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Darmstadt 98 : Ganz ohne Drama geht es nicht

  • -Aktualisiert am

Licht und Schatten: Mathias Honsak (Nr. 18) gelingt das Tor des Tages, in einer anderen Szene aber lässt er seine „Lilien“ verzweifeln. Bild: dpa

Der SV Darmstadt 98 verschafft sich mit dem 1:0 gegen den VfL Osnabrück ein Polster in der zweite Liga – muss sich für den schmalen Erfolg aber ganz schön strecken.

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          Es drohte schon pathologisch zu werden, dass sich die „Lilien“ späte, entscheidende Gegentreffer einfangen. Im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück am Sonntag waren es die rettenden Hände von Torhüter Marcel Schuhen, die dem SV Darmstadt 98 einen dringend benötigten 1:0-Heimsieg ermöglichten. Dank der Glanzparade des 28-Jährigen kurz vor Schluss sprangen die Südhessen mit nunmehr 25 Punkten auf Tabellenrang zwölf. Dank der abermaligen Nullrunden der Konkurrenten auf den Abstiegsplätzen hat sich der SVD sieben Punkte absetzen können. Ein vorerst beruhigendes Polster. Was die Osnabrücker nach der siebten Niederlage in Serie und der ersten seit 30 Jahren am Böllenfalltor nicht mehr haben. „Es war mehr ein Kampf- als ein normales Fußballspiel. Doch die Mannschaft hat alles dafür getan, das Spiel zu gewinnen“, sagte Cheftrainer Markus Anfang. „Das ist uns gelungen, das tut uns gut.“

          2. Bundesliga

          Der Coach hatte im Vergleich zur unglücklichen 1:2-Heimniederlage gegen Nürnberg eine Woche zuvor zwei Veränderungen an seiner Startformation vorgenommen. Der genesene Tobias Kempe und Immanuel Höhn spielten für Fabian Schnellhardt und Lars Lukas Mai, der erstmals in dieser Spielzeit auf der Bank Platz nehmen musste. Victor Palsson rückte in die Innenverteidigung und bildete mit Höhn eine stabile Seilschaft in der Abwehrzentrale. Obwohl erstmals in dieser Konstellation gemeinsam aktiv, war für die gebeutelten Osnabrücker lange kein Durchkommen. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase nahm die Partie nach einer halben Stunde Fahrt auf, und den „Lilien“ gelang schon das Tor des Tages. Eine an sich gute Osnabrücker Kombination strandete am Darmstädter Strafraum, worauf der agile Marvin Mehlem einen Gegenstoß initiierte. Der bis zu seiner Auswechselung in der zweiten Halbzeit nunmehr 560 Minuten torlose Serdar Dursun erreichte mit seiner Hereingabe in der Mitte Mathias Honsak, der zum Führungstreffer einschoss (33. Minute).

          Die Formstärke des schnellen Österreichers ist ein wertvolles Gut für die „Lilien“, vermag es Honsak doch, auf der linken Seite einige Eins-gegen-eins-Duelle für sich zu entscheiden. Und doch sahen die „Lilien“-Freunde am Sonntag auch die Schattenseiten der Spielernatur Honsak. In der 63. Minute hätte er den SVD zwingend von vielen Sorgen befreien müssen: Ein Abpraller landete genau vor den Füßen Honsaks, der nur noch das leere Tor vor sich hatte. Aber zu ihm gehört leider auch ein Maß an mangelnder Entschlossen- und Robustheit – so brachte Honsak, offensichtlich auch aus Angst vor dem nahenden Abwehrbein, nur einen harmlosen, leicht abzuwehrenden Roller zustande.

          Die „Lilien“ boten nach zuvor nur einem Sieg aus sieben Partien keine vollends überzeugende, aber eine für die tabellarische Drucksituation angemessene Leistung. Dursun verfehlte aus aussichtsreicher Position knapp das lange Eck (36.), bei Kempes Versuch (48.) geriet der Winkel etwas zu spitz. Auch Mehlem hatte das befreiende zweite Tor auf dem Fuß, doch bei seinem Treffer (52.) stand er im Abseits und bei seinem Versuch aus 16 Metern mit freier Schussbahn verfehlte er das Ziel deutlich (86.). „Wir haben uns vorgenommen, mal eine der ersten Chancen zu nutzen und nicht in Rückstand zu geraten. Das haben wir geschafft“, sagte Mittelfeldkraft Kempe erleichtert. „Dass es auch zu Null geht, gibt uns Auftrieb und Selbstvertrauen.“

          Nun waren die Darmstädter in Summe das etwas bessere Team. Doch dies ist schon lange keine Währung mehr für die „Lilien“, die in dieser Spielzeit schon reichlich Chancen verstreichen ließen, aus spielerischer Überlegenheit auch zu Punkten zu kommen. Zumal die Offensive aufgrund der anhaltenden Schaffenspause der besten Scorer Kempe und Dursun lahmt. In den vergangenen neun Partien haben die Südhessen nur neun Treffer erzielt. Doch das spielte keine Rolle an einem Tag, an dem sich das Tabellenbild für den SVD plötzlich weitaus besser darstellt.

          Ganz ohne Drama geht es für die Darmstädter freilich nicht. In der Schlussphase brauchte es noch einen „Super-Torwart hinten drin“, wie Kempe sagte. Die Schüsse von Schmidt (75.) und Reichel (86.) parierte Schuhen sehr aufmerksam, seine Parade in der 88. Minute dann war Extraklasse. Den Kopfball von Heider lenkte Schuhen im Flug mit den Fingerspitzen gegen die Querlatte. „Die Einstellung war gut, die Kommunikation auf dem Platz war eine andere. All die Dinge, über die wir andauernd sprechen, waren heute da“, sagte Schuhen. Die Bedeutung des Tageserfolgs ordnete er in Kurzform ein: „Komplett geil.“

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