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Zweite Bundesliga : Die „Lilien“ geben immer noch Rätsel auf

  • -Aktualisiert am

Es hängt bei den „Lilien“ viel von Sturmspitze Serdar Dursun ab. Bild: dpa

So richtig schlau wird man aus Darmstadt 98 in dieser Saison nicht. Es wurde zuletzt ein wenig besser, das Konstrukt steht aber auf tönernen Füßen. Denn es gibt weiterhin einige Baustellen bei den „Lilien“.

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          So richtig schlau wird man aus diesen „Lilien“ nicht. Da starten sie ganz gut in die Saison und legen dann eine enorme Sieglosserie von sieben Zweitligaspielen hin. Sie haben gute Momente oder sogar Halbzeiten, sind aber auch vor kompletten Systemausfällen wie in Osnabrück und Fürth nicht gefeit. In den vergangenen Wochen scheinen sich die Dinge zum Besseren, zum Stabileren entwickelt zu haben. Zwar punktet der SV Darmstadt 98 noch nicht konstant genug, um sich von der Abstiegszone absetzen zu können, doch funktioniert die Mannschaft seit Ende Oktober als Kollektiv adäquat.

          2. Bundesliga

          Zuletzt haben reichlich individuelle Fehler – Eigentore, Torwartpatzer, der einminütige Tiefschlaf unlängst bei der 1:3-Heimniederlage gegen den Aufstiegskandidaten Arminia Bielefeld – reichlich Punkte gekostet. Aber diese individuellen Aussetzer sind leichter therapierbar als gesamtmannschaftliche Probleme. „Wir müssen die letzten Prozentpunkte herauskitzeln und diese Fehler vermeiden“, sagt Trainer Dimitrios Grammozis, der es noch nicht vermocht hat, dem SVD eine prägnante Spielidee zu verpassen.

          Hinten gut stehen, schnell umschalten und via Konter den Unterschied machen – diese Vorsätze gehen bislang nur bedingt auf. Was freilich auch mit der (Leistungs-)Dichte der Liga zu tun hat. Und so steht das Darmstädter Spiel vor dem Nachbarschaftsduell beim SV Wehen Wiesbaden an diesem Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) auf tönernen Füßen – denn bei einer Niederlage wären die „Lilien“ tabellarisch wieder tief in den Abstiegskampf verstrickt. „Wir wissen, dass das ein Spiel ist, das uns ein wenig Luft geben kann, wenn wir das gewinnen“, sagt Grammozis. Dass der SVD mehr als eine Zweitliga-Durchschnittsmannschaft ist – dieser Nachweis steht noch aus. Mit einem Mittelfeldplatz wäre man am Böllenfalltor nach den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre ja auch zufrieden.

          Zufriedenstellend ist grundsätzlich auch die Arbeit der Viererabwehrkette. Die Profis Patrick Herrmann, Immanuel Höhn, Dario Dumic und Fabian Holland sind gesetzt und eingespielt. Die Standardsituationen der „Lilien“ haben nach der Begnadigung der ausführenden Kraft Tobias Kempe, auf den Grammozis zum Unverständnis vieler Anhänger wochenlang in der Startformation verzichtet hat, wieder deutlich mehr Drive. Kempe ist seit Wochen der Mann bei den Südhessen, der den Unterschied macht mit seinen Treffern und Torvorlagen.

          Das macht die „Lilien“ ausrechenbar. Da wäre es hilfreich, wenn der kreativste Offensivspieler im „Lilien“-Lager, Marvin Mehlem, seinen Aufwärtstrend nach langer Durststrecke fortsetzen würde. Nach wie vor hängt bei den „Lilien“ viel von Sturmspitze Serdar Dursun ab. An guten Tagen ist der Deutschtürke ein überdurchschnittlicher Zweitligaangreifer, doch die guten Tage sind rarer geworden in dieser Spielzeit. Alternativen hat Grammozis kaum: Neuzugang Ognjen Ozegovic werden Startelfeinsätze noch nicht zugetraut, Felix Platte tastet sich aktuell nach seiner x-ten schweren Verletzung wieder an die Vollbelastung heran.

          Bedeutend für das auf Umschaltmomente fixierte Darmstädter Spiel sind die offensiven Außenbahnspieler. Dort haben weder die Neuzugänge Berko, Honsak und Skarke noch der formschwache Heller nachhaltig geglänzt. Dafür scheint Grammozis im defensiven Mittelfeld seine favorisierte isländisch-südkoreanische Formation gefunden zu haben: Paik und Palsson, der sich mehr und mehr zum echten Leader auf dem Platz aufschwingt. Bleibt Torwart Marcel Schuhen, dessen Leistungsbild noch keine klaren Konturen hat. Klassemann oder Wackelkandidat? Zwei schwere Fehler stehen dem Befund gegenüber, dass er sich noch nicht wirklich auszeichnen konnte in Darmstadt.

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