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Zweite Bundesliga : Darmstadt 98 sucht wieder einen neuen Trainer

  • -Aktualisiert am

Trainer Dimitrios Grammozis verlässt den SV Darmstadt 98 zum Saisonende. Bild: dpa

Eigentlich schien es nur noch eine Frage der Zeit bis zur Verlängerung des Vertrages. Nun aber gibt Zweitligaklub Darmstadt 98 bekannt, dass die Verhandlungen mit Trainer Dimitrios Grammozis gescheitert seien.

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          Nach der Hängepartie ist vor der Hängepartie. Das trifft auf den SV Darmstadt 98 zu, der sich mal wieder auf die Suche nach einem neuen Cheftrainer machen muss. Monatelang haben die „Lilien“-Verantwortlichen suggeriert, dass die Verlängerung des nur noch bis einschließlich Juni 2020 gültigen Vertrages mit Dimitrios Grammozis unmittelbar bevorstehe. Diese Hängepartie ist seit Mittwochnachmittag beendet. Der Zweitligaklub teilte mit, dass sich die Wege mit Grammozis am Saisonende trennen werden, weil man sich nicht auf die Dauer eines neuen Kontraktes einigen konnte. Damit beginnt die nächste Hängepartie an der SVD-Spitze mit einem nur noch die restlichen elf Spieltage amtierenden Trainer, dessen Energie fortan zu einem Teil in die Jobsuche fließen wird. Weil zum Ende der Spielzeit auch noch die Arbeitspapiere von 13 Profis auslaufen, steuern die Darmstädter im Sommer auf den nächsten großen Umbruch zu. Von Kontinuität, deren Bedeutung die Verantwortlichen stets hervorheben, fehlt jede Spur am Böllenfalltor.

          Sportdirektor Carsten Wehlmann zeigte sich in der Mitteilung des SVD „überrascht“ davon, dass der Coach die Offerte – welche die „Lilien“ offensichtlich auch nicht bereit waren nachzubessern – abgelehnt hat. „Wir waren in einem engen Austausch mit ihm, hätten gerne mit ihm verlängert und uns gewünscht, dass er das ihm vorliegende Angebot annimmt“, so Wehlmann. Die Südhessen begründen ihr Gebaren mit wirtschaftlichen Kalkulationen, argumentieren mit den finanziellen Belastungen des Stadionumbaus und der leidvollen Erfahrung mit dem einstigen Chefcoach Torsten Frings, der auch mehr als 28 Monate nach seiner Entlassung noch volle Bezüge erhält. Dennoch wirft die Personalie Grammozis ein (weiteres) schwaches Licht auf die Personalpolitik des Klubs.

          Auslöser des Zerwürfnisses ist in erster Linie, dass die Darmstädter darauf beharrten, dem Trainer nur einen neuen Einjahresvertrag zu offerieren. Das schriftliche Angebot ist Grammozis erst in der vorigen Woche vorgelegt worden. Zu einem Zeitpunkt, als der Trainer von der monatelangen Hinhaltetaktik des Verein schon längst irritiert oder gar vergrätzt sein musste. Dass er kein ausreichendes Vertrauen in seine Arbeit spürt, hat Grammozis am Mittwoch deutlich gemacht. „Da unsere Vorstellungen hinsichtlich der Vertragsgestaltung nicht übereinstimmen, sehe ich die Basis für eine zielführende und konstruktive Zusammenarbeit über den Sommer hinaus nicht für gegeben an“, ließ der einstige Bundesligaprofi sich in der Vereinsmitteilung zitieren. Grammozis hat offensichtlich kein Verlangen danach gehabt, seine Tätigkeit aus einer Position der Schwäche heraus fortzusetzen. Dass er das Angebot so empfand, wird in seinem folgendem Satz deutlich: „Ich glaube einfach, dass diese Vertragslaufzeit weder nach innen noch nach außen ein gutes Zeichen gewesen wäre.“

          Es ist zu hören, dass der Trainer nicht nur die Vertragslaufzeit als Misstrauensvotum auffasste, sondern darüber hinaus enttäuscht war über das eher halbherzige Werben um ihn, dass in den Gesprächen kaum Strategisches und Perspektivisches zur Sprache gekommen sei; dass der Lizenzspieleretat in der kommenden Saison wohl um eine Million Euro gesenkt werde und dass seine Bezüge in dem neuen Arbeitspapier nur leicht angehoben werden sollten. Der Fußballlehrer, im Februar vorigen Jahres aus dem Nachwuchsleistungszentrum des VfL Bochum verpflichtet, bezieht bei seiner ersten verantwortlichen Stelle im Senioren-Profibereich ein Anfängergehalt – für Zweitliga-Verhältnisse. Dies nur marginal anheben zu wollen, spricht nicht für eine große Wertschätzung eines Trainers, der die Darmstädter in der vergangenen Saison vor dem Abstieg bewahrt hatte und in dieser auf den siebten Platz führte. Aus dem „Lilien“-Lager ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass auch Grammozis die Gespräche über seine Weiterbeschäftigung am Böllenfalltor nicht voller Enthusiasmus geführt haben soll, dass er Darmstadt 98 in seinem Karriereplan nur als Zwischenstopp eingeplant habe.

          Grammozis kam als Lernender und wird nun als einer gehen, der seine Darmstädter Aufgaben erfüllt hat. Es sei denn, die Mannschaft nimmt die Entscheidung, dass ihr Trainer zu Saisonende geht, zum Anlass, sich nun auf der Zielgeraden hängen zu lassen. Darmstadt 98 und Grammozis betonen, bis zum letzten Spieltag alles für ein gutes Ende der Beziehung zu tun. Doch es wäre nicht das erst Mal, dass es bei einem guten Vorsatz bliebe. Nach drei Siegen nacheinander und insgesamt acht ungeschlagenen Partien haben die so auf Kontinuität bedachten „Lilien“ ohne Not eine weitere Hängepartie eröffnet.

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