach vom eigenen Publikum ausgebuht, weil er dem in Darmstadt als sicheren Elfmeterschützen bekannten Tobias Kempe (fünf von fünf Strafstößen getroffen in der Vorsaison) die Ausführung nicht überlassen hatte.

          In der Interviewzone sagte Dursun nach seinem wohl spektakulärsten Arbeitstag im SVD-Trikot gleich viermal: „Der Wahnsinn!“ Denn als der starke Victor Palsson in der 88. Minute das Tor aus der Distanz anvisierte, konnte Dursun den Abpraller zum umjubelten Ausgleich verwerten. Zwei Minuten später fegte ein Jubelorkan entlang der Nieder-Ramstädter Straße in Darmstadt: Dursun, von einem präzisen Pass des eingewechselten Marvin Mehlem in Szene gesetzt, grätschte den Ball zum 2:1 für die Südhessen ins Tor. Doch weil Glück und Pech für die „Lilien“ an diesem denkwürdigen Nachmittag so eng beieinanderlagen, gaben sie den Sieg buchstäblich noch aus der Hand. Beziehungsweise Torhüter Schuhen tat es, als sein torwartspezifisches Fehlverhalten dem Regensburger Albers ein simples Kopfballtor ermöglichte (90.+4). „So extrem“, so Grammozis, „habe ich das noch nicht erlebt.“

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