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Darmstadt 98-Präsident Fritsch : „Gehaltsverzicht kein Allheilmittel“

  • -Aktualisiert am

Rüdiger Fritsch: „Wenn ich eine Lösung hätte, wäre ich im Fußballmanager-Olymp angekommen.“ Bild: dpa

Stabiler aufgestellt als viele Konkurrenten. Weil die „Lilien“ nicht immer alles rausgepulvert haben, ist Präsident Fritsch optimistisch, dass Darmstadt 98 den Überlebenskampf gewinnt. Fragt sich nur, wie lange?

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          Es heißt, dass einige Profivereine diese Krise wohl nicht überstehen werden. Ist auch der SV 98 unter den überlebensgefährdeten Klubs einzusortieren?

          Wir gehen nicht davon aus – Stand heute. Bei den großen Einnahmeverlusten bei zum Großteil weiterlaufenden Ausgaben gilt es völlig neue Kalkulationen aufzustellen. Es kommt jetzt auf das Szenario an: Spielen wir demnächst ohne Zuschauer die aktuelle Saison zu Ende? Wird die Saison abgebrochen? Im Hinblick auf die Überlebenschancen vieler Vereine entscheidend ist, dass die jetzige Saison, wenigstens ohne Zuschauer, zu Ende gehen kann und die kommende Saison hoffentlich normal gestartet werden kann. Der Gürtel muss so eng geschnallt werden, dass Atmen nur noch zu einem Minimum möglich ist. Anders lässt sich das Krisenmanagement nicht angehen.

          Sind das fehlende TV-Geld mitsamt dem laufenden Stadionumbau eine toxische Darmstädter Mischung?

          Grundsätzlich ist die Situation für alle Vereine gleich mit Blick auf die Corona-Auswirkungen. Den Unterschied wird machen, auf wie viel Substanz oder Nichtsubstanz die Corona-Auswirkungen in den jeweiligen Vereinen treffen. Ich zähle uns zu den Adressen mit Substanz. Aber natürlich kommt bei uns hinzu, dass wir uns im größten Infrastrukturprojekt der Vereinsgeschichte befinden. Das läuft über langfristige Finanzierungen – und aktuell hört man ja landauf, landab, dass die Banken aufgefordert sind, das System zu stützen. Ich gehe davon aus, dass dies gemeinsam zu schaffen ist.

          Ursprünglich sollte am 11. Mai, am Tag nach dem letzten Saisonheimspiel, mit Abriss und Neubau der Haupttribüne begonnen werden.

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          Die letzten Arbeiten an der Gegentribüne werden wir wie geplant zahlen können und abschließen. Ein kleiner Trost ist, dass die Haupttribüne ein völlig neuer Bauabschnitt ist. Die Ausschreibung für die ganzen Gewerke werden wir jetzt natürlich verschieben, allein weil die Saison Mitte Mai vermutlich nicht zu Ende sein wird. Dennoch werden wir noch viel rechnen und viele Gespräche führen müssen.

          Könnte das Projekt Haupttribüne sterben?

          Wir erneuern die Haupttribüne nicht aus Spaß oder weil es schöner aussieht, sondern aus der Notwendigkeit heraus, dass ein mehr als 50 Jahre alter Baukörper nicht mehr adäquat zu nutzen ist. Die künftigen Einnahmen aus dem Hospitality-Bereich sind von uns schon eingeplant worden. Auch die würden um die Dauer des Aufschubs wegfallen. Zumal die einzelnen Bauabschnitte vom Funktionsgebäude über Gegen- bis zur Haupttribüne aufeinander abgestimmt waren. Es ist eine sehr ernste Situation, in die jetzt viel seriöser Gehirnschmalz hineingesteckt werden muss.

          Woraus resultiert Ihre Annahme, dass die „Lilien“ stabiler aufgestellt sind als andere Klubs?

          Weil wir Rücklagen gebildet haben über die guten letzten Jahre. Angefangen beim Zweitliga-Aufstieg über zwei Jahre Bundesliga, und auch die vergangenen Jahre haben wir nicht immer alles rausgepulvert, was wir hatten. Damit wollten wir ein mögliches schwaches sportliches Abschneiden absichern. Dass nun eine solche höhere Gewalt über uns hereinbricht, hätten wir nie gedacht.

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