https://www.faz.net/-gzn-90ewz

„Lilien“-Kapitän Sulu : „Großkreutz ist kein Typ für das Extravagante“

  • -Aktualisiert am

Leader der „Lilien“: Aytac Sulu gibt beim SV Darmstadt 98 das Kommando. Bild: dpa

„Lilien“-Kapitän Aytac Sulu spricht im F.A.Z.-Interview über das Alter als Qualitätsmerkmal, die Tücken der zweiten Liga und sein Vertrauen in Trainer Torsten Frings.

          4 Min.

          Darmstadt 98 ohne Aytac Sulu ist kaum vorstellbar. Sie sind Kapitän, Abwehrchef und Identifikationsfigur. Warum haben Sie Ihren Vertrag nur um ein Jahr vorzeitig bis 2019 verlängert?

          Weil es Dinge gibt, bei denen sich beide Seiten einig werden müssen. Wir haben jetzt einen gesunden Mittelweg gefunden und ihn eingeschlagen. Womöglich kann ich ja meinen Vertrag in ein oder zwei Jahren langfristig verlängern.

          Es hieß, Hoffenheim hätte sich für Sie interessiert. Sie leben mit Ihrer Familie in Heidelberg. Das hätte sich angeboten, zumal Hoffenheim die Champions-League-Qualifikation spielt.

          Ich bin wahrscheinlich dann doch nicht in das Hoffenheimer Raster gefallen, weil ich nicht im Altersdurchschnitt von 18 bis 24 Jahren liege (grinst).

          Sie sind 31 und damit selbst für einen Fußballprofi nicht steinalt. Und jede Mannschaft braucht für eine gesunde Mischung auch erfahrene Spieler.

          Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Diese Mischung aus Alt und Jung ist immer noch die beste. Aber der Trend geht zu den jungen Spielern. Ob das immer so erfolgversprechend ist – ich weiß es nicht. Mit 31 bin ich nicht alt. Ich glaube, ich bin in einem guten Innenverteidiger-Alter. Und ich hoffe auch, noch ein paar Jahre meine Leistung auf diesem Niveau bringen zu können.

          Warum geht Ihrer Meinung nach der Trend zu jungen Spielern?

          Das weiß ich nicht so genau. Ich kann mir vorstellen, dass junge Spieler einfach noch besser für die eigene Spielphilosophie formbar sind.

          In Darmstadt gibt es erfahrene Recken wie Sie, Hamit Altintop, Peter Niemeyer und neuerdings Kevin Großkreutz. Und Talente wie den 19 Jahre alten Marvin Mehlem, der beim 1:0 über Fürth von Anfang an ein gutes Spiel machte. Passt die Mischung in Darmstadt?

          Definitiv, der Mix ist sehr gut. Die Jugend wird bei uns gesichtet, damit der Verein nicht in ein Loch fällt, wenn Spieler wie ich oder Niemeyer irgendwann nicht mehr da sind. Dann sollten die jungen Spieler schon ein oder zwei Jahre lang Erfahrung bei uns gesammelt haben, um in unsere Rollen hineinschlüpfen zu können. Es ist ein sehr guter Weg, um mit Zuversicht in die Zukunft schauen zu können.

          In den vergangenen Wochen stand Neuzugang Kevin Großkreutz sehr im Fokus der Medien. Ist Ihnen das ganz recht, wenn in Darmstadt auch mal andere Spieler in der Öffentlichkeit gefragt sind?

          Soweit ich das beurteilen kann, wurde quasi nur über Kevin Großkreutz geschrieben. Ich finde, man sollte den Jungen jetzt auch mal in Ruhe lassen. Er kommt hier an – das wird thematisiert. Dann werden sein erstes Training und sein erstes Testspiel thematisiert. Alles wird thematisiert. Ich glaube, dass Kevin nicht jedes Mal etwas über sich lesen will. Aber wir können der Presse gegenüber keine Vorschriften machen. Und es ist ja nicht nur der Boulevard. Auch die kleineren Zeitungen könnten ein Stück weit smarter agieren. Ich würde mir für Kevin wünschen, dass der ganze Hype um seine Person etwas zurückgeht. Als junger Mensch und Familienvater braucht er seine Ruhe.

          Aber stimmt nicht auch der Spieler einer Geschichte, die die Vorstellung seiner Familie zum Thema hat, zu?

          Es sind aber auch Social-Media-Sachen, die man ein Stück weit für seine Fans macht. Es könnte auch dort bleiben. Nur ist es dann blöd, wenn manche Zeitungen genau diese Bilder kopieren und eine Story draus machen.

          Sind Sie genervt vom Hype um ihren Mitspieler Kevin Großkreutz? Oder geht es Ihnen vor allem um den Schutz des Spielers?

          Genervt nicht, um Gottes willen. Es geht natürlich vor allem um den Schutz des Spielers, darum, nicht alles auf einen zu fokussieren. Auf Kevin Großkreutz lastet ein großer Druck. Mir war es nach dem Fürth-Spiel deshalb wichtig, darauf hinzuweisen, dass hier nicht Kevin Großkreutz die Siege holt, sondern wir als Mannschaft die Spiele gewinnen.

          Weitere Themen

          Deutschland und das Duell mit Doncic

          Basketball bei Olympia : Deutschland und das Duell mit Doncic

          Im Viertelfinale des olympischen Turniers trifft das deutsche Basketball-Team auf Slowenien. In deren Reihen steht ein Jahrhundert-Spieler, der die Fähigkeit hat, Mitspieler besser aussehen zu lassen.

          Topmeldungen

          
              Die Zeit am Rebstock ist vorbei:   Ein Erntehelfer erntet reife Trauben von einer Weinrebe.

          Neues Weingesetz : Krach im Weinberg

          Das neue Weingesetz ist beschlossen, der Streit unter den Winzern geht weiter. Die Genossenschaften treten aus dem Deutschen Weinbauverband aus. Es geht auch um die Frage: Was definiert die Qualität?

          Besuch in Flutgebieten : Laschet erlebt die Wut

          Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen besucht Orte, die hart von der Flut getroffen wurden. Da entlädt sich der Ärger von Betroffenen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.