https://www.faz.net/-gzn-9tyi0

Darmstadt 98 : Verflixte sechzig Sekunden

  • -Aktualisiert am

Schmerzhafte Momente für Darmstadt 98: Yannick Stark geht zu Boden Bild: dpa

Arminia Bielefeld reicht eine Minute, um beim 3:1-Sieg wie eine Naturgewalt über Darmstadt 98 hinweg zu fegen und in der zweiten Liga spitze zu sein.

          2 Min.

          Eine Minute änderte alles. Sechzig Sekunden, in denen Fabian Klos, der mit zwölf Toren beste Angreifer der zweiten Fußball-Bundesliga, wie eine Naturgewalt über den SV Darmstadt 98 kam. Zum Ersten, als der Mittelstürmer des Tabellenführers Arminia Bielefeld einen Abschlag von Torhüter Ortega Moreno als Steilvorlage begriff, perfekt annahm, danach Innenverteidiger Dario Dumic mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen ließ und den Ball aus 22 Metern Torentfernung mit Vollspann an Torhüter Marcel Schuhen vorbei ins Netz beförderte (48. Minute). Zum Zweiten, als Klos eine Flanke seines kongenialen Partners Andreas Voglsammer mit einem spektakulären Volleyaufsetzer zum 2:0 veredelte (49.).

          2. Bundesliga

          Danach berappelten sich die auf Rang zwölf der Tabelle verharrenden Südhessen zwar noch einmal und erzielten nach dem einzigen kapitalen Schnitzer der Bielefelder Abwehr durch Tobias Kempes (71.) Schuss das 1:2 (71.), ehe die Arminen nach einem präzisen Konter kurz vor dem Abpfiff durch Voglsammers neunten Saisontreffer (90.+2) auf 3:1 erhöhten und wenig später ihren siebten Auswärtssieg nacheinander feierten.

          Sie stellten damit einen neuen Zweitligarekord auf. Gleichzeitig riss bei den „Lilien“ eine Punktspielserie von zwölf Heimpartien ohne Niederlage. Trainer Dimitrios Grammozis, der im Stadion am Böllenfalltor das ungute Gefühl einer Niederlage bisher nur bei der 0:1-Pokalniederlage gegen den Karlsruher SC am 29. Oktober verschmerzen musste, lamentierte am Sonntag nicht lange über das Wie und Warum des Rückschlags gegen ein Team, das derzeit konstanter punktet und seriöser seine Chancen nutzt als die Aufstiegsfavoriten Hamburger SV und VfB Stuttgart. Was Grammozis freute, war der ungebrochene Mut, mit dem seine Spieler gegen das letztlich Unvermeidliche ankämpften.

          Nach einer starken Bielefelder Viertelstunde gleich nach der Pause, in der der DSC Arminia seinen Vorsprung noch hätte ausbauen können, setzten die Darmstädter auch dank der eingewechselten Erich Berko und Marcel Heller die Bielefelder wie phasenweise in den ersten 45 Minuten unter Druck. Durch Kempes Treffer zum 1:2 (71.) kamen sie noch einmal heran und schrammten bei Mehlems Schuss, der sein Ziel verfehlte (75.), knapp am Ausgleich vorbei. „Kompliment, wie wir nach dem 0:2 noch mal die Ärmel hochgekrempelt haben“, lobte Grammozis seine Spieler, „das muss uns Mut machen für die nächsten Spiele.“

          Am Ende war der Gewinner abgebrühter – vor allem dank seiner beiden Topangreifer Klos und Voglsammer. Darmstadt gefiel durch seine Fähigkeit, Räume zuzustellen, und das Gespür der Spieler für Umschaltmomente nach vorn. Letztlich aber fehlte es an Wucht und Durchsetzungsvermögen, um die Arminen wirklich erschrecken zu können. Was den „Lilien“ fast komplett abging, war die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. „Wir haben zwar oft aufs Tor geschossen“, sagte Grammozis, „aber leider nicht genau genug.“ So reichten den Bielefeldern letztlich sechzig goldene Sekunden, um den Unterschied zwischen einer Zweitliga-Durchschnittsmannschaft und dem Tabellenführer sichtbar zu machen. „Bielefeld spielt einen sehr guten Fußball“, sagte Torhüter Schuhen, „da fällt es schwer, zwei Gegentore aufzuholen.“

          Dass die Darmstädter ihren Heimnimbus zurückerobern, davon ist Innenverteidiger Immanuel Höhn indes überzeugt. „Wir werden zu Hause wieder zur Festung“ lautete sein Versprechen, nachdem eine lange Serie gegen den derzeit gefährlichsten Serientäter der Zweiten Bundesliga zu Ende gegangen war. Vielleicht nehmen sich die „Lilien“ ja auch ein Beispiel an den Arminen und schlagen nach dem 2:1-Erfolg in Hannover vor einer Woche am kommenden Sonntag aufs Neue auswärts zu: im kleinen hessischen Derby beim heimschwachen SV Wehen Wiesbaden.

          2. Bundesliga

          Weitere Themen

          Star-Trainer Mourinho droht Strafe

          Gegen Auflagen verstoßen : Star-Trainer Mourinho droht Strafe

          Wegen der Missachtung von wichtigen Regeln in Zeiten der Corona-Krise muss Fußballtrainer José Mourinho wohl Konsequenzen fürchten. Es ist nicht das erste Mal, dass sein Klub aktuell im Fokus der Öffentlichkeit steht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.