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Darmstadt 98 : Die „Lilien“ erinnern an alte Zeiten

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Bald in Darmstadt? Echendu Adiel, zuletzt für Saarbrücken am Ball Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wer derzeit einen zufriedenen Fußballverein sucht, sollte sich beim SV Darmstadt 98 umsehen. Denn seit der Auslosung zur ersten Hauptrunde im DFB-Pokal herrscht allenthalben große Genugtuung.

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          Wer derzeit einen zufriedenen Fußballverein sucht, sollte sich beim SV Darmstadt 98 umsehen. Denn seit der Auslosung zur ersten Hauptrunde im DFB-Pokal herrscht allenthalben große Genugtuung beim südhessischen Regionalligaklub: Der Bundesligaverein Hertha BSC Berlin wurde zugelost, und noch am Montag war für Karlheinz Hahn deswegen die Stimmung bestens. Der Vizepräsident rechnet (9. oder 10. September) mit einer fünfstelligen Besucherzahl, geringen Sicherheitsauflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und konkurrenzfähigen Lilien. „Gegen die Hertha kann man zwar auch mal 0:4 verlieren, aber an einem perfekten Tag ist für uns alles möglich.“

          Vor diesem perfekten Tag sind aber noch Gespräche mit der Darmstädter Bauaufsichtsbehörde notwendig. Denn derzeit ist das abgenutzte Stadion am Böllenfalltor nur noch für 19.400 Besucher (zuletzt 26.000) zugelassen. Jedem Fußballfan in der Stadt dürften noch die großartigen Pokaltage von 2001 in Erinnerung sein, als die Lilien erst im Achtelfinale nach einer unglücklichen 0:1-Niederlage am späteren Pokalsieger Schalke 04 scheiterten. Diese Partie im Dezember sorgte damals für ein ausverkauftes Böllenfalltorstadion - aber auch für auch ein ziemliches Chaos in der aus den Nähten platzenden Arena.

          Zwei Spieler noch gesucht

          Das Spiel gegen Berlin mag zwar die schiefe Finanzlage verbessern, Quantensprünge bei der Zusammenstellung des neuen Kaders sind aber nicht zu erwarten. „Es wird sich nichts verschieben“, betont Präsidiumsberater Uwe Wiesinger. Nach wie vor werden noch zwei Spieler gesucht, einer davon steht kurz vor dem Wechsel nach Darmstadt. Der Nigerianer Echendu Adiele (bisher 1. FC Saarbrücken) hat auch am Sonntag im Testspiel gegen Arminia Bielefeld (0:1) überzeugt. Wiesinger versichert, daß die Lilien den Defensivmann verpflichten wollen und die Vertragsverhandlungen auf einem guten Weg sind.

          Davon ist die Personalie Sebastiao noch entfernt. Der Portugiese stand bereits in der Saison 2002/2003 im Darmstädter Regionalligakader, nun könnte er wieder die linke Seite besetzen. Sollte Sebastiao kommen, wäre er der siebte neue Spieler, der vorige Saison beim damaligen Regionalligakonkurrenten Spielvereinigung Bayreuth unter Vertrag stand. Somit hätte Gino Lettieri, der neue Trainer, sein altes Team nahezu wieder zusammen. Auch der Italiener stand in Bayreuth unter Vertrag.

          Trainer vor Ausbildung zum Fußballehrer

          Derzeit bereitet Lettieri seine Mannschaft im Trainingslager in Reichelsheim im Odenwald vor und erntet dafür dickes Lob von Thomas Schmidt, dem Sportlichen Leiter. „Es ist überraschend, wie gut schon das Miteinander aller neuen Spieler funktioniert.“ Das soll für die Qualität der Teambildungsarbeit von Lettieri sprechen. Dafür muß der 39jährige auch sorgen, denn vom 24. Juli an wird er in Köln seine Ausbildung zum Fußballehrer beginnen und nicht mehr regelmäßig das Training in Darmstadt leiten können. Sein Bruder Gianni, der Assistenztrainer, wird ihn vertreten. Schmidt weist mit Blick auf kritische Stimmen darauf hin, daß Chefcoach Lettieri nur an anderthalb Tagen in der Woche nicht in Darmstadt seiner Arbeit nachgehen könne.

          Das Gemurmel unter den „Lilien“-Traditionalisten dürfte sich aber wieder verstärken, wenn sie erfahren, daß Lettieri sein vorgeschriebenes Praktikum innerhalb der Fußballehrer-Ausbildung bei Friedhelm Funkel, dem Cheftrainer von Eintracht Frankfurt, absolvieren wird. Bekanntermaßen rangiert beim Darmstädter Anhang der Bundesligaclub mit dem Adler auf der Brust in der Beliebtheitsskala sehr weit unten.

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